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NRW: Waldbrand bedrohte Pferdehof im Sauerland – „Wie im Krieg“

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Von: Kathrin Ostroga

Es ist ein heißer Sommertag, als Tanja Raffloer vom Pferdeschutz Iserlohn in NRW auf eine Rauchschwade aufmerksam wird. Dann geht alles sehr schnell, wie sie gegenüber RUHR24 berichtet.

NRW – „Ein Hubschrauber flog Zickzack über den Wald um unseren Hof und die Weiden. Irgendwann ist er über einer Stelle stehen geblieben. An der Stelle war eine kleine Rauchschwade zu sehen. Keine zwanzig Minuten später wurde diese größer und größer“, berichtet Tanja Raffloer vom Pferdeschutz Iserlohn gegenüber RUHR24 von dem Tag, als der Waldbrand zwischen Altena und Iserlohn ausbrach.

ThemaWaldbrand im Sauerland
Betroffene FlächeEtwa 14 Hektar
Datum20. bis 22. Juli

NRW: Waldbrand im Sauerland bedroht Pferdeschutzhof

Es ist ein Mittwoch (20. Juli), die Temperaturen liegen über 30 Grad in NRW und es hat seit Tagen nicht geregnet. Die Luft ist schwül und es weht ein mäßiger Wind. Die Bedingungen zwischen Altena und Iserlohn sind optimal für einen Waldbrand. Herumliegendes Baumgeröll – zurückgelassen und zerstört vom Borkenkäfer – wird schnell zum Futter für die aufsteigenden Flammen.

NRW: Hanglage macht die Löscharbeiten beim Waldbrand im Sauerland schwierig

Das betroffene Waldgebiet ist steil und hat Hanglage, was die Löscharbeiten für die Feuerwehr im Märkischen Kreis schwierig macht. Nachdem die Einsatzkräfte mit einer Drohne die Lage abgecheckt hatten, galt es Häuser am Hegenscheid vor dem Brand zu schützen. Tanjas Pensionsstall und Pferdeschutzhof liegt hier idyllisch gelegen inmitten von Natur und Steilhängen auf einem fast 500 Meter hohen Berg (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Feuer kennt sie leider schon aus den vergangenen Jahren. Damals war es Brandstiftung. Das Ausmaß, welches das Feuer diesmal einnehmen sollte, kannte sie bisher nicht. Als klar wird, die Flammen fressen sich immer näher an ihre Weiden ran, kommen in ihr Verzweiflung und Panik auf, doch sie funktioniert und stellt sich schnell die Frage: Was machen wir jetzt?

Waldbrand im Sauerland: Pony-Senior kippt bei Rettungsaktion um

Eine Helferin unterstützt sie dabei, die ersten Pferde in den Stall zu bringen. Die Weide ist mittlerweile mit Nebel und Rauch überzogen. Ein altes Pony kippt beim Versuch es in den Stall zu bringen um. Schließlich schaffen sie es aber doch, das Tier hereinzubringen. Die restliche Herde holt sie näher ans Haus, weg vom Feuer.

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Ein Waldbrand im Sauerland bedrohte den Pferdeschutzhof in Iserlohn. © Tanja Raffloer/ Pferdeschutz Iserlohn

Dass das nicht reichen würde, teilt ihr schließlich ein Helikopter-Pilot mit. Die Einsatzkräfte befürchten, das Feuer nicht aufhalten zu können. Inzwischen ist es später Nachmittag als klar wird: Die Pferde müssen hier weg. Tanja informiert über eine Whatsapp-Gruppe Besitzer und Helfer. Jeder, der den Berg noch irgendwie hochkommt, hilft bei der Evakuierung der zwanzig Pferde.

Waldbrand in NRW: „Wie im Krieg“

Tanja ist erst hysterisch und später wieder sehr gefasst. Ein Nachbar auf der anderen Seite des Berges stellt ihr schließlich ein Stück Wiese zur Verfügung. Am Hof ist die Lage mittlerweile laut, stressig und chaotisch. Der ganze Berg ist voller Einsatzkräfte, Fahrzeuge und Maschinen. Hubschrauber fliegen über die Köpfe hinweg und machen mächtig Krach.

Waldbrand Sauerland
Die Einsatzkräfte fuhren beim Waldbrand im Sauerland schweres Geschütz auf. © Tanja Raffloer/ Pferdeschutz Iserlohn

Tanja beschreibt die Lage im Interview mit RUHR24 als „wie im Krieg“. Sie selbst steht die ersten Stunden in Schlappen auf ihrem Hof und hilft, wo sie kann. Dass ihr eigenes Zuhause mit ihren privaten Gegenständen auch in Gefahr ist, dieser Gedanke kommt ihr erst später. Schließlich schafft sie es noch sich umzuziehen, Handyladekabel und Portemonnaie aus ihrer Wohnung zu holen.

Sauerland: Waldbrand bedroht Pferdeschutzhof in Iserlohn – nicht alle Pferde können weg

Sie entscheidet sich aber zu bleiben. Auch, weil vier Pferde nicht transportfähig sind. Die Polizei hatte schließlich den Abtransport der Tiere angeordnet. Doch einige blinde, sehr alte und wild lebende Tiere können nicht weg. Tanja bleibt bis 3 Uhr in der Nacht wach und beobachtet den Einsatz, kümmert sich um die Tiere.

Waldbrand
14 Hektar Wald haben im Sauerland gebrannt. © Tanja Raffloer/ Pferdeschutz Iserlohn

Ein großes Problem bei den Löscharbeiten ist die Wasserversorgung. Die Feuerwehr aus NRW muss kilometerlange Schlauchleitungen legen, um den Brand in den Griff zu bekommen. Auch weil so viele Landwirte schnell handeln und unaufgefordert helfen, schafft es das Feuer nicht bis auf die Pferdewiesen. Die Landwirte bringen Wasser in Fässern und sichern so die Löscharbeiten.

Waldbrand in NRW: Aufatmen auf Pferdeschutzhof in Iserlohn

Von ihrem verrauchten Hof aus wird Tanja irgendwann klar, dass das Feuer unter Kontrolle ist. Am Donnerstagmorgen allerdings drohen die Glutnester und Flammen wieder aufzulodern, trotz des Regens über Nacht. Die Flächen sind weiter trocken und Wind treibt das Feuer an. Die Feuerwehr schafft es Donnerstagnachmittag schließlich, die Flammen zu bezwingen.

Am Freitagmorgen ist immer noch eine Brandwache vor Ort, um Glutnester zu beobachten und zu löschen. Zu Spitzenzeiten tummelten sich 350 Einsatzkräfte im kleinen Dörfchen am Hegenscheid in Iserlohn bei Altena in NRW.

Waldbrand im Sauerland: Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen.
Waldbrand im Sauerland: Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen. © Tanja Raffloer/Pferdeschutz Iserlohn

„Wir nehmen aus dem Fall Erfahrungen mit, auch was die enge Straße zu unserem Hof betrifft. Hier kann man in Zukunft vielleicht ein paar Dinge anders machen“, meint Tanja. Der Pferdeschutz Iserlohn ist zum Glück mit dem Schrecken davon gekommen. „Trotzdem schaue ich natürlich irgendwo mit Sorge in die Zukunft. Hier liegt viel Totholz im Wald und eine Zigarette ist schnell aus dem Fenster geworfen.“

Der Pferdeschutz Iserlohn kümmert sich um kranke oder alte Tiere, sowie Pferde, die in Not geraten sind. Einige Tiere leben direkt am Hof, wo Tanja Raffloer auch eine kleine Pferdepension betreibt. Andere Tiere werden über Pflegestellen vermittelt. Der Verein ist auf helfende Hände und Spenden angewiesen.

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