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Warum in Oberhausen jetzt ein Elefant über der Stadt schwebt

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Von: Maximilian Gang

In Oberhausen gibt es nun vor dem LVR-Industriemuseum eine Statue der Elefantendame Tuffi, die 1950 bei einer Promotour aus der Schwebebahn in Wuppertal sprang.
Direkt am Oberhausener Hauptbahnhof hängt jetzt eine Elefantenstatue. © Roberto Pfeil/dpa

Oberhausen hat ein neues Wahrzeichen. Vor dem LVR-Industriemuseum hängt seit kurzem eine Elefantenstatue, die man eigentlich in einer ganz anderen Stadt vermuten würde.

Oberhausen – In Oberhausen hängt jetzt ein Elefant vor dem LVR-Industriemuseum. Im Rahmen des Kunstprojekts „Elevated Levitated Elephant“ hat der Künstler Jörg Mazur die Statue gestaltet, die die Elefantendame Tuffi darstellt. Das Tier war vor über 70 Jahren Teil einer Promo-Tour des traditionsreichen Zirkus Althoff – bei einer Fahrt mit der Schwebebahn sprang das Tier aus der Gondel. Seitdem ist Tuffi ein Symbol für Wuppertaler Schwebebahn. Was macht die Statue denn dann jetzt in Oberhausen? Die verblüffede Geschichte hinter dem neuen Wahrzeichen.

Elefant Tuffi hopst aus dem Waggon in die Tiefe

Am 21. Juli 1950 passierte das, was Tuffis Geschichte bis heute legendär macht. Der Zirkus Althoff, zudem das Tier gehörte, wollte spektakulär die Werbetrommel rühren, Tuffi sollte dafür eine Runde mit der berühmten Schwebebahn drehen. Der Elefant geriet nach nicht einmal zwei Minuten Fahrt in dem überfüllten Waggon in Panik, brach durch die Seitenwand der Bahn hindurch – und fiel zehn Meter tief hinunter in die Wupper. Das Tier landete auf seinem Hinterteil, und blieb unverletzt.

Tuffi-Statue: Oberhausen an Schwebebahn-Konstruktion beteiligt

Was hat nun Oberhausen damit zu tun? Tatsächlich war die Stadt im Ruhrgebiet stark an der Entstehung des Wahrzeichens von Wuppertal, der Schwebebahn, beteiligt: Ein Teil der tragenden Stahlkonstruktion der Bahn wurde im 19. Jahrhundert in der dortigen Gutehoffnungshütte hergestellt. Nachdem der Gerüstbau modernisiert worden war, wurden vier der historischen Tragebögen zurück an die Stadt Oberhausen übergeben. Und an einem dieser Bögen vor dem LVR-Industriemuseum hängt nun die etwa 1200 Kilogramm schwere Elefantenstatue von Tuffi. Doch auch die lebendige Elefantendame verbindet etwas mit der Stadt.

Auch in Oberhausen trieb Tuffi ihr Unwesen – und wurde zum Mahnmal für die Menschen

Wenige Tage vor ihrem geschichtsträchtigen Sprung in die Wupper, war Tuffi im Rahmen der Promotour auch in Oberhausen: Nach einer Fahrt in der Straßenbahn war der Elefant zu Gast beim damaligen Oberbürgermeister im Oberhausener Rathaus. Und auch dort sorgte sie für Chaos, wenn auch mit weniger Dramatik: Tuffi knabberte an Blumen und Vorhängen – und pinkelte vor den Augen des Bürgermeisters in die Räumlichkeiten des Rathauses. Danach blieb das Elefantenmädchen noch viele Jahre die Hauptattraktion in ihrem Zirkus.

Schwebebahn in Wuppertal
Inbetriebnahme1. März 1901
Höchstgeschwindigkeit60 km/h
Streckenlänge13,3 Kilometer
Passagiere pro Jahrcirca 24 Millionen
Haltestellen16

Durch ihre Widerspenstigkeit stellt Tuffi heute auch ein Mahnmal für die Menschen dar: „So glimpflich ihr Sprung aus der Schwebebahn damals glücklicherweise für sie und auch für den Zirkusdirektor verlaufen ist, so sehr steht er doch bis heute wie ein Ausrufezeichen dafür, dass sich hier ein Tier sehr nachdrücklich gegen eine äußerst fragwürdige Behandlung in menschlicher Obhut zur Wehr gesetzt hat“, so der Künstler Jörg Mazur.

Künstler: „Tuffi hatte offensichtlich Charakter“

Zur Wahl des Motivs der Statue erklärt der Künstler: „Tuffi hatte offensichtlich Charakter, weshalb es mir schon bei Beginn meiner Arbeit wichtig war, dass am Ende eine Figur mit einer Körperhaltung und einem Gesamtausdruck herauskommt, die diese Persönlichkeit mit Würde repräsentiert“. Deshalb hänge der Elefant auch nicht einfach über der Straße, sondern schreite an kurzen Trageröhren durch die Luft – als würde sie auf Wolken gehen, wie Mazur erklärt.

Der Künstler Jörg Mazur freut sich, dass seine Tuffi-Statue nun über Oberhausen hängt
Der Künstler Jörg Mazur freut sich, dass sein Werk nun über Oberhausen schwebt. © Roberto Pfeil/dpa

Auch stadtgeschichtlich hat das Denkmal Bedeutung: „Das Kunstprojekt „Elevated Levitated Elephant“ verkörpert die Idee, an zentraler Stelle Oberhausens mit der Skulptur eines Elefanten auf eine höchst spannende Industrie- und Stadtgeschichte aufmerksam zu machen“, erklärt der Künstler Jörg Mazur seine Intention auf seiner Webseite.

Die Idee zum „Elevated Levitated Elephant“ sei Mazur in den Jahren 2015 und 2016 gekommen. Finanziert wurde die 1,70 Meter hohe und 2,40 Meter hohe Statue durch Fördermittel – und knapp 12.000 Euro Spendegelder von mehr als 100 Unterstützern. Der schwebende Elefant ist bereits das dritte Tuffi-Denkmal. Zwei weitere stehen schon in Wuppertal: Eines in der Fußgängerzone und ein weiteres im Stadtteil Barmen – an der die Elefantenkuh nach ihrem Fall aus 10 Metern in der Wupper landete.

Die Wuppertaler Schwebebahn transportiert jährlich rund 24 Millionen Menschen. Seit ihrer Inbetriebnahme 1901 ist sie ein wahrer Touristenmagnet. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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