Simić über Frauen-Bundesliga: Bayern hat Wolfsburg abgehängt

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Von: Magdalena Schwaiger

Die Saison ist vorbei, der FC Bayern zum vierten Mal in Folge Meister. Der VfL Wolfsburg abgemeldet, doch wie geht es in der Frauen-Bundesliga überhaupt weiter? Julia Šimić im exklusiven Interview.

Sie hat für beide Vereine die Fußballschuhe geschnürt – den FC Bayern und den VfL Wolfsburg. Lange waren diese Mannschaften das Nonplusultra der Bundesliga, doch langsam aber sicher findet ein Machtwechsel statt. Die Wölfe verloren nicht nur das Pokalfinale, sondern auch Star-Spielerin Alexandra Popp. Julia Šimić beurteilt die Bundesliga-Saison der Frauen und gibt im Exklusiv-Interview mit Absolut Fussball ihre Einschätzung zur eigenen Ligagründung ab.

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Frau Šimić, wie beurteilen Sie als Expertin die Situation des VfL in der Bundesliga?

Ich glaube, man kann sagen, dass es auf jeden Fall eine Ablösung gibt. Dass die Bayern Wolfsburg auf vielen Ebenen abgelaufen haben. International sind die Bayern Wolfsburg mittlerweile wahrscheinlich ein bis zwei Schritte voraus. Und jetzt natürlich der Abstieg der Männer – das hilft der Frauenabteilung sicherlich nicht. Aber ich glaube, man hat den Anschluss teilweise verloren.

Und das DFB-Pokalfinale zuletzt – das war sehr deutlich, vom Ergebnis, aber auch von der Spielweise. Da hat man gemerkt: Wolfsburg fällt ein bisschen ab.

Der VfL hat zudem mit einigen Abgängen zu kämpfen.

Jetzt geht Alex Popp, jetzt geht Ralf Kellermann, und es gehen einige Spielerinnen wie Lineth Beerensteyn und Vivien Endemann und einige mehr. Da wird es einen Kaderumbruch geben. Es wird auch eine neue Stelle besetzt – mit Vanessa Bernauer auf Sportdirektorinnen-Ebene. Da bin ich gespannt, ich habe selbst noch mit ihr zusammengespielt. Sie ist nicht super erfahren, bringt aber viele Qualifikationen mit und spricht unter anderem fünf Sprachen.

Aber auch das muss wachsen. Ich glaube, der Verein wird die Erwartungshaltung anpassen müssen – und nicht mehr in den obersten Regalen mitfischen können, was Transfers angeht, wie es vielleicht bis vor ein, zwei Jahren noch der Fall war.

FC Bayern: Nonplusultra in der Bundesliga?

Und dann ist da auch noch der FC Bayern.

National ist leider ähnlich wie in der Männer-Bundesliga: Die Bayern haben sich jetzt erst einmal eine Vormachtstellung erarbeitet – mit guter, kontinuierlicher und strategischer Arbeit, aber auch mit Finanzpower im Rücken. Da ist im Moment keiner in der Lage, einen echten Gegenspieler zu bieten.

Und international?

Wo man früher vielleicht auch noch die Erwartung haben konnte, international bis ins Finale vorzudringen – das ist, glaube ich, in den nächsten Jahren exrem schwierig. Da gibt es mit Teams wie Barcelona, Olympique Lyon aktuell den Primus im Frauenfußball und auf kurz – und mittelfristige Sicht natürlich auch viele englische Mannschaften wie Arsenal, Manchester City, United und Chelsea.

Was ist Ihre Prognose für die kommenden Jahre? Wie entwickelt sich die Bundesliga?

In den nächsten zwei, vielleicht auch drei Saisons sehe ich eigentlich keine ernsthafte Konkurrenz (für die Bayern, Anm. d. Red.). Dann muss man schauen, wie sich Teams wie der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt oder vielleicht auch Bayer Leverkusen etablieren. Leverkusen hat transfermäßig viel gemacht für die kommende Saison. Dann kommt in den nächsten 2–3 Jahren Dortmund in die Bundesliga. Das sind die Player, die vielleicht auf Sicht mithalten und Bayern Paroli bieten können.

Apropos kommende 2-3 Jahre: Wie stehen Sie zur angekündigten Liga-Gründung?

Es muss sich einfach entwickeln. Ich glaube, es war wichtig, dass man rausgeht aus diesem Dach – dem DFB. Das bedeutet erst mal: Es sind in viele Richtungen keine Grenzen gesetzt und man kann die komplette Struktur neu überdenken und sich im Nachwuchs, in der Bundesliga, auf Vereinsebene infrastrukturell neu aufstellen.

Und natürlich diese Finanzspritzen: Man liest von hohen Summen, die in den nächsten Jahren investiert werden sollen. Das klingt erst einmal vielversprechend, es müssen aber auch Experten in die jeweiligen Bereiche, die die Dinge weiter zum Positiven verändern können. Ich glaube, der Schritt, sich vom DFB zu isolieren, war hart, aber auch mutig, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein.

Welche Möglichkeiten bietet eine eigene Liga?

Ich weiß, dass Katharina Kiel groß denkt und Axel Hellmann dahintersteht. Die beiden haben das nicht gemacht, um ein bisschen mitzuspielen, sondern weil man wirklich etwas anschieben möchte. Ich glaube, das ist eine riesige Chance für die Liga. Die Liga hat in den vergangenen Jahren an Strahlkraft verloren – auch für ausländische Top-Talente, aber auch für eigene Top- Spielerinnen.

Kann sich das dann auch auf das internationale Geschäft auswirken?

Jetzt hat man die Möglichkeit, eine neue Struktur zu legen, mehr Glanz, Strahlkraft und Wettbewerbsfähigkeit durch neues Gedankengut zu erzeugen. Und den Wettbewerb vielleicht wieder ein bisschen gleicher aufzubauen – um eben nicht einen Verein komplett wegziehen zu lassen, weil individuell ganz andere Möglichkeiten vorhanden sind, als bei den anderen 13 Vereinen.

Sondern, dass man eine Konkurrenzsituation schafft, die Spannung erzeugt. Und dann: weiter Türen öffnen, Infrastruktur und Strukturen legen, damit man als Spielerin – aber auch als Staff im Hintergrund – maximal professionell arbeiten kann. Das hat man zum Beispiel bei jedem einzelnen Verein in England. Das hast du bei den Top-Teams wie Barcelona, auch Real Madrid, PSG und Olympique Lyon. Die italienische Liga wird weiter an Attraktivität gewinnen. Mit den aktuellen Strukturen kann man im internationalen Vergleich mit Topteams nicht mehr mithalten.

Das Interview führte Magdalena Schwaiger.

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