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Solinger Kindermord: Gericht lehnt neue Begutachtung ab

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Die angeklagte Christiane K. vor Gericht.
Das Gericht lehnte eine neue Begutachtung ab (Archivbild) © Tim Oelbermann/Imago

Das Landgericht Wuppertal hat im Prozess um die Solinger Kindermorde die Berufungsanträge der Verteidigung abgelehnt. Das Gutachten sei gewissenhaft.

Wuppertal – Im Prozess um die Solinger Kindermorde hat das Gericht Anträge der Verteidigung auf die Berufung neuer Sachverständiger und eine neue Begutachtung der angeklagten Mutter abgelehnt. Die Kammer sehe keine Anzeichen dafür, dass das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen falsch oder widersprüchlich sei, erklärte der Vorsitzende Richter am Mittwoch im Landgericht Wuppertal. Der Sachverständige habe weder grob fahrlässig noch vertuschend gehandelt. Daher bedürfe es keiner neuen Begutachtung. Die psychologischen Sachverständige sei als erfahren und gewissenhaft bekannt. Ihr Gutachten entspreche den gesetzlichen Vorschriften.

Solinger Kindermorde: Befangenheitsantrag gegen den psychiatrischen Gutachter abgelehnt

Die Verteidiger hatte beim vorangegangenen Verhandlungstag Mitte Juli einen neuen Befangenheitsantrag gegen den psychiatrischen Gutachter gestellt. Die Angeklagte habe bereits als Jugendliche bei einem Klinik-Aufenthalt in Viersen berichtet, Opfer eines sexuellen Missbrauchs und einer Vergewaltigung geworden zu sein. Das sei nicht ausreichend in das Gutachten eingeflossen. Der Psychiater hatte sich gegen die Vorwürfe der Verteidigung gewehrt. Er habe das zugrunde gelegt, was ihm von der Klinik zur Verfügung gestellt worden sei.

Solinger Kindermord: Angeklagte Mutter sei voll schuldfähig

Der psychiatrische Gutachter hatte der angeklagten Mutter in einem Zwischenbericht volle Schuldfähigkeit attestiert. Die Verteidiger sehen dagegen Anzeichen für eine schwere Persönlichkeitsstörung als Folge von sexuellen Übergriffen im Kindesalter. Dies könnte die Angeklagte vor einer Verurteilung zu lebenslanger Haft bewahren – zugunsten einer Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie.

Der 28-jährigen Deutschen droht lebenslange Haft, weil sie fünf ihrer sechs Kinder ermordet haben soll. Die Leichen waren am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in Solingen entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich im Düsseldorf Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Sie hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Ein Unbekannter habe ihre Kinder getötet. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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