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WDR: Nemi El-Hassan darf „Quarks“ nicht moderieren – „ist eine schwierige, schwierige Abwägung“

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Nemi El-Hassan tritt am 18.04.2015 in Braunschweig (Niedersachsen) im Kleinen Haus des Staatstheaters beim muslimischen Poetry Slam auf.
Nemi El-Hassan war auch in jüngster Zeit mit „problematischen Likes“ aufgefallen. (Archivbild) © Florian Kleinschmidt/dpa

WDR: Nemi El-Hassan sollte bald die Sendung „Quarks“ moderieren, doch der Sender schob dem nun ein Riegel vor. Grund sind Antisemitismus-Vorwürfe. Sie könnte aber Autorin werden.

Köln – Der WDR hat in der Causa Nemi El-Hassan eine Entscheidung gefällt. Die 28-Jährige wird die Wissenschaftssendung „Quarks“ zukünftig doch nicht moderieren dürfen, wie Intendant Tom Buhrow am Dienstag im WDR-Rundfunkrat bekannt gab. Nach Antisemitismus-Vorwürfen hatte der WDR die geplante Moderation von El-Hassan zuvor nur zeitweise ausgesetzt, um die Angelegenheit genauer zu prüfen.

Die Moderatorin Nemi El-Hassan

Nemi El-Hassan ist Journalistin, Medienmacherin und Ärztin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Berliner Charité. Sie gehört auch zum Gründungsteam des Youtube-Kanals „Datteltäter“, der sich zur Aufgabe gemacht habe, in satirischen Videos mit Vorurteilen gegenüber Musliminnen und Muslimen aufzuräumen. Die Clips sind Teil des Angebotes Funk von ARD und ZDF für jüngere Leute.

Keine Quarks-Moderation für El-Hassan: Demo nicht Grund für WDR-Entscheidung

Laut Buhrow sei das Problem in seinen Augen nicht so sehr ihre Teilnahme an einer Al-Kuds-Demonstration vor sieben Jahren, da sie sich davon klar distanziert habe. Vielmehr hätten sich auch aus jüngster Zeit problematische Likes von ihr in sozialen Netzwerken gefunden. „Es ist eine schwierige, schwierige Abwägung“, sagte der WDR-Chef. Eine Moderation würde aber in jedem Fall zu einer unangebrachten Politisierung der Sendung führen. Allerdings erwäge man, El-Hassan als Autorin für „Quarks“ arbeiten zu lassen, sagte Buhrow – also nicht vor, sondern hinter der Kamera.

Bei den alljährlichen Al-Kuds-Demonstrationen in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Bewegung gezeigt worden. Der ganze Fall war durch Berichterstattung der Bild ins Rollen gekommen: Die Zeitung hatte bekannt gemacht, dass die Journalistin vor mehreren Jahren bei einer Al-Kuds-Demo in Berlin war. Daraufhin hatte sich El-Hassan von der Demo im Jahr 2014 distanziert. Doch ihr geplanter Moderations-Start für die Wissenschaftssendung „Quarks“ wurde vom WDR zuerst aufs Eis gelegt und nun ganz gekippt.

El-Hassan: Mitglieder des WDR-Rundfunkrats fordern komplette Entlassung

Zahlreiche Rundfunkratsmitglieder meldeten sich zu Wort und kritisierten ganz überwiegend, dass El-Hassan weiter für den WDR tätig sein solle. Sie könne weder vor noch hinter der Kamera einen Platz haben. „Wir dürfen doch nicht so tun, als ob es unterschiedlich wichtige Aufgabenbereiche im WDR gibt“, hieß es in einer Wortmeldung. Damit tue sich der WDR keinen Gefallen. Das Problem seien weniger die Jugendsünden als die Bekundungen aus neuester Zeit. Man könne israelkritisch sein, aber Freude über Gewalt gegen Israel sei auf keinen Fall zu tolerieren.

Der Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber sagte: „Antisemitische Positionen können und dürfen im WDR keinen Platz haben.“ Daran lasse man nicht rütteln. Wie man dann im Detail eine Personalentscheidung treffe, sei nicht Sache des Rundfunkrates. „Die Entscheidung können wir Ihnen hier und heute nicht abnehmen“, sagte er an Buhrow gewandt. Die Grundrichtung der Wortmeldungen sei aber deutlich gewesen. Er wünsche sich eine für alle Seiten akzeptable Lösung. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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