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Unfall auf Stunikenmarkt in Hamm: Was geschah im „Love Express“?

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Von: Markus Hanneken

Trotz eines besonders verregneten Sonntags sind die Anbieter auf dem Stunikenmarkt in Hamm bisher zufrieden mit dem Verlauf. Überschattet wird die Zwischenbilanz von zwei Unfällen.

Hamm - Bei einem Unfall auf dem Stunikenmarkt in der Innenstadt in Hamm ist ein 58-jähriger Mann verletzt worden. Er wurde während der Fahrt aus einem Wagen des „Love Express“ geschleudert. Zu den Umständen gibt es allerdings sehr unterschiedliche Aussagen, berichtet wa.de.

Unstrittig ist, dass der Unfall in dem auf dem Santa-Monica-Platz stehenden Fahrgeschäft am Freitagabend zwischen 21.30 und 22 Uhr passierte. Wie Mitfahrende und Zeugen aus dem Umfeld des Betroffenen berichten, sei dieser während einer ungewöhnlich schnellen Extra-Rückwärtsrunde „wie ein Blatt Papier“ unter dem Sicherungsbügel seines Wagens herausgerutscht, er habe sich im Sitzen nicht halten können. Beim Aufprall habe er sich Kopfverletzungen zugezogen. Eine ebenfalls in dem Wagen sitzende Frau erlitt nach eigenen Angaben im Zuge dieser Situation Quetschungen und Prellungen und sei im Anschluss zeitweise bewusstlos gewesen.

Rasante Fahrten: der „Love Express“ auf dem Stunikenmarkt.
Rasante Fahrten: der „Love Express“ auf dem Stunikenmarkt. © Robert Szkudlarek

„Love Express“: Schwerer Unfall im Jahr 2015

Im Jahr 2015 stand der „Love Express“ schon einmal im Mittelpunkt eines Unfallgeschehens. Fünf Menschen waren damals teils schwer verletzt worden. Der Schausteller soll beim Aufbau geschlampt haben und wurde ein Jahr später wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt.

Betreiber, Polizei und Feuerwehr bestätigten am Montag auf Nachfrage zwar grundsätzlich, dass es den Unfall gegeben hat. Klare Übereinstimmungen zum Ablauf - und damit der Verantwortlichkeit - ergaben sich aber nur in Ansätzen.

Unfall auf Stunikenmarkt: „angetrunken“ gefahren?

Die am Abend auf der Kirmes anwesenden und zum Unfallort gerufenen Polizisten berichteten von einem Mann, der „im angetrunkenen Zustand auf der Leiste des Karussells mitgefahren“ sein und von dort schließlich heruntergefallen sein soll. Er sei von Sanitätern zu Fuß ins Marienhospital gebracht worden, so Pressesprecher Hendrik Heine. Weitere konkrete Hinweise oder gar einen Notruf habe die Polizei nicht verzeichnet.

Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Tobias Blokesch waren die Besatzung eines Rettungswagen und ein Notarzt-Team vor Ort, eine verletzte Person sei im Marienhospital behandelt worden.

Unfall auf Stunikenmarkt: Aussagen gegen Aussagen

Uwe Röhrig, Vorsitzender des Schaustellervereins „Hand in Hand", zeigte sich am Montag perplex ob der Vorwürfe. Der Betreiberin des "Love Express" zufolge habe sich der Unfall "während der Bremsphase am Ende der Fahrt“ ereignet. Irgendwie sei der Mann aufgestanden - Mahnungen, sich wieder hinzusetzen, habe er ignoriert. Nach dem Unfall sei er vom kirmeseigenen Sanitätsdienst behandelt worden, danach aber weggegangen. Röhrig beteuert, dass sich die doppelte Verriegelung der Bügel vor dem Ende der Fahrt nicht öffne; kein normal gewachsener Mensch könne darunterherrutschen. Auch der anwesende Ordnungsdienst und der Sicherheitsdienst hätten kein Fehlverhalten des Betreibers erkennen können.

Die oben genannten Beteiligten beharren gleichwohl auf ihren Aussagen. So sei der Mann weder aufgestanden noch betrunken gewesen, zudem seien die Wagen ungewöhnlich schnell unterwegs gewesen, und eine Mahnung an den 58-Jährigen habe es auch nicht gegeben („Er saß ja, das können wir alle bezeugen, und er ist tatsächlich unter dem Bügel durchgerutscht“). Der Verletzte selbst wollte sich am Montag nicht zu dem Vorgang äußern, „da es ihm nicht gut geht“. Eine 21-Jährige, die ebenfalls im Wagen saß, sei schadlos geblieben. Die Verletzten erwägen nun das Hinzuziehen eines Rechtsanwalts.

Der Screenshot eines Videos zeigt die drei Insassen des Wagens sitzend während der Unglücksfahrt.
Der Screenshot aus einem Video zeigt die drei Insassen des Wagens sitzend während der Unglücksfahrt. © privat

Unfall auf Stunikenmarkt: Sanitäter auch zum „Ghost“ gerufen

Auch am Sonntagnachmittag wurde ein Rettungswagen zum Stunikenmarkt alarmiert, und zwar nur wenige Meter entfernt. Nach WA-Informationen war in der Geisterbahn „Ghost“ ein älterer Mann gestürzt. Die Bergung aus den komplizierten Aufbauten des Fahrgeschäfts durch Feuerwehrleute gestaltete sich ziemlich kompliziert. Ein Notarzt musste nicht gerufen werden. Unweit der Kirmes kam es am Sonntagabend in einer Pizzeria indes zu einer blutigen Messerstecherei.

Ein Rettungswagen vor dem Fahrgeschäft „Ghost“ am Sonntagnachmittag.
Ein Rettungswagen vor dem Fahrgeschäft „Ghost“ am Sonntagnachmittag. © Jörn Funke

Stunikenmarkt in Hamm: noch zwei Tage Kirmestrubel

Jenseits der beschriebenen Zwischenfälle und der teils widrigen Wetterverhältnisse zeigte sich Kirmes-Chef Röhrig am Montag zufrieden mit dem Verlauf des 31. Stunikenmarkts. Vor allem am Freitag und Samstag sei „viel Volk auf dem Gelände“ gewesen. Und selbst am Sonntag habe man nach dem Nachlassens des Regens zum späteren Nachmittag noch ein „akzeptables Ergebnis“ erzielt.

An den verbleibenden beiden Tagen soll das Wetter wieder deutlich verträglicher sein. Die Kirmes hat dann nochmals von 14 bis 22 Uhr geöffnet, wie immer ist der Dienstag der Familientag mit günstigeren Preisen, am Abend (gegen 21.30 Uhr) wird ein Höhenfeuerwerk abgebrannt.

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