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Unwetter: Wie viel Regen wird zur Gefahr?

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Von: Benjamin Stroka

Die vom Hochwasser überschwemmte Rheinuferpromenade in Köln.
Lang anhaltende und schwere Regenfälle durch Tief Bernd haben Mitte Juli auch für deutlich steigende Rheinpegel in Köln gesorgt. © C.Hardt/FutureImage/Imago

Regenmengen verständlich erklärt: Wenn der DWD vor Starkregen und Dauerregen warnt, sprechen die Meteorologen meist von Litern pro Quadratmetern. Doch was heißt das genau und ab wann wird Regen zur Gefahr?

Köln – Das Tief „Bernd“ sorgte Mitte Juli in NRW für schwere Unwetter mit Starkregen und mancherorts auch extrem heftigem Dauerregen über mehrere Tage. Es kam zu Hochwasser und Überflutungen. Weil durch die Wassermassen kleine Bäche zu reißenden Flüssen wurden und mehrere Talsperren vollliefen, kam es mancherorts zu einer Flutkatastrophe gigantischen Ausmaßes. Häuser stürzten ein, Keller liefen voll, Straßen wurden überschwemmt. In Erftstadt-Blessem im Rhein-Erft-Kreis kam es zu einem Erdrutsch. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen über 40 Menschen ums Leben. Die angerichteten Schäden können noch gar nicht beziffert werden.

Starkregen: Unwetter sorgte für bis zu 200 Liter pro Quadratmeter

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits in den Tagen vor der Hochwasser-Katastrophe eindringlich vor Strakregen und den Regenmengen gewarnt. Die Regenmengen sollten ab Dienstag, dem 13. Juli, zwischen 30 und 70 Litern pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden liegen. Bis Donnerstagfrüh (15. Juli) sollten sich so Regenmengen zwischen 80 und 180 Liter pro Quadratmeter anhäufen. „Punktuell sind auch bis 200 l/qm denkbar“, warnte der DWD. Und genau so kam es letztendlich auch. In einigen Orten fielen tatsächlich besagte 200 Liter pro Quadratmeter in nur 48 Stunden.

In mehreren Regionen, vor allem vom Sauerland über das Bergische Land bis hin zur Eifel sind innerhalb von nur 24 Stunden 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Zum Vergleich: Durchschnittlich fallen in einem kompletten Juli in NRW normalerweise nur 82 Liter Regen pro Quadratmeter. Doch was bedeuten diese Niederschlagsmengen eigentlich konkret? Und ab welcher Menge wird Regen gefährlich?

Regen pro Quadratmeter: Das bedeuten die Regenmengen des DWD

Der DWD gibt in seinen Wetterberichten und Unwetterwarnungen grundsätzlich den erwarteten Regen in Litern pro Quadratmeter in einem gewissen Zeitraum an. Eigentlich messen aber Meteorologen zumeist in Millimetern. Dadurch lässt sich die Regenmenge auch besser veranschaulichen. Dabei entspricht ein Millimeter Regen im gleichen Zeitraum genau einem Liter Regenwasser pro Quadratmeter. Das Maß in Millimetern gibt dabei genau an, wie hoch das Regenwasser auf einer bestimmten Fläche stünde, wenn es dort weder abfließen, versickern noch verdunsten könnte.

Als Beispiel: Beim schweren Unwetter durch Tief „Bernd“ hatte die DWD-Wetterstation in Köln-Stammheim innerhalb von 24 Stunden 154 Liter Regen pro Quadratmeter, also 154 Millimeter Niederschlagshöhe, gemessen. Entsprechend hätte das Wasser dort auf einem Quadratmeter, ohne irgendwie abfließen zu können, 15,4 Zentimeter hoch gestanden. Das klingt im ersten Moment vielleicht noch nicht nach einer besonders heftigen Überflutung, aber dabei gilt zu beachten, wie hoch einzelne Straßen, Häuser oder Grundstücke liegen. Denn das Wasser fließt dann besonders in Ortsteile oder Straßenzüge die in solchen Gebieten niedriger liegen und kann so vor allem dort für schwere Überschwemmungen sorgen.

Mehr als eine volle Badewanne

Besonders gut veranschaulichen lässt sich die Regenmenge mit dem Beispiel einer Badewanne. In eine handelsübliche Badewanne passen 150 bis 180 Liter Wasser. Das Tief „Bernd“ sorgte vielerorts an ein bis zwei Tagen für Niederschlagsmengen von ebendiesen 150 bis 180 Litern pro Quadratmeter – stellenweise sogar bis zu 200 Liter. Das bedeutet bildlich gesprochen, dass in den besonders hart vom Regen getroffenen Gebieten so viel Niederschlag gefallen ist, als würde mehr als eine volle Badewanne auf einem Quadratmeter Bodenfläche ausgeschüttet werden, ohne dass das Wasser dort in irgendeiner Form abfließen könnte.

Unwetterwarnung: DWD unterscheidet zwischen Starkregen und Dauerregen

Bei solchen Regenmengen spricht der DWD von der größtmöglichen Unwetterwarnung. Grundsätzlich teilen die Wetterexperten die Amtlichen Warnungen in vier Stufen auf, wobei Stufe 1 (Amtliche Warnung) die niedrigste Gefahr und Stufe 4 (Amtliche Warnung vor extremem Unwetter) die höchste Gefahr darstellen. Bei Regen unterscheidet der DWD im Hinblick auf eine Unwetterwarnung noch zwischen Starkregen und Dauerregen. In beiden Fällen beginnen die Warnungen erst ab Stufe 2.

Unwetterwarnungen bei Starkregen

Meteorologen sprechen von Starkregen, wenn in einem kurzen Zeitraum sehr große Mengen Regen fallen. „Starkregen kann überall auftreten und zu schnell ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmungen führen“, heißt es auf der Website des DWD als Erklärung.

Unwetterwarnungen bei Dauerregen

Von Dauerregen spricht der Deutsche Wetterdienst, wenn über einen langen Zeitraum von mehreren Stunden oder Tagen Regen in gleicher oder ähnlicher Intensität fällt. An dieser Warntafel lässt sich auch gut erkennen, wie heftig die Regenfälle durch Tief „Bernd“ in NRW gewesen sind. Schon 90 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden hätten für die höchstmögliche DWD-Warnung „vor extremem Unwetter“ ausgereicht. In manchen Regionen des Landes fiel im gleichen Zeitraum mehr als das Doppelte an Regen. (bs)

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