Die Fußball-WM 2026: Das schmutzigste Sportereignis der Geschichte

Aktualisiert:

Von: Magdalena Schwaiger

Die FIFA feiert die Fußball-WM 2026 als Meilenstein. Experten sehen darin etwas anderes: das schmutzigste Sportereignis der Geschichte.

Stadien, Stimmung, Super-Emission: Die Fußball-WM 2026 wird laut Experten die schädlichste Weltmeisterschaft aller Zeiten. Das geht aus einer Studie der britischen Organisation „Scientists for Global Responsibility“ (SGR) hervor. Millionen von Fans machen sich auf zu den Spielorten in den USA, Kanada und Mexiko. Das globale Spektakel bringt Menschen und Nationen einander näher – doch zu welchem Preis?

Die Fußball-WM 2026 wird vor allem heiß. Ein Fußballschuh hängt in einem Netz, das Termometer zeigt über 30 Grad.
Im Format „Das Spiel hinter dem Spiel“ blicken wir auf die Hintergründe zur Fußball-WM 2026. Dieser Text beschäftigt sich mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit. © MAGO / HMB-Media

Durch die Aufstockung auf 48 Teams und 104 Spiele in verschiedenen Zeitzonen ist schon vor Beginn klar, dass viele Strecken mit dem Flugzeug zurückgelegt werden müssen. Laut einer ZDF-Dokumentation machen diese Bedingungen ein „klimaschonendes Turnier“ faktisch unmöglich. Eine Verdopplung des CO₂‑Ausstoßes wurde von der SGR bereits nachgewiesen, die Gesamtemissionen steigen auf mehr als neun Millionen Tonnen. Das Klima wird darunter leiden – ebenso die Spieler und Fans. Denn die Stadien selbst sind Teil des Problems. Aktuelle Studien zeigen: Wer bei der WM 2026 dabei sein will, muss mit extremer Hitze rechnen. Für Körper und Geist kann das gefährlich werden.

FIFAs Versprechen – FIFAs Verbrechen

Absolut Fussball hat mit PD Dr. Karim Abu-Omar gesprochen, der sich seit Jahren mit der Thematik rund um Sport und Klima beschäftigt. Sport wird oft als gesellschaftliches Vorbild gesehen, doch die Realität dabei sieht anders aus: „Ich glaube, wir müssen uns daran gewöhnen, dass alle Sport-Mega-Events wie auch Olympia nie nachhaltig sind. Wahrscheinlich werden sie sogar immer klima- und umweltschädlicher, trotz aller hochheiligen Versprechen der Sportverbände, dass diese Events ‚klimapositiv‘ sind. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit sind die Fußball-WM und auch Olympia ganz schlechte Vorbilder“, kritisiert Abu-Omar.

PD Dr. Karim Abu-Omar ist Akademischer Oberrat am Department für Sportwissenschaft und Sport der FAU Erlangen‑Nürnberg. Er ist seit mehr als zehn Jahren Co-Direktor des WHO-Kooperationszentrums für Bewegung und Public Health.

Abu-Omar ist Mitglied des Climate Action Committees der ISBNPA und der Steuergruppe der Share 2.0 Initiative der EU-Kommission für nachhaltigen und grünen Sport und bildet bundesweit Trainer zum Thema „Klimawandel und Sport“ aus.

Glasgow, 2021: Die FIFA präsentiert eine eigene Klimastrategie. Das Ziel ist es, die CO₂‑Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Das geht aus dem offiziellen FIFA Annual Report von 2021 hervor. Als Grundlage stützte sich der Fußballweltverband auf den UN‑Klimaschutzplan für den Sport. Die vier Hauptpfeiler für den Klimaschutz lauten:

  • Pfeiler 1: Aufklärung des Fußballpersonals weltweit über klimabezogene Folgen und klimafreundliche Lösungen
  • Pfeiler 2: Anpassung von Fußballvorschriften und -tätigkeiten für die Folgen des Klimawandels
  • Pfeiler 3: Minderung der CO₂-Emissionen der FIFA zur Unterstützung des Pariser Klimaabkommens und des Klimaabkommens der Vereinten Nationen
  • Pfeiler 4: Investitionen in den Klimaschutz und Unterstützung der Fußball-Interessengruppen

Bereits bei der Vergabe der WM nach Kanada, Mexiko und in die USA versprach die FIFA Nachhaltigkeitskriterien. In Glasgow sagte Infantino noch, er wolle „erhebliche Mittel investieren, damit FIFA und Fußball die ehrgeizigen Ziele des UNFCCC-Klimaaktionsplans erreichen können“.

Doch was die FIFA verspricht und was die Daten zeigen, sind zwei verschiedene Welten, meint Experte Abu-Omar: „Es wird viel Aufwand betrieben von den Sportverbänden, dieses Problem kleinzureden.“ Die Lösung beinhalte ein komplettes Umdenken. „Ein Profisport in der heutigen Form, der in circa 20 Jahren wirklich klimaneutral ist, geht nur dann, wenn der Profisport sich deutlich schrumpft. Die Sportverbände scheuen bis heute diese Einsicht.“

Laut dem „FIFA’s Climate Blind Spot“ des New Weather Institutes, einem Think Tank mit Sitz in Großbritannien, werden sich die CO₂‑Äquivalente bei der Fußball-WM 2026 fast mehr als verdoppeln. Weil zwischen den Spielorten kein Hochgeschwindigkeitsbahnnetz existiert, sind Flugreisen die einzige Option – für Fans und Mannschaften. Die FIFA versprach 50 Prozent weniger Emissionen bis 2030. Gemessen am kommenden Turnier wird die Organisation dieses Ziel definitiv nicht einhalten können.

Die FIFA hätte das Turnier aus Klimasicht so nie vergeben dürfen, sagt Abu-Omar: „Das ergibt überhaupt keinen Sinn, dadurch werden die Flugstrecken, die die Teams und Fans zurücklegen müssen, natürlich extrem lang. Aus Klimasicht müssen die Austragungsorte der Spiele möglichst nah beieinanderliegen, sodass Fans und auch die Teams mit öffentlichen Verkehrsmitteln diese Wegstrecken zurücklegen können.“

Insights aus dem DFB-Team!

Alles an einem Platz: der DFB-Newsletter.
Alles an einem Platz: der DFB-Newsletter. © Imago / Absolut Fussball

Seien Sie näher am DFB-Team dran als je zuvor! Unser DFB-Newsletter versorgt Sie rund um die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit den wichtigsten News und liefert Ihnen außerdem Videos, Reportagen und exklusive Interviews direkt und ganz bequem in Ihr Postfach.

Sind Sie dabei?

Jetzt zum DFB-Newsletter anmelden

All unsere Inhalte, Videos, Grafiken, Statistiken und vieles mehr gibt es auch auf absolutfussball.com.

Wer die Zahlen kennt, versteht: Das ist kein Versehen – das ist System

„Diese WM, die jetzt da kommt, da schert sich niemand um Nachhaltigkeit. Wenn ich noch da wäre, wäre das nicht passiert.“ Eine Aussage von Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter, die aufhorchen lässt. Gegenüber dem ZDF spricht er davon, dass die Organisation diese WM und auch die anderen Wettbewerbe nicht mehr mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Blatter, der mittlerweile 90 Jahre alt ist, war während seiner Karriere maßgeblich daran beteiligt, dass bei der FIFA überhaupt einmal ein Nachhaltigkeitsversprechen formuliert wurde.

Man mag von Blatter halten, was man möchte. Korruption, Skandale und andere Intrigen prägten seine Amtszeit. Doch schaut man sich die nackten Zahlen an, kann man seinen Aussagen nur zustimmen. Die SGR geht davon aus, dass mehr als doppelt so viel CO₂ ausgestoßen werden könnte wie bei den vergangenen Turnieren.

Zudem fehlt es an Transparenz: Die FIFA veröffentlichte keinen Nachhaltigkeitsbericht zur WM 2022 und keine vollständige Nachhaltigkeitsstrategie für die Fußball-WM 2026. Eine Anfrage der Redaktion blieb unbeantwortet. Apropos 2022: Für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar warb der Weltverband mit Aussagen wie „vollständig klimaneutrales Turnier“ und „emissionsarme Transportmittel“ – das Landgericht Berlin stufte diese Äußerungen als irreführend und unzulässig ein. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig – jedoch ein klarer Schritt gegen Greenwashing.

Was ist Greenwashing?

Greenwashing heißt: Ein Unternehmen oder eine Organisation gibt sich über Marketing oder Kommunikation ein „grünes“ oder umweltfreundliches Image. Bei der FIFA richtet sich der Vorwurf hauptsächlich gegen große Klimaversprechen ohne genug überprüfbare Nachweise.

Der Stellenwert des Klimaschutzes ist bei der FIFA gering. Abu-Omar sagt dazu: „Das Ziel der FIFA ist, durch die WM möglichst viel Geld einzunehmen. In dieser Logik ist auch zu sehen, dass diese WM mit 48 teilnehmenden Teams so groß ist wie noch nie. Bei der Planung des Turniers spielen Klima und Umwelt nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich wird die FIFA diese Aussage bestreiten, aber Klima- und Umweltschutz spielen für die FIFA leider nur dann eine Rolle, wenn die Gewinnmitnahmen dadurch nicht gefährdet werden.“

Die FIFA hatte regelmäßige Fortschrittsberichte zur Klimastrategie versprochen. Erschienen ist bisher keiner. Auf Nachfrage der Redaktion hat sich der Weltfußballverband nicht dazu geäußert. Was die FIFA aber macht: weiterhin Sponsoring mit Ölkonzernen (Saudi Aramco, weltweit größter CO₂‑Emittent der Erde) und Fluggesellschaften wie Qatar Airways. Abu-Omar hat auch hierzu eine klare Meinung: „Und natürlich passt es zu einer solchen WM auch nicht, dass sie gesponsert wird von Konzernen der fossilen Brennstoffindustrie.“

Wenn der Rasen brennt: Klimarisiken vor Ort

Während die FIFA Versprechen macht, steigen die Temperaturen. Die WM 2026 schadet dem Klima, doch das Klima schadet auch der WM. Eine Studie des Fachmagazins Nature sieht bei 10 von 16 WM-Stadien ein sehr hohes Risiko für extreme Hitzebelastung. Die Studie vom New Weather Institute geht noch stärker ins Detail: Acht von 16 Stadien benötigen sofortige Umweltmaßnahmen.

Spielplan zur Fußball WM 2026 

Zum Ausfüllen & Mitfiebern: alle Partien aller Gruppen im kompakten Überblick.
Laden Sie sich den Spielplan zur Fußball WM jetzt kostenlos herunter.

Vorschaubild für einen Spielplan zur Fußball WM 2026 zum kostenlosen Download
Jetzt Spielplan herunterladen © IPPEN.MEDIA

Die FIFA teilte auf eine Sportschau-Anfrage mit, man nehme Hitze ernst und verwies auf mehr „Abkühlungspausen“; für die WM sei man „offen für Vorschläge der Stakeholder“ – Anstoßzeiten wurden dabei explizit nicht genannt. Die sogenannten Abkühlungsphasen werden von der FIFA gezielt für Werbepausen in den Stadien und den Übertragungen genutzt – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schon bei den Klubweltmeisterschaften 2025 wurden in manchen späteren WM-Stadien Temperaturen von bis zu 41 °C gemessen. Die elf Spielorte in den USA liegen zudem in verschiedenen Klimazonen. Die wechselnden Bedingungen belasten die Gesundheit der Spieler zusätzlich.

Abu-Omar sieht die Gefahren. Er warnt auch die Fans im Stadion: „Ich denke, für die Spieler steigt die Gefahr eines Hitzschlags oder anderer negativer gesundheitlicher Folgen, bleibt aber trotzdem recht gering. Die Spieler sind ja alle in einem hervorragenden Fitnesszustand und häufig auch Hitze gewohnt. Dazu kommt eine exzellente medizinische Betreuung. Problematischer ist das für die Fans, die zum Teil diese Temperaturen nicht gewohnt sind, zum Feiern kommen und das vielleicht gar nicht so ernst nehmen mit der Hitze. Da sehe ich eher eine Gefahr, gerade auch wenn gleichzeitig zur Hitze die Luftfeuchtigkeit hoch ist.“

FIFA verspricht Klimaschutz – und liefert keine Belege

Die FIFA spricht von Klimaschutz, doch die Nachweise bleiben umstritten oder fehlen. Ob FIFAs Nachhaltigkeitsstrategie glaubwürdig ist, lässt sich anhand der fehlenden Transparenz und der dokumentierten Kritik klar bezweifeln. Um Großereignisse klimaverträglicher zu machen, müsste die FIFA Grundlegendes ändern. Ein Vorschlag von Abu-Omar lautet, die WM „konsequent schrumpfen“ zu lassen.

TV-Guide zur Fußball-WM 2026

Welcher Sender überträgt welche Partie während der Fußball-WM 2026? Dieser TV-Guide gibt Ihnen einen schnellen Überblick.
Laden Sie sich den TV-Guide als PDF jetzt herunter

Vorschaubild für einen TV-Guide für die Fußball-WM 2026 als kostenloser Download
Laden Sie sich den TV-Guide jetzt herunter © IPPEN.MEDIA

Die WM 2026 wird ein Fest. Und sie wird ein Stresstest – für das Klima und für die Glaubwürdigkeit der FIFA. Denn die großen Ziele klingen gut, doch ohne öffentliche Berichte und überprüfbare Zwischenstände bleiben sie schwer nachprüfbar.

Kommentare

$Teilen