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Mädchen töteten Luise (12): Wie sie jetzt damit weiterleben müssen

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Von: Benjamin Stroka

Die zwölfjährige Luise aus Freudenberg wurde getötet. Gestanden haben die Tat zwei 12 und 13 Jahre alte Mädchen. Für eine Strafe sind sie aber noch zu jung.

Freudenberg – Es ist ein Gewaltverbrechen, das deutschlandweit für Entsetzen sorgt. Die zwölfjährige Luise aus Freudenberg (NRW) ist am Sonntag (12. März) tot aufgefunden worden. Das Mädchen wurde seit dem späten Samstagnachmittag vermisst, als sie eigentlich auf dem Heimweg von einer Freundin zu ihrem Elternhaus war. Am Sonntag dann der Schock: Ihr Leichnam wurde in der Nähe eines Radwegs in Rheinland-Pfalz, nahe der Landesgrenze zu NRW, entdeckt. Die Polizei war schnell sicher: Luise ist getötet worden. Das bestätigte auch die Obduktion, bei der zahlreiche Messerstiche festgestellt wurden. Das Mädchen aus Freudenberg ist laut Ermittler-Angaben verblutet, wie fr.de berichtet.

Am Montag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt, dass zwei Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren die Tat gestanden haben. Die Mädchen und das Opfer sollen sich gekannt haben. Die mutmaßlichen Täterinnen verstrickten sich demnach zunächst in Widersprüche. Bei einer weiteren Vernehmung räumten sie laut den Ermittlern dann ein, Luise erstochen zu haben. Die Tatwaffe wurde bislang aber noch nicht gefunden.

Blumen und Kerzen liegen am Fundort der Leiche von Luise.
Die Leiche der zwölfjährigen Luise wurde am Sonntag an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gefunden. © Andreas Buch/Funke Foto Services/Imago

Zwölfjährige Luise erstochen: Die mutmaßlichen Täterinnen sind auch noch Kinder

Die Tat macht viele fassungslos – und wirft Fragen auf. Wie können Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren zu einem so grausamen Verbrechen fähig sein? Beide sind unter 14 und damit nicht strafmündig. Das heißt, einen Gerichtsprozess gegen die Mädchen wird es nicht geben. Sollte angesichts solcher Taten das Alter für Strafmündigkeit in Deutschland vielleicht sogar gesenkt werden? Was passiert jetzt mit den Mädchen?

„Das sind Kinder, die zwar etwas Furchtbares gemacht haben, aber auch gleichzeitig etwas Furchtbares erlebt haben“, sagt Jan Oude-Aost. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die mutmaßlichen Täterinnen bräuchten jetzt Fürsorge und Schutz, „auch wenn das vielleicht dem ersten Impuls, den man hat, widerspricht“, so Oude-Aost im Gespräch mit 24RHEIN von Ippen.Media.

„Es ist im Grunde jetzt eine Lebensaufgabe, die Mädchen vor der Gesellschaft und den Folgen ihrer Tat zu schützen. Man muss ihnen, soweit das noch möglich ist, die Chance auf eine gesunde Entwicklung geben, aber gleichzeitig müssen sie auch lernen, langfristig die Verantwortung für diese Tat übernehmen und auch tragen zu können“, so der Kinder- und Jugendpsychiater. Die Mädchen, die Luise getötet haben sollen, befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen „in einem geschützten Raum in der Obhut des Jugendamtes“, berichtet merkur.de. Das ist auch in den Augen von Oude-Aost der „einzig richtige Weg“.

Tod von Luise (12) aus Freudenberg: Wie können Mädchen so ein Verbrechen begehen?

Wie es passieren kann, dass junge Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren eine so grausame Tat begehen, lässt sich laut dem Kinder- und Jugendpsychiater kaum sagen. „Das weiß man nicht. Die Prinzipien sind da wahrscheinlich ähnlich, wie bei Erwachsenen. Dazu kommt aber, dass sich Kinder oft den Folgen ihrer Handlungen nicht so bewusst sind“, so der Experte. Es gebe aber grundsätzlich Faktoren, die so etwas begünstigen können. Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, sagt Oude-Aost: „Dazu kann beispielsweise eine Erziehungsumgebung gehören, in der Gewalt normal ist. Aber auch eine Störung der Impulskontrolle kann dazu führen. Dazu können psychische Störungen kommen, die dann alles nochmal verschlimmern.“

Tötung von Luise (12): Welches Motiv hatten die Mädchen?

Zu einem möglichen Motiv äußerten sich die Ermittler noch nicht konkret. „Was für Kinder möglicherweise ein Motiv ist für eine Tat, würde sich einem Erwachsenen möglicherweise nicht erschließen“, sagte Mario Mannweiler, Leiter der Staatsanwaltschaft Koblenz. Angesichts der vielen Messerstiche liege aber nahe, „dass irgendwelche Emotionen eine Rolle gespielt haben“, so der Staatsanwalt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch dass die mutmaßlichen Täterinnen zu zweit waren, könne laut Oude-Aost zu einer Dynamik geführt haben, „gerade auch weil Kinder manchmal Fantasie und Wirklichkeit nicht so gut unterscheiden können“. Grundsätzlich sei es bei Kindern auch relativ normal, Rachepläne zu spinnen.

„Es kommt häufig vor, dass Kinder wütend auf jemanden sind. Das können Eltern, Lehrer oder auch Gleichaltrige sein. Da kennen sicherlich viele auch aus ihrer Kindheit noch Geschichten, wo sie denken: Da haben wir Glück gehabt, dass das gut ausgegangen ist. Oder: Das hätte auch anders enden können. Da gibt es ein Spektrum von harmlosen Streichen bis hin zu sehr gewaltsamen Fantasien. Und wenn man die auslebt, dann kann auch so etwas passieren“, erklärt der Kinder- und Jugendpsychiater.

Nach Tod von Luise: Diskussionen um Altersgrenze der Strafmündigkeit

Für Diskussionen sorgt auch die Tatsache, dass die mutmaßlichen Täterinnen mit zwölf und 13 Jahren strafunmündig sind. In Deutschland liegt die Grenze der Strafmündigkeit bei 14 Jahren. Erst ab diesem Alter wird einem Menschen laut Gesetzgeber zugetraut, die Folgen seiner Handlungen einzuschätzen und diese bewusst auszuüben. Strafrechtlich können die beiden Mädchen daher nicht belangt werden. Diese Altersgrenze zu senken, kommt für Oude-Aost aber nicht infrage: „Für mich ist das auch keine wirklich relevante Diskussion, weil es Kinder sind. Dass sie nicht strafmündig sind, heißt: Sie können das nicht überschauen.“

Da sei auch egal, wo die Grenze gesetzt wird, ob bei 14 oder bei zwölf Jahren. „Denn das verhindert keine Tat. Es ist nicht so, dass man vorher überlegt: Bin ich strafmündig oder nicht? Und begeht dann eine Tat oder eben nicht. Die Frage ist also, was das Ziel vom Herabsetzen des Alters wäre. Meiner Meinung nach wäre das Motiv dafür der Wunsch nach Gerechtigkeit. Nach dem Motto: Da muss etwas passieren. Das geht so nicht. Das kommt wahrscheinlich auch aus einem Gefühl der Hilflosigkeit“, so der Experte.

Oude-Aost zufolge würde man damit Kindern aber auch Entwicklungschancen nehmen. „Dass man vielleicht den Impuls hat, zu sagen, die haben jemanden umgebracht und daher diese Chance nicht mehr verdient, halte ich zwar für menschlich nachvollziehbar, aber gesellschaftlich wäre das katastrophal.“ Den mutmaßlichen Täterinnen könnte wegen der Tötung von Luise allerdings die Unterbringung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie drohen, berichtet wa.de. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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