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Siegen: Urteil im Mammutprozess – Misshandlung von Geflüchteten

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Das Landgericht, das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft in Siegen
Urteil im Burbach-Prozess (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Im Burbach-Prozess wurden nun die letzten vier Angeklagten im Hauptprozess verurteilt. Die drei Mitarbeiter eines Wachdienstes und der Betreuer haben Geflüchtete mehrfach misshandelt.

Siegen – Mit Geldstrafen für die verbliebenen vier Angeklagten ist am Mittwoch in Siegen der Mammutprozess um die Misshandlung von Geflüchteten in einer Notunterkunft bei Burbach im Siegerland zu Ende gegangen. Das Landgericht Siegen verurteilte die drei Mitarbeiter eines Wachdienstes und einen Betreuer wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung. Sie sollen mehrfach Bewohner eingesperrt haben, um sie für geringfügige Verstöße gegen die Hausordnung zu bestrafen. Das Gericht verhängte Geldstrafen zwischen 900 und 3.500 Euro.

Siegen: Urteil im Burbach-Prozess – Taten sorgten für weltweites Entsetzen

Die Vorfälle waren 2014 ans Licht gekommen, nachdem Bilder aus der Einrichtung weltweit Entsetzen ausgelöst hatten. Zu sehen waren unter anderem Wachleute, die einen Geflüchteten demütigen, indem sie ihn zwingen, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen. Zuletzt sorgte Siegen für Schlagzeilen, als Schüsse auf einen Zug abgegeben worden sind.

Das über Monate etablierte „System Burbach“ arbeitete dem Gericht zufolge mit Schikane und Gewalt. Wachpersonal und Sozialbetreuer der Landeseinrichtung hatten immer wieder Bewohner eingesperrt, gequält und geschlagen. Diese „Strafmaßnahmen“ etwa bei Verstößen gegen die Hausordnung erfolgten häufig in einem sogenannten „Problemzimmer“.

Siegen: Urteil im Burbach-Prozess – Anklage wegen Freiheitsberaubung und Nötigung

Zweieinhalb Jahre dauerte das Verfahren. Bei Prozessbeginn Ende 2018 waren 38 Personen – darunter Wachpersonal, sogenannte Sozialbetreuer und auch die Heimleitung – unter anderem wegen Freiheitsberaubung und auch Nötigung angeklagt worden. Der frühere Heimleiter erhielt eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten. Im Anschluss an das nun abgeschlossene große Verfahren müssen weitere, abgetrennte Fälle verhandelt werden. In Wuppertal wird derzeit über den Solinger Mord an fünf Kinder verhandelt. Die Mutter selbst soll ihre Kinder ermordet haben. (dpa/lnw)

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