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Schule nach den Sommerferien: „Ein weiteres chaotisches Schuljahr darf es nicht geben“

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Von: Benjamin Stroka

Die Grundschule Bonifatiusschule in Düsseldorf.
Präsenzunterricht trotz Corona-Pandemie soll es auch nach dem Ende der Sommerferien geben. (Archivbild) © Political-Moments / Imago

Noch bis Mitte August laufen die Sommerferien. Danach sollen die Schulen in NRW trotz Corona im Präsenzunterricht ins neue Schuljahr starten. Ist das so einfach möglich?

Düsseldorf – Monatelang machte das Hin und Her zwischen Präsenz-, Wechsel- und sogar komplettem Distanzunterricht den Kindern, Eltern und Lehrern in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Erst zum 31. Mai konnten viele Schulen in NRW dank sinkender Corona-Zahlen wieder zum klassischem Präsenzunterricht zurückkehren. Bis zum 2. Juli fühlte es sich, trotz Masken- und Testpflicht, zumindest in gewisser Weise nach „Normalität“ in den Schulen an.

Schule nach den Sommerferien: Corona-Zahlen in NRW steigen wieder

Am 5. Juli begannen die Sommerferien und noch vor dem Ferienstart betonte Schulministerin Yvonne Gebauer, dass NRW auch nach den Ferien „mit voller Präsenz“ ins neue Schuljahr 2021/22 starten werde. „Der Präsenzunterricht ist die beste Form des Lernens. Aber: Die Landesregierung wird die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens vor allem mit Blick auf mögliche Auswirkungen des Reisens in den Sommerferien und die Delta-Variante weiter genau beobachten. Wir bleiben achtsam und werden daher in das neue Schuljahr mit Tagen der Vorsicht starten. Das Ziel: Achtsam sein und alles dafür tun, dass Präsenzunterricht stattfindet“, erklärte Gebauer.

Inzwischen wurde die Talsohle der Corona-Infektionen erreicht. Nachdem die Inzidenzzahlen wochenlang gesunken waren, geht der Trend inzwischen wieder in die andere Richtung. Düsseldorf liegt mit einer Inzidenz von 29,3 (Stand: 20. Juli; Quelle: RKI) sogar deutschlandweit unter den Kreisen und kreisfreien Städten mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz. Dort breitet sich die Delta-Variante immer stärker aus.

Ähnliches berichtet auch die Stadt Köln. Am 9. Juli gab es dort 93 Fälle mit der sehr ansteckenden Coronavirus-Mutation. Innerhalb von wenigen Tagen hatte sich diese Zahl verdoppelt. 45 der 93 Fälle in Köln sollen auf Reiserückkehrer zurückzuführen sein. Bis zum Ende der Sommerferien am 17. August ist noch viel Zeit, aber sind die Schulen in NRW gut darauf vorbereitet?

Schule in NRW: Testpflicht und Masken bleiben bestehen

„Die Landesregierung arbeitet daran, dass das neue Schuljahr mit größtmöglicher Normalität beginnt“, heißt es aus dem Schulministerium auf 24RHEIN-Anfrage. Das Ministerium betont nochmal den Plan, „das neue Schuljahr mit vollem Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler zu starten“. Dabei würden aber die strengen Vorgaben für die Hygiene und den Infektionsschutz beibehalten.

„Dazu gehört, dass alle Schülerinnen und Schüler sowie das Personal in den Schulen zweimal wöchentlich getestet wird. Vorerst bleibt die Testpflicht in der Schule bis zu den Herbstferien bestehen. An den weiterführenden Schulen werden die verpflichtenden Selbsttests weiterhin bis mindestens bis zu den Herbstferien vom Land zur Verfügung gestellt“, heißt es weiter.

An allen Grund- und Förderschulen werden weiterhin die Lolli-Tests zum Einsatz kommen. Als weiteren wichtigen Punkt nennt das Schulministerium die Maskenpflicht, die in den Schulgebäuden sowie im Unterricht, aber nicht mehr auf dem Schulgelände gilt. „Mit Beginn des neuen Schuljahres wird zunächst auch die Maskenpflicht fortgesetzt“, bestätigt das Ministerium.

Schule in NRW: „Präsenzunterricht kontinuierlich ermöglichen“

Zustimmung erfährt das Schulministerium diesbezüglich vom Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). „Es ist gut, vorsichtig in das neue Schuljahr zu starten, dabei sind Masken und Tests zwingend notwendig“, sagt Wibke Poth, stellvertretende Landesvorsitzende des VBE NRW gegenüber 24RHEIN. Schließlich würden alle in den Schulen den bestmöglichen Gesundheitsschutz verdienen. „Im Unterricht kommen viele Menschen auf kleinstem Raum zusammen. Bildungsarbeit und Familienleben brauchen besonders in diesem Schuljahr Beständigkeit. Um diese zu erreichen, müssen die bisherigen Maßnahmen dringend beibehalten werden. Ziel muss sein, den Präsenzunterricht kontinuierlich zu ermöglichen.“

Luftfilter an Schulen: „Nutzt die Sommerferien“

Damit ebendieser Präsenzunterricht auch ermöglicht werden kann, fordern viele schon seit Monaten den Einbau von Luftfiltern an den Schulen. Diese sollen die mögliche Virenlast in Räumen, die schlecht gelüftet werden können, deutlich senken. „Unsere Botschaft an die Verantwortlichen ist hier klar: Nutzt die Zeit der Sommerferien, um die Schulen bestmöglich aufzustellen – auch durch die Installation geeigneter Luftfilter. Es sollten geprüfte und hochwertige Geräte sein, die von Profis installiert werden und deren Wartung auch langfristig sichergestellt ist“, fordert Wibke Poth.

Am Montag hat die NRW-Landesregierung ein neues Lüftungsprogramm für Schulen und Kitas im Land beschlossen. 90,4 Millionen Euro sollen nun dafür bereitgestellt werden, um den Präsenzunterricht weiter abzusichern – 48,2 Millionen Euro aus dem NRW-Rettungsschirm und 42,2 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Mit dem Geld sollen sogenannte „Kategorie 2“-Räume in den Schulen mit Luftfiltern ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um Räume, die sonst nur schwer gelüftet werden können, beispielsweise, weil die Fenster nur kippbar sind. 15 bis 25 Prozent aller Klassenräume in NRW sollen laut Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in diesen Bereich fallen.

„Durch die zur Verfügung zu stellenden Finanzmittel des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes wird für die Kommunen eine 100 %-Finanzierung gesichert. Für die weitere Umsetzung komme ich in der nächsten Woche auf die Städte und Gemeinden zu“, betonte Ministerin Ina Scharrenbach. „Wir sollten nun die zusätzliche Unterstützung des Bundes nutzen, um den Gesundheits- und Infektionsschutz gemeinsam mit den Schulträgern gezielt an den Schulen mit einem weiteren Baustein zusätzlich zu stärken“, sagt auch Schulministerin Yvonne Gebauer. Die mobilen Luftfiltergeräte könnten einen zusätzlichen Beitrag zur Sicherung des Präsenzunterrichts leisten.

Impfpflicht für Lehrer? Schulministerium lehnt Vorschlag ab

Ein weiteres wichtiges Thema sind Impfungen an den Schulen. Für die Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren gibt es vonseiten der Ständigen Impfkommission (STIKO) keine allgemeine Empfehlung für eine Corona-Impfung. Diese sprechen die Experten nur für Kinder mit Vorerkrankungen aus. Doch wie ist die Situation bei den Lehrkräften? Am 12. Juli sorgte der Mediziner Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrats, mit der Forderung nach einer Impfpflicht für Lehr- und Kita-Personal für Schlagzeilen. „Wir brauchen eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen“, sagte Henn der Rheinischen Post und bekam dafür schnell Gegenwind aus verschiedenen Kreisen.

Schulministerin Yvonne Gebauer sagt: „Eine Impfpflicht für Lehrkräfte lehnen wir ebenso wie das zuständige Gesundheitsministerium ab. Schon früh hat die Landesregierung die Lehrerinnen und Lehrern sowie die Erzieher bei der Impfung priorisiert und die allermeisten haben sich mittlerweile impfen lassen. Ich bin sicher, die Lehrerinnen und Lehrer sind sich ihrer verantwortungsvollen Rolle auch ohne eine Impfpflicht sehr bewusst.“

Auch Wibke Poth betont, dass die Impf-Priorisierung der Beschäftigten in den Schulen ein richtiger Schritt war. „Die Pädagoginnen und Pädagogen haben verantwortungsvoll davon Gebrauch gemacht und so zu mehr Sicherheit in der Schule beigetragen“, so die stellvertretende VBE-Landesvorsitzende. Aber auch eine klare Forderung äußert Poth abschließend noch: „An Gesundheitsschutz und Bildung darf nicht gespart werden. Ein weiteres chaotisches Schuljahr darf es nicht geben.“ (bs)

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