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Weisser Ring: Betreuer soll Opfer missbraucht haben – Verein schmeißt ihn raus

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Materialien und Kugelschreiber vom Weissen Ring liegen auf einem Tisch
Materialien vom Weissen Ring bei einer Konferenz. Gegen einen Außenstellenleiter des Opferhilfevereins gibt es Missbrauchsvorwürfe. © Jens Büttner/dpa

Wegen Missbrauchsvorwürfen hat der Weisse Ring den Leiter der Außenstelle im Hochsauerlandkreis abberufen. Schon 2019 wurden dem Mann sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Dortmund/Mainz – Mit sofortiger Wirkung hat der Landesvorsitzende des Weissen Rings NRW/Westfalen-Lippe, Jörg Bora, den Leiter der Außenstelle Hochsauerlandkreis abberufen. Grund: Dem Leiter der Außenstelle wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Eine Opferanwältin und eine Beratungsstelle haben den Verein in einem Schreiben am 10. Februar darüber in Kenntnis gesetzt, heißt es in der Pressemitteilung. Darin wird dem Außenstellenleiter vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem Kriminalitätsopfer vorgenommen zu haben, das er seit Anfang 2018 betreute.

Weisser Ring NRW: Missbrauchsvorwürfe gegen Mitarbeiter als glaubwürdig eingestuft

Für den geschäftsführenden Bundesvorstand des Vereins sind die Hinweise glaubwürdig. Da die dem Verein vorgebrachten Vorwürfe potenzielles Täterwissen beinhalten, werden zu den Tatvorwürfen keine weiteren Angaben gemacht. Der Verein hat Strafanzeige gegen den ehrenamtlichen Mitarbeiter wegen des Verdachts von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erstattet.

Unabhängig von einer strafrechtlichen Bewertung der Vorwürfe durch die Justiz hat der Mitarbeiter aus Sicht des Weissen Rings massiv gegen den Verhaltenskodex des Vereins und gegen die Standards der Opferbetreuung verstoßen, was die Abberufung rechtfertigt.

Missbrauchsfall beim Weissen Ring NRW: Mitarbeiter wurde schon mal suspendiert

Der Fall hat eine Vorgeschichte: Bereits Anfang 2019 hatte sich ein von dem Mann betreutes Kriminalitätsopfer beim Opfer-Telefon des Weissen Rings gemeldet und dem Außenstellenleiter sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Der Mitarbeiter war daraufhin vom Landesvorsitzenden Bora suspendiert worden. Weil die Aussagen des Opfers als widersprüchlich und nicht hinreichend glaubhaft bewertet wurden und der Mitarbeiter die Vorwürfe zudem „völlig haltlos“ nannte, hob Bora die Suspendierung nach wenigen Wochen wieder auf.

Missbrauchsfall beim Weissen Ring NRW: Landesvorsitzender Bora entschuldigt sich

Der Landesvorsitzende sagt dazu: „Das Vertrauen von Menschen, die sich in einer persönlichen Ausnahmesituation hilfesuchend an uns gewandt haben, ist hier mutmaßlich auf schwerste Weise missbraucht worden. Ich möchte persönlich dafür um Entschuldigung bitten“, so Jörg Bora. „Es ist grundsätzlich unerträglich, wenn Menschen durch ein Verhalten eines Mitarbeiters des Weissen Rings erneut zu Opfern werden.“

Bora warb gleichzeitig um Vertrauen in die wichtige und wertvolle Arbeit der rund 220 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesverband Westfalen-Lippe, die sich in 26 Außenstellen engagiert für die Interessen von Kriminalitätsopfern einsetzen.

Der Weisse Ring – Hilfe für Opfer

Der Weisse Ring hilft Opfern von Kriminalität unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Staatsangehörigkeit und politischer Überzeugung. Dafür gibt es ein deutschlandweites Netz von rund 2.900 ehrenamtlichen Opferhelferinnen und Opferhelfern in mehr als 400 Außenstellen.

Der Weisse Ring wurde am 24. September 1976 in Mainz als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“ gegründet und zählt aktuell rund 46.000 Mitglieder.

Journalist und Fernsehmoderator Eduard Zimmermann (1929-2009), bekannt durch die Sendung Aktenzeichen XY, ist Initiator und Mitbegründer des Weissen Rings.

Missbrauchsfall beim Weissen Ring NRW: Taskforce und Hotline eingerichtet

Direkt nach Bekanntwerden der Vorfälle hat der Weisse Ring in der Bundesgeschäftsstelle in Mainz eine Taskforce eingerichtet, die sämtliche Opferfälle überprüfen wird, die der frühere Außenstellenleiter betreut hat.

Der Verein hat zudem eine Hotline für potenziell betroffene Frauen geschaltet, die Kontakt zum Weissen Ring aufnehmen möchten. Ansprechpartnerin am Telefon ist Petra Klein, Vorstandsmitglied und Leiterin der Außenstelle Oldenburg in Niedersachsen. Über die Telefonnummer 0151 551 645 97 kann direkter Kontakt aufgenommen werden. Auf der Webseite des Weissen Rings hat der Verein zudem ein Frage-und-Antwort-Stück veröffentlicht, das alles, was bisher bekannt ist, beinhaltet.

Missbrauchsvorwürfe: Weisser Ring setzt auf Transparenz, Katholische Kirche nicht

Währen der Weisse Ring sehr offen und transparent mit dem aktuellen Missbrauchsvorwurf umgeht, sieht es bei der Katholischen Kirche anders aus. Kardinal Rainer Maria Woelki war massiv in die Kritik geraten, weil er ein Gutachten zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche zurückhält.

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