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Unfall ohne Spuren – Aggressiver Rentner will Polizei austricksen

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Von: Maximilian Gang

Mann fährt auf E-Bike
Auf Facebook berichtet die Polizei Oberhausen von einem skurrilen Zwischenfall. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Ein 74-Jähriger gab gegenüber der Polizei an, von einem Auto angefahren zu sein. Ein Zeuge hatte den Vorfall gesehen und vermieste dem Senior seinen Plan.

Oberhausen – „Ungewöhnlich“: So beschreibt die Oberhausener Polizei einen Sachverhalt, den zwei Verkehrsteilnehmer ihnen am Dienstagnachmittag, den 6. Dezember, an der Fahrnhornstraße in Oberhausen schilderten. Doch was war passiert? Laut eines 74-jährigen E-Bike-Fahrers soll er beim Überqueren einer Straße von einem 70-jährigen Mann in seinem PKW angefahren worden sein. Dabei sei das E-Bike umgefallen und „stark beschädigt“ worden, wie die Polizei die Schilderung des Seniors beschreibt. Doch der Autofahrer beschrieb einen gänzlich anderen Verlauf der Geschehnisse.

„Unfall“ in Oberhausen: E-Bike-Fahrer fordert Polizeibericht – trotz Unstimmigkeiten

Als die Polizisten am Unfallort – einer Parkplatzzufahrt – ankamen, lag dort das E-Bike des Unfallbeteiligten noch auf der Fahrbahn. Am Fahrrad fanden die Polizisten, entgegen der vorherigen Beschreibung des Fahrers, nur wenige Beschädigungen. Die Schäden passten, nach Auffassung der Polizisten, nicht mit der Unfallbeschreibung zusammen. Doch der Mann blieb beharrlich: Immer wieder beteuerte der 74-Jährige, dass sein E-Bike „stark beschädigt“ worden sei. Und: „Genau das wolle er nun in einem Polizeibericht für die Versicherung so bestätigt bekommen“, so die Polizei Oberhausen auf Facebook.

Irgendetwas schien hier nicht zu stimmen: Sowohl die beiden Unfallbeteiligten, als auch das Auto – das wenige Meter weiter am Straßenrand stand – waren gänzlich unbeschädigt. Die Schilderung der Gegenseite: Bereits beim Anfahren auf die angebliche Unfallstelle habe er den E-Bike-Fahrer gesehen. „Beim Einbiegen und kurz bevor sein „Unfallgegner“ die Straße erfolgreich überquert hatte, sei der dann plötzlich stehen geblieben“, wie die Polizei die Darstellung des Autofahrers wiedergibt. Deshalb habe er bis zum Stillstand bremsen müssen. Von diesem Punkt an wird die Schilderung skurril.

„Geschädigter“ hat Rechnung ohne Zeuge gemacht

„Plötzlich habe sich der Mann mit seinem E-Bike auf die Fahrbahn fallen lassen und ihn danach lautstark attackiert, weil er ihn angeblich angefahren habe und dadurch nun sein E-Bike beschädigt sei“, lautet die doch sehr andere Erklärung des Autofahrers. Doch wer hat recht? Licht ins Dunkel brachte ein Zeuge, mit dem der E-Bike-Fahrer bei der Schmiede seines Plans wohl nicht gerechnet hat. Dieser hatte nämlich gesehen, dass es „zu keinem Zeitpunkt“ eine Kollision gegeben hätte, wie die Polizei berichtet. Zusammen mit den nicht vorhandenen Schäden und der übereinstimmenden Schilderung des Autofahrers schien die Sachlage so geklärt.

Polizei Oberhausen eröffnet Strafverfahren

Die Polizisten erklärten dem 74-Jährigen, dass ihm nun ein Strafverfahren wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung eröffnet werde. Doch der E-Bike-Fahrer schien noch nicht begriffen zu haben, dass die Situation sich gedreht hatte: Er „forderte weiterhin ‚seinen Polizeibericht‘ für die Versicherung“, so die Polizei.

Als er schließlich bemerkte, dass sein Plan gescheitert war, versuchte er den Notizblock – mitsamt der vermerkten Personalien – zu zerreißen. Wie das alles zusammenpasst, wird der 74-Jährige jetzt in einem Strafverfahren erklären müssen. Zumindest einen Polizeibericht wird es nun geben – jedoch nicht zu seinen Gunsten.

Immer wieder versuchen Menschen, durch Betrug Schäden auf Kosten der Versicherung beheben zu lassen. Für unklare Fälle haben Versicherungen Schadensregulierer. Doch was machen die eigentlich? (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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