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BVB-Boss Watzke schießt gegen den FC Bayern: „So wird der Fußball für den Fan teurer“

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Von: Patrick Freiwah

Hans-Joachim Watzke am Rande eines Testspiels im Trainingslager:  Der BVB-Chef ist ein Befürworter der 50+1-Regel
Hans-Joachim Watzke am Rande eines Testspiels im Trainingslager: Der BVB-Chef ist ein Befürworter der 50+1-Regel. © Revierfoto/Imago

Die „50+1“-Regel der Bundesliga erhitzt seit langer Zeit die Gemüter. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke erklärt, warum er im Gegensatz zum FC Bayern für die Beibehaltung plädiert.

Frankfurt/Dortmund - Hans-Joachim Watzke eckt häufiger mit umstrittenen Äußerungen an. In einem Interview mit dem kicker nimmt der BVB-Vorstandsvorsitzende Stellung zu diversen Themen, die Borussia Dortmund und die Gesamtentwicklung der Bundesliga betreffen. Was das Thema „50+1“ betrifft, geht der Geschäftsführer des börsennotierten Vereins auf Konfrontation zu Bayern Münchens Vorstandschef Oliver Kahn. 

Für den 63-Jährigen bleibt die Abschaffung der 50+1-Regel ein Tabu. Damit stellt sich der Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga (DFL) auch gegen das Anliegen aus dem Lager des deutschen Rekordmeisters, der die Bundesliga im Ringen um mehr Attraktivität und Wettbewerb gerne für Investoren öffnen würde. Für Watzke seien derartige Ambitionen weder „nachvollziehbar“ noch „stringent“.

50+1-Regel für mehr Spannung? BVB-Vorsitzender Watzke sieht „tiefe Verwerfungen“

Langeweile an der Tabellenspitze? Watzke äußert die Meinung, die Bundesliga würde mit der derzeitigen Regelung demokratischer sein, weil diese Mitbestimmung „so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt“ sei, dass eine Abschaffung ihm zufolge „tiefe Verwerfungen“ auslösen würde. 

Außerdem erklärt Dortmunds Vereinsboss: „Zum anderen würde es für den Fan viel teurer, das will ich nicht. Fußball ist in Deutschland Gott sei Dank noch Gesellschaftskitt.“ Dass ein 50+1-Klub genauso erfolgreich sein könne, würde das Beispiel Real Madrid zeigen - „Auch wenn Leute darüber lachen, wenn ich Real Madrid einen 50+1-Klub nenne.“

Vor wenigen Wochen zog sich Watzke Kritik des ehemaligen FC-Bayern-Chefs Uli Hoeneß zu, der die Abschaffung von „50+1“ befürwortet. Der BVB-Chef sei ein „Bremser“:

Watzke: FC Liverpool als Vorbild für Dortmund, FC Bayern und Co.

Ein Mittel zu größerem Ansehen (und damit auch höheren Einnahmen, d. Red.) sei die TV-Vermarktung im Ausland. Da habe die Liga „ehrlicherweise noch gar nicht richtig angefangen, unser Potenzial richtig auszuschöpfen“, findet Watzke: „Wenn wir nachhaltig und in einem nennenswerten Umfang unsere Auslandserlöse erhöhen wollen, dann kommen wir nicht darum herum, Präsenz zu zeigen“, schildert der 63-Jährige. Ab der kommenden Saison müsste jeder Bundesligist und zahlreiche Zweitligisten „raus in die Kernmärkte gehen“. Diese seien ihm zufolge „die USA, Asien, irgendwann vielleicht auch mal Australien“.

Als Vorbild nannte der BVB-Boss den FC Liverpool. „Jürgen Klopp setzt sich mit seinem Team 23 Stunden in den Flieger. Das ist der Weg. Auch wir als Borussia Dortmund werden wieder auf Tour gehen in Zukunft. So wie jetzt die Münchner wofür man sie nur loben kann.“ Der FC Bayern war im Sommer auf einer USA-Reise.

„Man kann sich zu Zeiten der Globalisierung nicht national abschotten“, sagte Watzke, zumal der wirtschaftliche Wettbewerbsnachteil gegenüber den Staats- und Oligarchenklubs, speziell der Premier League, infolge der Corona-Pandemie noch einmal größer geworden sei.

FC-Bayern-Dominanz: 2022/23 ein anderer Meister? Das denkt Watzke

Über mehr Spannung im Titelkampf und die Chancen der FC-Bayern-Verfolger in der neuen Saison äußert sich Hans-Joachim Watzke ebenfalls: Er glaubt jedoch nicht, dass Klubs wie Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen dem Serienmeister gemeinsam den Kampf ansagen können:„Jeder ist für sich selbst zuständig. Du kannst doch kein Kartell gegen den FC Bayern bilden.“

Auf der anderen Seite erklärt der 63-Jährige dann jedoch, dass die FCB-Rivalen zumindest versuchen sollten, an einem Strang zu ziehen: „Die Klubs müssen alle miteinander versuchen, dass aus der Favoritenrolle nicht wieder der Titel herausspringt.“ Dass es irgendwann mal wieder einen anderen Meister als Bayern München geben würde, sei sicher. „Jedoch nicht zwangsläufig schon 2022/23“, führt Watzke aus.

Zuletzt war auch eine Debatte über mögliche Playoffs in der Bundesliga entbrannt. Oliver Kahn steht einer derartigen Regeländerung offen gegenüber. (PF mit sid)

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