1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Silvester-Bilanz in NRW: Mehr Angriffe auf Einsatzkräfte zum Jahreswechsel

Erstellt:

Von: Jonah Reule

Abgebrannte Böller liegen nach der Silvesternacht auf der Reisholzer Straße, während im Hintergrund Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen.
In Bochum und Bonn wurden Rettungskräfte und Polizisten an Silvester angegriffen. (Archivbild) © David Young/dpa

An Silvester sind an einigen Orten in NRW Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern angegriffen worden. Die Zahl der Gewalttaten stieg insgesamt an.

Köln – In Nordrhein-Westfalen ist die Gewaltbereitschaft während der Silvesternacht gestiegen. Das geht aus einer ersten Bilanz der Sicherheitsbehörden hervor. Neben Sachbeschädigungen kam es mancherorts auch zu Schlägereien und Randale. Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte an Silvester stieg in ganz NRW an. So wurden unter anderem in Bochum und Bonn Einsatzkräfte angegriffen. Landesweit waren 6000 Polizisten im Einsatz. Beim Handtieren mit Feuerwerkskörpern zogen sich einige Menschen teils schwere Verletzungen zu.

Mehr Gewalt an Silvester 2022 als im Vorjahr – jedoch weniger als vor Corona

Silvester in NRW20212022
Platzverweise11001320
Menschen in Gewahrsam genommen160233

In ihrer vorläufigen Bilanz spricht die Polizei von mehr Gewalt am Jahreswechsel als noch im Vorjahr. Landesweit seien 1320 Platzverweise ausgesprochen und 233 Menschen in Gewahrsam genommen worden, so die Polizei. Im Vorjahr mussten nur knapp 1100 Verweise erteilt und 160 Menschen in Gewahrsam genommen werden. Die Zahl der Festnahmen stieg auf 25.

Die Anzahl an Körperverletzungen, Sexualdelikten und Sachbeschädigungen habe ebenfalls zugenommen, so das Landesamt für Polizeiliche Dienste NRW (LZPD). Insgesamt seien 556 Körperverletzungen registriert worden. In der Silvesternacht wurden in NRW laut Angaben des LZPD 42 Polizisten verletzt. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl nahezu verdoppelt. Trotz des Anstiegs läge die Anzahl der Gewalttaten jedoch unterhalb der Zahlen, die vor der Corona-Pandemie zum Jahreswechsel registriert wurden, so das LZPD.

Silvester in NRW: Menschenmenge bedrängt Polizisten in Bochum – Beschädigtes Polizeiauto im Sauerland

Im Ruhrgebiet kam es an Silvester zu Angriffen auf die Polizei. In Bochum wurden Polizisten von rund 300 Menschen bedrängt, als sie einen 17-Jährigen entwaffnen wollten. Dabei wurden die Einsatzkräfte ebenfalls mit Feuerwerkskörpern beworfen, erklärte die Polizei. Im Vorfeld hatten sich einige Menschen gegenseitig mit Böllern beschossen, als laut Polizei plötzlich eine Waffe auftauchte. Im Hochsauerland schreckten Randalierer nicht vor Sachbeschädigungen zurück. In Arnsberg zerstörte ein Böllerwurf, die Windschutzscheibe eines Polizeiautos.

Bonn: Brennende Müllcontainer und Angriff auf Einsatzkräfte – Staatsschutz ermittelt

In Bonn setzten mehrere Jugendliche in der Nacht zu Neujahr Müllcontainer in Brand. Auch hier wurden Einsatzkräfte angegriffen. Die zum Einsatz gerufene Feuerwehr sei auf dem Weg zum Einsatzort auf dem Europaring von zahlreichen Personen mit Böllern und Steinen beworfen worden, erklärte die Polizei. Auch Raketen wurden auf die Retter geschossen. Erst durch die Hilfe zahlreicher Polizisten einer Hundertschaft sei der Weg zum Brandort möglich gewesen. Dabei wurden auch Polizisten angegriffen. „Ein in der Nähe stehender Pkw, die Fahrbahndecke und zwei Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt“, so die Polizei weiter.

Am Tatort konnte die Polizei einen 19-Jährigen festnehmen. Er sei nach Feststellung seiner Personalien und erkennungsdienstlicher Behandlung, allerdings wieder auf freiem Fuß, teilte die Polizei mit. Andere zum Teil vermummte Täter seien noch am Tatort geflohen. Nun hat der Staatsschutz der Polizei Bonn die Ermittlungen übernommen. „Diese Angriffe auf die Einsatzkräfte der Feuerwehr und die eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten verurteilen wir auf das Schärfste“, erklärte der stellvertretende Bonner Polizeipräsident Leitender Polizeidirektor Andreas Koch. „Es ist uns völlig unverständlich, welche Zielrichtung mit Angriffen auf Hilfskräfte verfolgt wird.“

Gegen die Täter wird jetzt wegen Landfriedensbruch, Brandstiftung und Sachbeschädigung ermittelt. Im Zuge der Ermittlungen sollen auch Videos aus den sozialen Medien ausgewertet werden.

Randale in Köln und Düsseldorf – Polizisten mit Böllern beworfen

Während der Silvesternacht hatte die Polizei in Köln und Düsseldorf mit „diversen Randalierern und auf sich einschlagenden Personen“ zu tun. Dabei seien auch Böller in Menschenmengen abgefeuert worden, so die Polizei. In Köln wurden Polizisten mehrfach mit Böllern beworfen. In Buchheim und Höhenberg musste die Feuerwehr mehrere Brände löschen. In der gesamten Stadt Köln fielen an Silvester über 100 Tonnen Müll an.

Falscher Umgang mit Feuerwerkskörpern sorgt für teils schwere Verletzungen

Auch die Notfallmediziner hatten an Silvester in NRW gut zu tun. Durch den fälschlichen Gebrauch von Feuerwerkskörpern verletzten sich einige Menschen. Manche von ihnen sogar schwer. In Jülich im Kreis Düren verlor ein 27-Jähriger bei einem Unfall mit Feuerwerkskörpern zwei Finger. Er hatte zuvor mehrere Feuerwerkskörper zusammengeklebt. In Herten seien ein 13-Jähriger und ein 17-Jähriger schwer an der Hand verletzt worden. Beide Jugendliche hätten unabhängig voneinander gefundene Böller gezündet, so die Polizei.

Die Krankenhäuser in NRW erlebten eine eher ruhigere Nacht. Außer ein paar kleinere Fälle von zu viel Alkohol, sei die Lage entspannt geblieben, bilanzierte Andreas Grundmeier von den Evangelischen Kliniken Essen-Mitte die Silvesternacht. Im Vorfeld hatten Mediziner viele Verletzungen durch Feuerwerkskörper befürchtet. (jr/dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant