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Warum gerade so viele Kraniche über uns fliegen

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Von: Benjamin Stroka

Tausende Kraniche waren zuletzt in V-Formation am Himmel über NRW zu sehen. Der Flug der Zugvögel gen Süden kündigt damit auch den Winter an.

Düsseldorf – In den vergangenen Tagen konnte man vielerorts in NRW immer wieder ein spektakuläres Naturschauspiel am Himmel beobachten. Zehntausende Kraniche sind auf dem Weg nach Süden, um dort zu überwintern.

Wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) berichtet, nahmen die Kranichflüge über NRW vor allem zum 12. und 13. November deutlich zu. „Viele tausend Kraniche zogen vom südlichen Niedersachsen auf einer breiten Bahn über Osnabrück, Münster, Ruhrgebiet und Bergisches Land bis ins Rheinland und die Eifel“, teilte der NABU am Sonntag (13. November) mit. Ein Großteil der Kraniche, die zuvor in Niedersachsen gerastet haben, seien demnach nun wohl abgezogen.

Kranichzug am Himmel.
Die Kraniche fliegen in Formation Richtung Süden, hier Ende Oktober im Ruhrtal in Essen. © Gottfried Czepluch/Imago

Kraniche über NRW: Wohin fliegen die Zugvögel?

Ziele der Kraniche sind seit einigen Jahren vor allem Südfrankreich und Spanien. Dort schlagen die Zugvögel ihre Winterquartiere auf. Damit gehören sie sogar zu den Profiteuren des Klimawandels. Denn durch die höheren Temperaturen in Europa ist die gefährliche Reise in die Winterquartiere für die Kraniche deutlich kürzer geworden. Nach Nordafrika fliegen demnach mittlerweile deutlich weniger Kraniche. Somit haben auch schwächere Vögel eine bessere Chance, die beschwerliche Reise zu überstehen.

Laut NABU-Angaben überwintern heutzutage rund 250.000 Kraniche in Spanien, 130.000 in Frankreich sowie wenige tausend Vögel jeweils in Portugal und Nordwestafrika.

Damit dürften dieser Tage die letzten Kranichzüge in V-Formation über dem Himmel in NRW zu sehen sein. Die Zugvögel, die ihre Brutplätze zu einem Großteil in Skandinavien, dem Baltikum und Polen haben, nutzen die V-Formation übrigens, um Kraft zu sparen. Ähnlich wie man es aus verschiedenen Rennsportarten kennt, nutzen auch die Kraniche den Windschatten ihrer Artgenossen und wechseln sich ab.

Kraniche fliegen Richtung Süden: ein Zeichen für den Winter?

Traditionell heißt es, dass der Flug der Kraniche gen Süden auch ein Zeichen dafür ist, dass es nun deutlich kälter wird und der Winter vor der Tür steht. Aber stimmt das wirklich? Grundsätzlich ja, erklärt Jörg Liesenfeld, Diplom-Biologe und Leiter der Naturschule Grund in Remscheid. „Die Vögel spüren das bereits im Vorfeld und machen sich auf den Weg“, so Liesenfeld gegenüber dem Remscheider General-Anzeiger (hinter Bezahlschranke). Frei von Fehlern ist auch das Gespür der Zugvögel nicht. Aber auch Meteorologen rechnen in nächster Zeit mit den ersten kalten Tagen und gebietsweise sogar Schnee.

Nach Winterquartier: Wann kommen die Kraniche wieder zurück?

In einigen Monaten gibt es dann die Rückkehr der Kraniche. Wann genau, lässt sich im Vorfeld nur schwer vorhersagen. Das hängt vor allem davon ab, wie mild oder kalt der Winter ist. Wie der NABU berichtet, machen sich aber zumeist ab Mitte Februar die ersten kleineren Schwärme wieder auf den Weg aus der französischen Champagne nach Deutschland.

„Bei günstigem Flugwetter ziehen mehrere Tausend Kraniche entlang der westlichen Route via Eifel, Moseltal, Bonn, Siegerland, Ruhrgebiet und Weserbergland oder alternativ vom Saarland und Rheinland-Pfalz via Frankfurt am Main, den Taunus und die Wetterau Richtung Norden“, heißt es beim NABU. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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