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Tierheim kämpfte um Leben der verletzten „Püppi“ – vergeblich

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Von: Maximilian Gang

Die junge Katze Püppi sitzt schwer verletzt auf einer Decke im Tierheim in Moers
Die junge Katze wurde mit schweren Verletzungen im Tierheim in Moers abgegeben. © Tierheim Moers

Lange kämpften die Mitarbeiter des Tierheims in Moers um die junge Fundkatze Püppi, am Ende jedoch leider vergeblich. Nun nehmen sie Abschied.

Moers – „Es ist die Liebe zu den Tieren, die uns jeden Tag aufstehen und uns mitunter viel Leid ertragen lässt“ – Für Tierpfleger ist es wohl der schwerste Teil ihres Jobs: der Tod einer ihrer Schützlinge. Häufig kommen die Tiere mit schweren gesundheitlichen Problemen in das Tierheim. Ebenso häufig setzen die Mitarbeiter alle Hebel in Bewegung, um dem leidenden Tier zu helfen. So auch bei der jungen Katze Püppi im Tierheim in Moers im Kreis Wesel.

Die Fundkatze war erst rund drei Monate alt, als sie mit schweren Verletzungen nach Moers gebracht wurde. Dank des Einsatzes der Pfleger und zahlreicher ärztlicher Eingriffe hatte sich ihr Zustand bereits verbessert. Am Ende hat jedoch selbst die größte Hingabe nicht ausgereicht. Püppis Leid war zu groß. Die Pfleger mussten die Jungkatze einschläfern lassen. Auf Facebook nehmen sie Abschied von ihrem „Sorgenfellchen“.

Tierheim Moers: Jungkatze Püppi musste Auge entfernt werden

Als einfache Suche nach dem Halter begann die Geschichte von Püppi im Tierheim in Moers. Das Foto, das im Facebook-Post beigefügt wurde, zeigt den äußerst kritischen Zustand der Jungkatze, als sie gefunden wurde: Eingeschüchtert und zusammengekauert liegt Püppi am Straßenrand auf dem Flünnertzdyk in Krefeld, mit schweren Verletzungen an ihrem linken Auge. Gechippt war sie nicht. „Wer die Katze kennt oder vermisst, kann sich bitte direkt telefonisch im Tierheim melden“, so der Aufruf des Tierheims. Doch gemeldet hat sich für Püppi niemand.

Die Katze Püppi lag mit schweren Verletzungen auf der Straße, als man sie fand
Püppi war in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, als man sie fand. © Tierheim Moers

Acht Tage später geben die Pfleger ein weiteres Update – nachdem viele Nutzer unter dem Facebook-Beitrag ihre Sorge für die Jungkatze ausdrückten. „Püppi kam am Fundtag direkt in die Tierklinik“, so das Tierheim. Dort wurde sie umgehend untersucht und behandelt, unter anderem musste ihr Auge zunächst zugenäht – und nach mangelnder Heilung – sogar entfernt werden. Über 60 Zeckenlarven hatten sich zudem in ihren Ohren festgesetzt und mussten in mühevoller Kleinstarbeit entfernt werden. Der Verdacht: Die Babykatze wurde angefahren.

Tierpfleger: „Geben alles, damit auf Püppi noch ein glückliches Katzenleben wartet“

Doch weder das Auge, noch die Larven waren Püppis schwerste Verletzung. Die Bewegungsmöglichkeiten der Jungkatze waren durch „Veränderungen an der Hüfte und entzündliche Prozesse im Knie“ stark eingeschränkt. „Leider nichts, das man mit einem Eingriff schnell hätte beheben können und leider auch nichts, wo man eine klare Prognose stellen könnte“, so die Tierpfleger. Die Tierpfleger zeigten dennoch vollen Einsatz: „Wir schauen nun nach vorne und geben alles, damit auf Püppi noch ein glückliches Katzenleben wartet. Drückt Püppi dafür ganz fest die Daumen ... das kann sie brauchen“.

Die Jungkatze Püppi liegt im Tierheim in Moers auf einer Decke und frisst Katzenfutter
Zwischenzeitlich hatte der Krankheitsverlauf von Püppi Hoffnungen beim Tierheim geweckt. © Tierheim Moers

Die vielen Eingriffe könnten für Katzen durchaus schwer zu ertragen sein, aber: „Püppi macht alles ganz großartig mit“, heiß es im Post. „Püppi kennt Menschen, sucht die Nähe und ist sehr vertrauensvoll“. Sowohl die Mitarbeiter des Tierheims, als auch ihre Facebook-Community stellen sich deshalb eine Frage.

Tierheim appelliert an potenzielle Tierhalter

Hat sich jemand eines kranken Kätzchens entledigt? „Was hat eine so junge Katze – ein Kitten – schon draußen zu suchen und warum wurde sie nicht vermisst?“, so die Pfleger. Sicher sei, dass die Jungkatze für einen Freigang noch viel zu jung war. Deshalb richten die Pfleger sich mit einem eindringlichen Appell an ihre Follower: „Wenn man einem Tier ein Zuhause gibt, ist das gleichbedeutend damit, Verantwortung zu übernehmen. Wer das nicht kann oder will, sollte kein Tier halten“.

Nach wochenlangem Kampf: Püppis Leid war zu groß

Leider reichte der unnachgiebige Einsatz der Pfleger nicht aus. Die schwerwiegenden Auffälligkeiten im hinteren Bewegungsapparat seien zu stark gewesen: „Zusammenfassend muss man sagen, dass beide Hinterbeine Püppi nicht tragen konnten“, wie das Moerser Tierheim erklärt. „Die Hoffnungsfunken haben nicht gereicht, um die Flamme des Lebens zu erhalten“ – Püppi musste nach einem weiteren Kontrolltermin eingeschläfert werden.

Doch nicht die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Jungkatze selber waren ausschlaggebend: „Der Zustand der Hinterbeine war zudem von viel Schmerz begleitet, ohne die Möglichkeit, das zu ändern“, so die traurige Erkenntnis nach wochenlangem Kampf.

Mitarbeiter des Tierheims in Moers nehmen Abschied

Rund einen Monat später nehmen die Mitarbeiter des Tierheims emotional Abschied von ihrem „Sorgenfellchen“: „So sehr wir Püppi ein Zuhause und ein gutes Leben gewünscht hätten, so groß ist auch unsere Verantwortung, diesen Wunsch nicht über die Lebensqualität zu stellen. Run free“. Eine Verantwortung, die das Tierheim – im Gegensatz zum Halter – in vollstem Maße wahrgenommen hat.

Dass viele Halter ihrer Verantwortung nach dem Zulegen eines Haustiers nicht nachkommen, ist in den Tierheimen in NRW deutlich spürbar. Das Tierheim in Köln richtete zuletzt einen verzweifelten Appell an mögliche Tierhalter: „Wir platzen aus allen Nähten“. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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