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Troisdorf: Nach brutaler Attacke auf Polizisten in Supermarkt – Reichsbürger sollen Angriff geplant haben

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Von: Benjamin Stroka

Gebäude der Staatsanwaltschaft in Bonn.
Die Staatsanwaltschaft Bonn hat Anklage gegen die Reichsbürger erhoben, die im Mai 2020 Polizisten in Troisdorf angriffen (Symbolbild). © IMAGO / Dominik Bund

Bei einer Schlägerei zwischen Reichsbürgern und der Polizei im Mai 2020 in einem Kaufland in Troisdorf wurden zwei Polizisten schwer verletzt. Laut Staatsanwaltschaft Bonn soll die Tat geplant gewesen sein.

Bonn/Troisdorf – Zwei Männer weigern sich in einer Kaufland-Filiale in Troisdorf eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Angestellten des Supermarkts rufen die Polizei zur Hilfe. Es kommt zum Streit und der eskaliert in einer brutalen Schlägerei. Zwei Polizisten werden dabei verletzt, einer von ihnen erleidet einen Nasenbein- und einen Rippenbruch, muss mehrfach an der Nase operiert werden. Einer der beiden Männer filmt das Geschehen mit einer Bodycam. Ein Video der Auseinandersetzung wird sogar bei YouTube hochgeladen.

Bonner Staatsanwaltschaft: Auseinandersetzung mit Polizei wurde von Corona-Leugnern geplant

Die schockierenden Bilder des Vorfalls vom 9. Mai 2020 sorgen bundesweit für Schlagzeilen. Schnell taucht die Frage auf, ob es sich um eine gezielte Provokation der beiden Männer gegen die Polizei gehandelt habe. Die Anklageschrift der ermittelnden Staatsanwaltschaft aus Bonn stützt nun diesen Gedanken. Demnach sei die Aktion als Hinterhalt von zwei Männern und einer Frau gegen die Polizei geplant gewesen. Der Hauptangeklagte Nikolay C., ein 36-jähriger Bulgare, wird zudem der Reichsbürgerszene zugeordnet und soll staatsfeindlich eingestellt sein.

Die Schwester von Nikolay C. soll ihm einen Tag vor dem Angriff in einem Chat geschrieben haben, dass man sich darauf vorbereite „in den Krieg zu ziehen“. Entsprechende Chat-Nachrichten sollen der Staatsanwaltschaft vorliegen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger und bezieht sich selbst auf die entsprechenden Unterlagen. Laut Staatsanwaltschaft wurde die Auseinandersetzung mit der Polizei provoziert, um danach Videoaufnahmen „in sinnentstellender und kompromittierender Weise zusammenzuschneiden“ und im Internet zu verbreiten.

Staatsschutz Bonn: Hauptangeklagter gilt als Reichsbürger und schrieb eigene „Verfassung“

Nikolay C. hat inzwischen Schadenersatz in Höhe von einer halben Million Euro und eine Entschuldigung von den Behörden gefordert. Zudem verlangte er, dass die beteiligten Polizisten entlassen werden. Laut Bonner Staatsschutz habe der 36-Jährige zudem während der Ermittlungen zahlreiche Briefe eingereicht, deren Inhalte der Reichsbürgerszene zugeordnet werden können.

So soll Nikolay C. sich mehrfach auf ein 40 Seiten langes Dokument berufen haben, dass er selbst als „Declaration of freedom“ bezeichne und das als privat erstellte Verfassung interpretiert werden könne. Die Maskenpflicht in einem Supermarkt bezeichnete er als strafbar und gesundheitsschädlich. Auf die drei Angeklagten wartet nun ein Prozess wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Wann der Prozess vor dem Landgericht Bonn beginnt, ist indes noch offen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie kam es in Deutschland immer wieder zu Attacken von Corona-Leugnern und Reichsbürgern gegen die Polizei. Erst am vergangenen Dienstag (23. März) löste die Polizei eine illegale Party in Dortmund auf und wurde dabei von den Feieranden angegriffen. Zu Ausschreitungen und Angriffen auf Polizisten kam es auch bei Corona-Protesten in Dresden am 14. März. (bs)

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