1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Tagebau Garzweiler: Das Erbe der rheinischen Braunkohleförderung

Erstellt:

Von: Mirjam Ratmann

Im Protestcamp Lützerath sitzen zwei Aktivisten und schauen auf den Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II.
Protestler blicken auf den Tagebau Garzweiler. © Rolf Vennenbernd/dpa

Seit mehr als 100 Jahren wird im riesigen Tagebau Garzweiler Kohle gefördert. Und fast genauso lange gibt es Proteste dagegen: Garzweiler ist bis heute umstritten.

Köln – 25 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich – der Tagebau Garzweiler zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach, gehört zu einem der größten und wichtigsten Tagebaue Deutschlands. Größer ist nur der Tagebau Hambach, nahe dem Hambacher Forst. Doch Garzweiler ist nicht minder umstritten.

Darum sprechen wir von Garzweiler II

Wenn vom Tagebau Garzweiler die Rede ist, wird oft ausschließlich Garzweiler II gemeint, wenngleich diese nur eine Erweiterung des ursprünglichen Tagebaus Garzweiler I ist. Der Großtagebau Garzweiler entstand im Jahre 1983 durch den Zusammenschluss der Abbaufelder Frimmersdorf-Süd sowie Frimmersdorf-West. 1995 folgte die Genehmigung für Garzweiler II.

Diese Genehmigung ging nicht ohne Proteste von Umweltaktivistinnen und Aktivisten einher, die mit Kundgebungen und Mahnwachen schon in den 80er und 90er Jahren gegen Braunkohleabbau demonstrierten. Ebenso wie die Proteste in Lützerath und Hambach richten die Demonstrationen in Garzweiler sich immer auch gegen den Energielieferanten RWE, der alle drei Tagebaue im Rheinland betreibt.

Wie groß und tief ist Garzweiler?

Garzweiler I betrifft ein 66 Quadratkilometer großes Gebiet östlich der ursprünglichen Trasse der Autobahn A 44. Garzweiler II wiederum wird das Gebiet genannt, das sich am östlichen Rand der Stadt Erkelenz befindet. Es schließt unmittelbar an Garzweiler I an und erstreckt sich südwestlich der Ortschaft Jüchen über die Autobahn A 61 hinweg bis an den östlichen Rand des Stadtgebietes von Erkelenz.

Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler müssen immer tiefer graben. © Peter Sieben

In Garzweiler arbeiten heute noch auf einer Gesamtfläche von rund 35 Quadratkilometern täglich sechs Schaufelradbagger, um Braukohle zu gewinnen. Dabei sind die Gruben über die Jahrzehnte immer tiefer geworden: Inzwischen müssen die Maschinen rund 200 Meter in die Tiefe baggern, um an Kohle zu kommen. Anschließend wird der Rohstoff per Förderband und Werksbahn zu den Kraftwerken Neurath und Niederaußem transportiert und dort zur Stromerzeugung eingesetzt.

Welche Dörfer mussten dem Tagebau weichen?

Um an Braunkohle zu gelangen, muss oberirdisch gebaggert werden und nicht unter Tage wie beispielsweise bei Steinkohle. Daher müssen schon seit Jahrzehnten Siedlungen und Dörfer weichen, wenn auf diesem Gebiet Braunkohle liegt. Für den Tagebau Garzweiler waren davon folgende Ortschaften betroffen:

Tagebau Garzweiler: Lützerath soll als eines der letzten Dörfer abgerissen werden

Aufgrund der stetigen Proteste und gerichtlichen Beschwerden von Umweltaktivistinnen und Aktivisten gegen den Tagebau, wurde die Fläche, die abgebaggert werden sollte, reduziert. 2013 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass nur 48 Quadratkilometer für den Tagebau weichen darf. Somit konnten die Dörfer Venrath, Kaulhausen, Wockerath und Kückhoven auf Erkelenzer Gebiet und der Mönchengladbacher Stadtteil Wanlo vor dem Abriss bewahrt werden.

2016 reduziert die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen das Abbaugebiet einmal mehr, sodass nun auch die Gemeinde Holzweiler erhalten bleiben kann. Durch den vorgezogenen Kohleausstieg bis 2030 müssen zudem die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Westrich und Berverath nicht wie geplant umgesiedelt werden. 

Für den Weiler Lützerath ist hingegen im Januar 2023 die endgültige Räumung angesetzt. Und auch der Jülicher Windpark, der erst 2021 gebaut worden war, musste im Herbst 2022 für die Braunkohle weichen: Mehrere Windräder sind dort bereits abgebaut worden, weitere sollen folgen.

Wann wird Garzweiler geflutet?

Im Oktober 2022 einigte sich die Landesregierung mit dem Energiekonzern RWE darauf, den Kohleausstieg in NRW von 2038 auf 2030 vorzuziehen. Bis dahin sollen noch rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert werden. Anschließend sieht RWE vor, das von den Braunkohlebaggern ausgehobene Restloch ähnlich wie den Tagebau Hambach mit Wasser aus dem Rhein zu fluten. So soll ein bis zu 185 Meter tiefer See entstehen.

Einen Eindruck von der Dimension des Tagebaus und zukünftigen Sees kann man sich schon jetzt bei Jackerath in Jüchen verschaffen: Hier führt ein Skywalk 14 Meter in die Grube hinein und gibt einen Rundumblick auf das Gelände Garzweiler frei.

Auch interessant