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WDR: Nemi El-Hassan darf nicht „Quarks“ moderieren – jedenfalls vorerst

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YouTuberIn Nemi El-Hassan (Datteltäter) bei einer Pressekonferenz zum Thema Begriffswelten Islam in der Bundeszentrale für politische Bildung.
Nemi El-Hassan sollte ab November die WDR-Sendung „Quarks“ moderieren. Doch aktuell herrscht großer Wirbel um die Ärztin und Journalistin. (Archivbild) © IMAGO / Jens Jeske

Nemi El-Hassan sollte ab November die Sendung „Quarks“ moderieren. Doch sie steht in der Kritik, weil sie an einer umstrittenenen Al-Kuds-Demo teilgenommen hat. Nun greift der WDR ein.

Köln – Der Ärger hört nicht auf für den Gebühren-finanzierten Sender WDR: Erst die unschöne Trennung von Lokalzeit Köln“-Moderatorin Simone Standl. Und jetzt muss die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit Sitz in Köln auch noch prüfen, ob die Auswahl einer Moderatorin vielleicht ein Fehler war: Nach Antisemitismus-Vorwürfen darf die Moderatorin Nemi El-Hassan jedenfalls erstmal nicht die Wissenschaftsendung „Quarks“ präsentieren. Eigentlich hätte die 28-Jährige im November starten sollen – doch dann wurde Nemi El-Hassan von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Hintergrund ist das Bekanntwerden ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo in Berlin vor sieben Jahren. Vom WDR hieß es: „Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer. Es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren. Deshalb ist eine sorgfältige Prüfung geboten.“

Moderatorin El-Hassan antwortet auf Kritik: Teilnahme an Al-Kuds-Demo war Fehler

Nemi El-Hassan hatte sich im Vorfeld bereits von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo vor Jahren nachträglich distanziert. Ihre Management-Agentur teilte am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur ein Statement El-Hassans mit: „An den Al-Kuds-Demos vor sieben Jahren in Berlin teilzunehmen, war ein Fehler.“ Die Bild-Zeitung hatte zuvor im Kontext der neuen Aufgabe El-Hassans für den WDR unter anderem von ihrer Demo-Teilnahme in Berlin berichtet.

Bei den alljährlichen Al-Kuds-Demonstrationen in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder übelste antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Bewegung gezeigt worden. Gegen die Hisbollah hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein Betätigungsverbot erlassen. Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

El-Hassan in der Kritik: „Keinesfalls habe ich antisemitische Parolen von mir gegeben“

In dem Statement der 28-Jährigen hieß es weiter zu ihrer damaligen Teilnahme: „Keinesfalls habe ich während der Demo antisemitische Parolen von mir gegeben, noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen.“ Während Ausschreitungen sei sie nicht zugegen gewesen. Ihr sei es wichtig, sich gegen Hass und Gewalt zu positionieren. Ihr Anliegen sei gewesen, Solidarität mit Palästinenserinnen und Palästinensern auszudrücken.

„Die Mittel waren die falschen, das sage ich heute mit Nachdruck. Ich distanziere mich daher klar und ausdrücklich von den Al-Kuds-Demos, sowie weiteren Demonstrationen in einem ähnlichen Kontext. Ich verurteile jegliche antisemitischen Äußerungen und Aktionen, sämtliche Arten von Gewalt und insbesondere die Gewalt, die auf diesen Demos stattgefunden hat“, hieß es weiter in dem Statement.

WDR-Moderatorin El-Hassan in der Kritik: Zentralrat der Juden ist für objektive Überprüfung

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teilte am Dienstag in einem Statement mit: „Die Wogen im Fall der Journalistin Nemi El-Hassan schlagen hoch und fördern leider auch Islamfeindlichkeit zutage.“ Daher sei es jetzt wichtig, sich objektiv mit der Frage zu befassen, ob sie trotz ihrer Teilnahme an dem Marsch als WDR-Moderatorin geeignet wäre. „Der öffentlich-rechtliche Sender trägt eine hohe Verantwortung, niemanden auf dem Bildschirm zu präsentieren, der Israel-Hass und Antisemitismus verbreiten könnte.“ Dies müsse auch bei El-Hassan gesichert sein. Momentan habe man erhebliche Bedenken.

Antisemitismus-Vorwurf gegen Nemi El-Hassan: WDR mit Stellungnahme

Der WDR teilte bereits zuvor mit: „Nemi El-Hassan ist uns als engagierte Journalistin bei Funk und ZDF aufgefallen. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Medizinjournalistin haben wir ihr die Moderation von ‚Quarks‘ angeboten.“ Sie habe den WDR jetzt über ihre Teilnahme an der Al-Kuds-Demonstration im Jahr 2014 informiert. Nun folgten also erste Konsequenzen.

Nemi El-Hassan fühlt sich absichtlich missverstanden

El-Hassam ging in ihrem Statement auch auf einen anderen Aspekt der Bild-Berichterstattung ein. Darin geht es um einen animierten Kurzfilm der Bundeszentrale für politische Bildung, in dem auch El-Hassan mitgewirkt hat und den Begriff „Dschihad“ erläutert. Laut Statement entstand das Video im Rahmen einer Webvideo-Reihe zu „Begriffswelten Islam“ für die Bundeszentrale im Jahr 2015. El-Hassan betonte in dem Statement: „Ich relativiere in diesem Beitrag keinen Terrorismus.“ Sie verwies darauf, dass ein Videoausschnitt in Sozialen Netzwerken und Medien aus dem Kontext gerissen worden sei. (dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Nemi El-Hassan: Das ist über die neue Moderatorin der WDR-Sendung „Quarks“ bekannt

Nemi El-Hassan ist Journalistin, Medienmacherin und Ärztin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Berliner Charité. Sie gehört auch zum Gründungsteam des Youtube-Kanals „Datteltäter“, der sich zur Aufgabe gemacht habe, in satirischen Videos mit Vorurteilen gegenüber Musliminnen und Muslimen aufzuräumen. Die Clips sind Teil des Angebotes Funk von ARD und ZDF für jüngere Leute.

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