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Synagoge in Hagen: Jugendlicher festgenommen – Hinweis auf „islamistisch motivierte“ Bedrohung

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Bewaffnete Polizisten stehen vor der Synagoge in Hagen.
Bewaffnete Polizisten stehen vor der Synagoge in Hagen. © Markus Klümper/dpa

Nach dem Polizeieinsatz an der Synagoge in Hagen soll ein Jugendlicher festgenommen worden sein. Es gibt Entwarnung, aber es soll ein Anschlag geplant gewesen sein.

Hagen/Berlin – Am höchsten jüdischen Feiertag haben Hinweise auf eine mögliche Bedrohung für die Synagoge in Hagen zu einem großen Einsatz der Polizei geführt. Nach stundenlangem Warten am 15. September gaben die Behörden schließlich Entwarnung. Die Polizei war dennoch weiterhin präsent: Ein dpa-Fotograf berichtete am Donnerstagmorgen (16. September) von mehreren Streifenwagen in der Nähe der Synagoge und von Beamten, die mit Maschinenpistolen bewaffnet waren. Insgesamt wurden bereits vier Menschen festgenommen.

Jom Kippur: Anschlag in Halle 2019

Jom Kippur ist für das jüdische Leben in Deutschland ein denkwürdiger Tag. Vor zwei Jahren – damals fiel der Versöhnungstag auf den 9. Oktober - hatte ein bewaffneter Rechtsextremist versucht, gewaltsam in die Synagoge von Halle in Sachsen-Anhalt einzudringen. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Hagen: Großeinsatz an Synagoge – was ist passiert?

Die jüdische Gemeinde konnte ausgerechnet an Jom Kippur nicht zu einem traditionellen Gebet zusammenkommen. Um 19 Uhr hätte sich die Gemeinde eigentlich zum Gebet in der Synagoge versammelt. Die Polizei in Hagen ging auf eine mögliche Gefährdungslage an einer jüdischen Einrichtung nach.

Synagoge in Hagen: Nach Durchsuchungen – keine Bombenbau-Utensilien gefunden

Bei den Durchsuchungen haben die Ermittler bislang keine Bombenbauteile entdeckt. Es seien aber elektronische Medien wie Handys und Speichermedien sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden müssten, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf.

Die Behörde ermittelt wegen des Vorwurfs der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Unklar sei noch, ob gegen den verdächtigen 16-Jährigen ein Haftbefehl beantragt wird. Seine Vernehmung dauere noch an.

Bei den weiteren drei Festgenommenen handele es sich um Vater und Brüder des 16-Jährigen. Sie seien nicht als Verdächtige festgenommen worden, sondern nach Polizeirecht, sagte der Sprecher. Auch sie sollten noch vernommen werden. Ein dringender Tatverdacht gegen die drei Menschen habe sich laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf und der Polizei Dortmund nicht ergeben. Sie wurden am Donnerstag wieder entlassen, so eine gemeinsame Erklärung am Abend.

Die Ermittlungen sowie die polizeilichen Maßnahmen bezüglich des 16-jährigen Jugendlichen dauern noch an. Aus Sicherheitskreisen hieß es, der 16-Jährige habe Kontakt zu einem bekannten Islamisten im Ausland unterhalten und sich mit der Frage beschäftigt, wie man eine Bombe baut.

Hagen: Großeinsatz an Synagoge – auch Generalbundesanwalt eingeschaltet

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat im Zusammenhang mit den Ermittlungen von einer „sehr ernsten Bedrohungslage“ gesprochen. Der Vorfall wecke entsetzliche Erinnerungen an den Anschlag auf die Synagoge in Halle vor zwei Jahren, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag laut einer Mitteilung ihres Ministeriums. „Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden erneut einer so schrecklichen Bedrohungslage ausgesetzt sind und den Beginn ihres höchsten Festes Jom Kippur nicht friedlich gemeinsam feiern konnten.“

Synagoge in Hagen: Laschet zur Bedrohung

Wer terroristische Anschläge in Deutschland plant, muss nach Worten des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) des Landes verwiesen werden. „Wer sich hier integriert, soll sich integrieren, soll Deutsch lernen und soll auch einen Job ausüben und der darf auch bleiben. Aber der, der terroristische Taten plant, muss des Landes verbracht werden“, sagte der Kanzlerkandidat der Union am Donnerstag bei einem Wahlkampftermin im niedersächsischen Hittfeld. „Das muss klipp und klar sein. Und dafür steht die Union.“ Vorläufig festgenommen wurde dort in dem Zusammenhang unter anderem ein 16-Jähriger mit syrischer Staatsangehörigkeit. (dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Update-Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 16. September um 21:25 Uhr aktualisiert. Neuerung: Statement von NRW-Minister Armin Laschet.

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