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Nach Mord an fünf Kindern in Solingen: Jetzt sprach die Psychologin der angeklagten Mutter

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Die angeklagte Mutter (M) steht zwischen ihren Anwälten im Gerichtssaal.
Die angeklagte Mutter (r.) Christiane K. aus Solingen hat seit Prozessbeginn vor Gericht geschwiegen. © Oliver Berg/dpa

Im Prozess wegen des Mordes an fünf Kindern in Solingen schweigt die angeklagte Mutter weiterhin. Dafür sagte am Donnerstag eine Psychologin aus, der sie sich offenbarte.

Wuppertal – Die mutmaßliche Mörderin von fünf ihrer sechs Kinder aus Solingen hat sich einer Psychologin anvertraut. Die psychologische Gutachterin, Prof. Sabine Nowara, berichtete am Donnerstag dem Landgericht in Wuppertal aus den ausführlichen Gesprächen. Die 28-Jährige erzählte ihr dabei von einer schwierigen Kindheit, frühem Mutterglück und einer sehr schwierigen Ehe, aber auch von der Version, ein Unbekannter habe ihre Kinder getötet.

Demnach sei die Angeklagte hauptsächlich bei ihren Großeltern aufgewachsen. Ihre leibliche Mutter sei nie eine Mutter für sie gewesen. Vor ihrem Vater sei sie immer geflüchtet, habe eine abgrundtiefe Abneigung gegen ihn.

Solingen: Angeklagte Mutter soll als Kind vergewaltigt worden sein

Als sie zwölf Jahre alt war, habe sie ein Bekannter ihres Onkels vergewaltigt. Sie habe zwei, drei Jahre später Anzeige erstattet. Die Tat habe aber nicht mehr verfolgt und bestraft werden können, weil sie das Datum des Tattags nicht habe nennen können. Sie sei danach in der Psychiatrie gewesen und habe sich einige Wochen lang geritzt.

Als ihr erstes Kind auf die Welt kam, sei sie erst seit wenigen Tagen 16 Jahre alt gewesen. Ab 18 habe sie Hartz IV bezogen. Die Hauptschule habe sie abgebrochen. Weil ihr Ehemann arbeiten gegangen sei, habe sie sich entschlossen, zu Hause zu bleiben.

Nachdem ihr Mann bei der Bundeswehr entlassen wurde, sei es zu Problemen in der Ehe gekommen. Ihr Ehemann sei wie ein zusätzliches Kind gewesen, habe nichts auf die Reihe bekommen. Ende 2017 habe ihr Haus zwangsversteigert werden müssen und sie seien nach Solingen-Hasseldelle umgezogen. Immer wieder sei ihr Mann für längere Zeit verschwunden.

Mord an fünf Kindern in Solingen: Angeklagte Mutter berichtet von unbekanntem Täter

Nach der Geburt ihres sechsten Kindes Melina habe er ihr 2019 offenbart, dass er sich in eine andere verliebt habe. Für sie sei eine Welt zusammengebrochen. Ihre Kinder seien vergleichsweise pflegeleicht gewesen.

Am Tattag habe sie das Frühstück gemacht, als sie auf ihrem Handy das Statusfoto ihres Mannes gesehen habe: Er habe darauf eine andere Frau geküsst. Dann habe es an der Tür geklopft. Ein Unbekannter habe in weißen Handschuhen vor ihr gestanden und sie Nele genannt. Sie habe vermutet, er kenne sie von einem Erotikportal.

Der Mann habe nach Medikamenten gefragt und sie aufgefordert, sie den Kindern zu geben. Dann habe er sie gefesselt. Als sie ihren Kindern helfen wollte, habe sie einen Schlag auf den Kopf bekommen und sei ohnmächtig geworden. Als sie wieder zu sich gekommen sei, hätten alle Kinder in unterschiedlichen Zimmern gelegen. Sie habe dann entschieden, ohne ihre Kinder nicht weiterleben zu wollen.

Landgericht Wuppertal: Der Vater der ermordeten Kinder will nicht als Zeuge aussagen

Die Ermittler hatten diese Version vom Tattag als Schutzbehauptung zurückgewiesen. Es gebe keine Spuren oder Hinweise auf den ominösen Unbekannten, obwohl man der Version nachgegangen sei.

Unterdessen gab der Vater von vier der fünf getöteten Kinder zu Protokoll, dass er nicht als Zeuge aussagen will. Er lässt sich im Verfahren als Nebenkläger von einem Anwalt vertreten. Die Angeklagte hatte bereits am Montag über ihre Verteidiger mitteilen lassen, dass sie weder zur Sache, noch zu ihrer Person aussagen werde.

Neben der psychologischen Gutachterin gibt es auch noch einen psychiatrischen Gutachter im Verfahren. Ihm hatte die Angeklagte eine nahezu identische Version des Tattags erzählt. Anträge der Verteidiger gegen den Gutachter wies das Gericht am Donnerstag zurück. Er hatte in einer vorläufigen Stellungnahme keine psychischen Erkrankungen bei der 28-Jährigen festgestellt.

Fünf tote Kinder in Solingen: Mutter warf sich nach mutmaßlicher Tat vor einen Zug

Der Deutschen droht lebenslange Haft. Laut Staatsanwalt hatte sie ihren Kindern „hohe Dosen“ eines Gemischs aus drei Medikamenten verabreicht und bei ihnen so „gezielt einen Dämmerzustand herbeigeführt“, um ihre Gegenwehr zu mindern. Nacheinander habe sie ihre Kinder dann ins Badezimmer gebracht und in der Badewanne erwürgt, erstickt oder ertränkt.

Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn überlebte unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. (Wolfram Lumpe und Frank Christiansen/dpa/lnw)

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