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Nach Mord an fünf Kindern in Solingen: Polizisten schildern grausame Details vom Tatort

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Die angeklagte Mutter (M) steht zwischen ihren Anwälten Felix Menke (l) und Thomas Seifert (r) im Gerichtssaal.
Die angeklagte Mutter (M) steht zwischen ihren Anwälten Felix Menke (l) und Thomas Seifert (r) im Gerichtssaal. (Archivbild vom ersten Prozesstag) © Oliver Berg/dpa

In Wuppertal haben die Polizisten ausgesagt, die nach dem Mord an fünf Kindern in Solingen als erste am Tatort waren. Sie berichten von einer „Ausnahmesituation“.

Wuppertal – Im Prozess um den Mord an fünf Kindern in Solingen haben die Polizisten, die als erste am Tatort eintrafen, keine Kampfspuren vorgefunden. Ein 28 Jahre alter Beamter berichtete am Montag dem Landgericht in Wuppertal, er habe an der Wohnung mehrfach geklingelt, geklopft und gerufen. Nachdem keine Reaktion erfolgte, habe er die Tür aufgetreten.

Vorsichtshalber hätten er und seine Kollegen zur Eigensicherung die Fenster der Wohnung geöffnet, weil sie zunächst nicht ausschließen konnten, dass die Kinder mit Gas umgebracht wurden.

Solingen: Polizisten entdeckten keine Kampfspuren am Tatort

Unter einem Stapel Decken habe er dann kleine Füße herausragen sehen. Bei dem kleinen Jungen, dem sie gehörten, habe er die Leichenstarre festgestellt, außerdem habe die Haut bereits Totenflecken aufgewiesen. Er habe dennoch versucht, den Puls des Kindes zu ertasten. Dann hätten sie noch vier weitere Kinderleichen entdeckt. Kampfspuren hätten sie nicht gefunden.

Die Beamten sagten aus, sie hätten die Information gehabt, die Großmutter der Kinder habe die Polizei alarmiert und angegeben, ihre Tochter habe die Kinder umgebracht.

„Das war eine Ausnahmesituation für mich, ich habe so etwas noch nicht erlebt“, sagte ein 24 Jahre alter Polizist. „Es sah aus, als würden die Kinder schlafen.“ Aber bei keinem der Kinder hätten sie Lebensanzeichen entdecken können. Er habe ein Handtuch weggenommen, dass auf dem Kopf eines Kindes lag. Ansonsten habe er nichts verändert.

Mutter wegen Mordes vor Gericht: Sie behauptet, ein Unbekannter habe die Kinder getötet

Spuren eines Kampfes hätten sie in der Wohnung nicht gesehen, sagten die Beamten aus. Um das Spurenbild am Tatort nicht zu verunreinigen, hätten sie sich rasch zurückgezogen. Die Beamten konnten sich aber nicht mehr daran erinnern, ob die Wohnungstür abgeschlossen, oder nur zugezogen war.

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts muss sich die 28-jährige Mutter der Kinder wegen fünffachen heimtückischen Mordes verantworten. Sie soll die Kinder betäubt und dann erstickt, erwürgt oder ertränkt haben.

Die Frau hat die Tat bestritten, schweigt aber vor Gericht. Ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt, geknebelt und dann ihre Kinder getötet. Die Ermittler hatten diese Version als Schutzbehauptung zurückgewiesen. Es gebe keine Spuren oder Hinweise auf den ominösen Unbekannten, obwohl man der Schilderung nachgegangen sei.

Der Deutschen droht lebenslange Haft. Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. (dpa/lnw)

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