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Schwere Unwetter sorgen für Verwüstung: Panzer rollen durch Hagen

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Von: Oliver Schmitz

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Mit einem Bergepanzer und schwerem Räumgerät rückt die Bundeswehr in Hagen an, um die Schäden der Überflutung zu beseitigen. © Roberto Pfeil/dpa

Das Unwetter hat in Hagen für Überflutungen und Zerstörungen gesorgt. Das Hochwasser zerstörte Brücken. Sogar die Bundeswehr ist im Einsatz.

Köln/Hagen – Land unter im Westen: Das angekündigte Unwetter hat am Mittwoch zu etlichen Überschwemmungen in ganz Nordrhein-Westfalen geführt. Vor allem Hagen war dabei besonders stark betroffen. So sind durch das Hochwasser mehrere Brücken zerstört worden. Eine Polizeisprecherin berichtete am Donnerstag, die Rebecke-Brücke über den Fluss Volme sei vollständig eingestürzt.

Bei einer weiteren Brücke über den Fluss sei der Mittelträger zusammengebrochen. Außerdem sei eine Fußgängerbrücke über die Volme durch die Fluten weggerissen worden. Zwei weitere Brücken in der Innenstadt waren nach Angaben der Polizei am Donnerstag für den Verkehr gesperrt. Die Volme ist ein Nebenfluss der Ruhr. Er fließt auf gut 20 Kilometern Länge durch das Stadtgebiet von Hagen.

Unwetter in Hagen: Bundeswehr hilft mit Panzern aus

Zur Unterstützung der Feuerwehr sind in Hagen auch etwa hundert Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Die Stadt habe am Dienstagnachmittag einen entsprechenden Antrag gestellt, sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Mittwoch. Kräfte aus Unna und Minden seien vor Ort. Unter anderem würden unter der Ägide der örtlichen Feuerwehr Bergepanzer, Tieflader und Kettensägen eingesetzt. Die Streitkräfte leisteten Amtshilfe. „Diese reicht von der Beräumung der Straßen, über Evakuierung von Bewohnern eines Altenheimes, bis zur Sicherstellung der Stromversorgung“, sagte der Offizier. Auch der Kreis Mettmann wird von der Bundeswehr unterstützt.

Unwetter in NRW: Altenheim in Hagen musste evakuiert werden

In Hagen musste am Mittwoch ein Altenheim evakuiert werden. „Das Seniorenheim ist sehr stark betroffen und unbewohnbar geworden“, sagte ein Stadtsprecher am Mittwoch. Eltern seien außerdem dazu angehalten worden, ihre Kinder nicht in die Kita oder andere Betreuungen etwa der Grundschulen zu schicken. Es gebe auch Schäden in einigen Kitas nach den starken Regenfällen in der Nacht. „Wir wollen so wenig Fahrten durch das Stadtgebiet haben wie möglich“, betonte der Stadtsprecher.

Unwetter in NRW: Ortsteil in Hagen abgeriegelt

Aufgrund der starken Regenfälle und der Situation in der Stadt tagt der Krisenstab der Stadt Hagen. Derzeit gibt es mindestens 200 Einsatzorte. Eine genaue Übersicht habe man noch nicht. Besonders stark getroffen sei der Süden mit vier Stadtteilen, die zum Teil nicht mehr zu erreichen seien. Der Ortsteil Dahl sei praktisch abgeriegelt  – außer für Einsatzkräfte, auch Ärzte könnten im Notfall durchkommen.

Unwetter in NRW: Polizei Hagen appelliert, zu Hause zu bleiben

In Hagen hat die Polizei angesichts zahlreicher Überschwemmungen an die Bürger appelliert, zu Hause zu bleiben. Wer das Haus unbedingt verlassen müsse, solle angesichts überspülter Straßen, womöglich gefährlichem Treibguts und umstürzender Bäume besonders achtgeben, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Wer nicht unbedingt von außerhalb in die Ruhrgebietsstadt fahren müssen, solle möglichst verzichten. „Es ist gerade eine schlechte Idee, nach Hagen zu kommen.“

Unwetter in NRW: Starkregen sorgt für Verzweiflung in Hagen

Die heftigen Regenfälle haben in Hagen zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums am frühen Mittwochmorgen mitteilte, gingen über Nacht Hunderte Notrufe bei der Feuerwehr ein. „Die Leute sind verzweifelt“, sagte der Sprecher in Hinblick auf die Vielzahl an vollgelaufenen Kellern in der Stadt. Außerdem seien aufgrund der überspülten Straßen stellenweise Fahrzeuge ins Rutschen gekommen. Verletzte Personen waren nicht bekannt.

In einer Unterführung in der Nähe des Hauptbahnhofs sammelte sich so viel Regenwasser, dass mehrere Autos stecken geblieben und nicht mehr vom Fleck gekommen sind. Die Feuerwehr musste die Autofahrer aus ihren Fahrzeugen befreien, sagte ein Sprecher.

Von Hängen wurden zudem Schlammmassen auf Straßen gespült, viele Ortsteile waren daher nicht befahrbar. Wegen Gerölls auf den Straßen können einige Ortsteile selbst von Einsatzfahrzeugen der Polizei und Feuerwehr nicht befahren werden, wie der Sprecher weiter mitteilte.

Rentner blickt aus seiner Wohnung auf die überflutete Straße vor dem Haus in Hagen.
Rentner Jürgen Fischer blickt aus seiner Wohnung auf die überflutete Straße vor dem Haus in Hagen. © Markus Klümper/dpa

Unwetter in NRW: DWD warnt vor extremen Dauerregen in Rheinland und Eifel

Ab circa 23 Uhr am späten Dienstagabend war an mehreren Orten wie Köln, Remscheid oder Düsseldorf stellenweise literweise Regen heruntergekommen. In der Landeshauptstadt musste die Feuerwehr rund 180 Mal ausrücken. Doch mit Abstand am schlimmsten getroffen hat es bisher die Ruhrgebietsstadt Hagen: „Bernd“ hat dort für dutzende Überschwemmungen gesorgt.

Die Regenfälle in der Nacht waren aber wohl erst der Anfang von Tief Bernd. Stand 07:13 Uhr warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für fast ganz NRW weiterhin vor Unwettern (Stufe 3). Für die Eifel und die Region Aachen sowie große Teile des Rheinlands und des Ruhrgebiets gilt sogar die höchste Warnung vor extremem Unwetter (Stufe 4).

Spätestens ab Mittwochnachmittag wird es dann wohl in ganz NRW zu äußerst starken Dauerregen kommen. Womöglich könnte es sogar so viel regnen, wie seit Jahren nicht mehr. Es besteht also dringende Gefahr vor Hochwasser und Erdrutschen. Zusätzlich wird an mancherorts auch noch zu Gewittern und Sturmböen kommen. Lediglich der Raum Münster sowie Ostwestfalen-Lippe soll größtenteils vom Unwetter verschont bleiben. (os mit dpa)

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Dieser Text wurde am 15. Juli inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Bundeswehr im Einsatz.

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