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Flugzeugabsturz Ostsee: Rätsel um Geisterflug – Bergung sehr komplex und teuer

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Von: Johanna Werning

Viele Fragen zur in der Ostsee abgestürzten Cessna 551 sind noch offen. Der aktuelle Stand zum Flugzeugabsturz im Überblick.

Update vom 6. Oktober: Nach dem Absturz der Cessna 551 am 4. September in der Ostsee ist nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) damit beauftragt, die Ursache des Vorfalls zu untersuchen. Normalerweise werden dafür die technischen Daten, wie etwa Flugschreiber und Voice-Recorder des verunglückten Fliegers untersucht. Doch beides war nicht an Bord, so BFU-Sprecher Germout Freitag gegenüber 24RHEIN. „Vielleicht könnten die Schalterstellungen im Cockpit Rückschlüsse geben, was in der Luft passiert ist. Ob dies ausreicht, um die Ursache zu ermitteln, ist aber unklar“, so Freitag.

Zudem gestaltet sich die Bergung des Wracks als äußert komplex und kostspielig. „Wir haben das Wrack in rund 60 Metern Tiefe geortet. Taucher halten es in dieser Tiefe nur wenige Minuten aus, um Ketten an der Privatmaschine anzubringen“, sagt Freitag. Ob das Wrack nun geborgen wird oder nicht, darüber werde aktuell auch mit den Angehörigen der Flugzeuginsassen beraten, so der Sprecher weiter.

Flugzeugabsturz Ostsee: Rätsel um Geisterflug der Cessna 551

Erstmeldung vom 7. September: Köln/Riga – Am Sonntag, 4. September, stürzte ein Privatjet vor der lettischen Küste in die Ostsee. Dabei handelt es sich um eine Cessna 551 mit dem Kennzeichen OE-FGR. Das Flugzeug war eigentlich auf dem Weg von Spanien nach Köln. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist aktuell noch unklar. Die Ermittlungen laufen. Viele Fragen sind noch offen. Was bereits bekannt ist und was noch unklar ist: Der Überblick.

Die Flugroute der abgestürten Cessna 551 mit dem Kennzeichen OE-FGR. In einem Kreis: Die Cessna 551 Citation IISP (C551) mit der Registrierung D-IRUP (MSN: 551-0572) landet am Flughafen Hamburg Airport.
Am 4. September stürzte eine Cessna in die Ostsee. Noch sind viele Fragen offen (Symbolbild) © Flightradar24/dpa & Kevin Hackert/Imago

Cessna 551: Was ist passiert? Nach Irrflug über Europa – Geisterflugzeug stürzt in Ostsee

Das Privatflugzeug war am Sonntag, 4. September, auf dem Weg von Jerez (Südspanien) zum Flughafen Köln/Bonn. Dort kam die Cessna 551 mit der Kennung „OE-FGR“ allerdings nie an. Bereits kurz nach dem Start brach die Kommunikation mit dem Flugzeug ab – nachdem der Pilot Druckprobleme in der Kabine meldete.

Dadurch starteten sogar Abfangjäger aus Frankreich, Deutschland und Dänemark. Auch der Flugsicherheitsexperte Hans Kjäll vermutet nach Angaben des schwedischen Rundfunksenders SVT, dass es einen Druckabfall in der Kabine des Flugzeugs gegeben haben könnte, worauf die Insassen bewusstlos geworden seien. Bestätigt wird das auch dadurch, dass die Abfangjäger keine Bewegung im Cockpit der Cessna erkannten. Die offizielle Absturzursache steht allerdings noch nicht fest. Die Ermittlungen laufen noch. Was wirklich während des Flugs in der Cessna 551 passiert ist, ist noch nicht endgültig klar.

Klar ist allerdings: Per Autopilot flog der Privatjet unter anderem über Spanien, Frankreich und Luxemburg. Um 17:45 Uhr (deutsche Sommerzeit) dann auch im deutschen Luftraum. Wenige Minuten später überflog die Cessna den Zielflughafen in Köln – ohne zu landen. Stattdessen ging es weiter in Richtung Nord-Osten. Nach mehreren Kursänderungen kreist die Maschine um 19:40 Uhr (deutsche Sommerzeit) schließlich über die Ostsee, wenige Minuten später bricht der Kontakt komplett ab: Die Cessna 551 stürzt um 19:44 Uhr westlich der lettischen Hafenstadt Ventspils ins Meer. 

Flugzeugabsturz Ostsee: Der aktuelle Stand? Insassen vermutlich tot

Viele Fragen sind zum rätselhaften Flugzeugabsturz vor der lettischen Küste noch immer unklar. Nach mehreren Trümmerteilen wurden Tage nach dem Absturz weitere Wrackteile der Cessna und persönliche Gegenstände der Insassen von den lettischen Einsatzkräften gefunden. Das eigentliche Wrack liegt in circa 60 Meter Tiefe. Damit ist die Suchaktion offiziell beendet. Die Ermittlungen laufen allerdings weiter. Aktuell wird geklärt, wie das Wrack geborgen werden kann.

Da das Flugzeug entgegen der Erwartungen über keinen Flugschreiber (Black Box) oder einen Voice-Recorder verfügte, gestaltet sich die Ermittlung der Unfallursache weiterhin sehr schwer. Für die weiteren Untersuchungen ist offiziell die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) zuständig.

Von den vier Insassen der Cessna fehlt immer noch jede Spur. Allerdings wurden wenige Tage nach dem Absturz menschliche Körperteile nahe der Unglücksstelle entdeckt. Nach Einschätzung der lettischen Behörden alle Insassen der verunglückten Maschine ums Leben gekommen. 

Dies lasse sich nach den bisherigen Funden bei der Suchaktion im Meer als erste Schlussfolgerung über den Moment des Aufpralls ziehen. „Die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Aufpralls war sehr hoch und das Flugzeug ist in viele kleine Teile zerbrochen“, sagte der Leiter des lettischen Seerettungskoordinationszentrums, Peteris Subbota.

Cessna-Absturz Ostsee: Wie geht es jetzt weiter?

Seit Donnerstag, 8. September, leiten deutsche Behörden die weiteren Untersuchungen des Flugzeugabsturzes. Aber wie geht es jetzt weiter? Was sind die nächsten Schritte? 24RHEIN hat mit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gesprochen. Viele Fragen sind noch offen, darunter auch, wie es zu dem Cessna-Absturz kommen konnte.

Genau das wird jetzt untersucht. Dafür waren mehrere Mitarbeiter der BFU zeitweise in Lettland und ermittelten vor Ort. Ein Problem bei den Ermittlungen jedoch: Der Privatjet verfügte weder über einen Flugschreiber (Black Box), noch über einen Voice-Recorder. Das erschwert die Untersuchungen. Dennoch soll aufgeklärt werden, was genau in der Cessna 551 ablief.

Der nächste Schritt: Das Wrackteil soll aus 60 Metern Tiefe geborgen werden. „Da laufen aktuell die Absprachen“, heißt es am Dienstag, 13. September. Gleichzeitig laufen aktuell auch die Untersuchungen der geborgenen Flugzeugteile, Privatgegenstände der Insassen und Körperteile. „Da laufen aktuell die DNA-Untersuchungen“, erklärt der BFU-Sprecher weiter. „Man muss bei der Bergung schauen, ob noch Personen im Flugzeug sind.“

Einen ersten Zwischenbericht soll es Ende November geben. „Der Abschlussbericht dann Ende des Jahres.“ Normalerweise sollten die Ermittlungen innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein, sagt der BFU-Sprecher weiter.

Flugzeugabsturz Ostsee: Alle Infos zu den Insassen – Peter Griesemann und Familie

In der Cessna 551 sollen sich vier Insassen befunden haben. Die Identität der Passagiere wurde noch nicht offiziell von den Behörden bestätigt. Es soll sich allerdings um Peter Griesemann, seine Ehefrau Juliane, Tochter Lisa und deren Freund handeln. Das bestätigt die Griesemann-Gruppe, bei der Unternehmensgründer war. Auch die Blauen Funken, bei denen Griesemann von 2014 bis 2018 Präsident und zuletzt Ehrenpräsident war, bestätigten, dass es sich um Griesemann handeln soll.

Der Kölner Unternehmer galt als feste Größe im Kölner Karneval. Man trauere um den 72-Jährigen sowie die anderen drei Insassen – seine Frau, Tochter und deren Lebensgefährten, teilten die Blauen Funken am Freitag mit. Die vier seien „auf unfassbar tragische Weise bei einem Flugzeugabsturz aus dem Leben gerissen worden.“

Für seine Tätigkeit und all das, was Peter Griesemann für die Blauen Funken, den Bauverein und den Karneval getan hat, ist das Wort ‚Dank‘ zu klein“, so der emotionale Nachruf des Traditionskorps. „Er hat die Gesellschaft maßgeblich geprägt und sein Fußabdruck wird ewig bleiben.“ Abschließend schrieben die Blauen Funken „Es bleibt uns nichts als tiefe Traurigkeit.“ Am 17. September fand schließlich eine große Trauerfeier im Kölner Dom statt. Hunderte Menschen kamen.

Peter Griesemann: Pilot der abgestürzten Cessna und ehemaliger Funken-Präsident

► Er war von 2014 bis 2018 Präsident der Blauen Funken.

► Von 2000 bis 2014 war er Senatspräsident des Traditionskorps.

► Zuletzt wurde er zum Ehrenpräsidenten der Karnevalsgesellschaft ernannt.

►  Außerdem setzte sich Griesemann für den Ausbau des Funken-Turms in Köln ein und war Vorstandsmitglied des Festkomitees.

„Peter hat über Jahrzehnte viel in der Stadt bewegt als Unternehmer und als Karnevalist. Peter hatte nur Sachverstand und Unternehmergeist, er hatte auch viel Herz für die Menschen und den Fastelovend“ erklärt Christoph Kuckelkorn, der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval.

Neben Kuckelkorn und dem Festkomitee Kölner Karneval kondolieren viele weitere Karnevalsgesellschaften. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker äußerte sich. Das berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. An die Hinterbliebenen habe sie unter anderem folgende Sätze geschrieben: „Die Nachricht von dem tragischen Unglück habe ich mit ehrlicher Betroffenheit aufgenommen und sie erfüllt mich mit großer Bestürzung. Mein sehr herzliches Beileid zu Ihrem unermesslichen Verlust.“

Flugzeugabsturz Ostsee: Die Flugroute der Cessna 551 mit dem Kennzeichen OE-FGR

(jw mit dpa) Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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