Šimić im exklusiven Interview: „War mit Thomas Müller in der Hausaufgabenbetreuung“
Julia Šimić gewann als Spielerin mit dem FC Bayern den DFB-Pokal. Im exklusiven Interview mit Absolut Bayern schwärmt sie von der Münchner Saison.
Die 37-Jährige kennt Thomas Müller aus der vereinsinternen Hausaufgabenbetreuung, hatte kurz Angst vor Oliver Kahn und ist großer Fan von Vincent Kompany. Im Gespräch mit Absolut Bayern teilt sie noch weitere Anekdoten aus ihrer Zeit beim FC Bayern und als TV-Expertin bei Sky. Šimić hat neun Jahre für die Bayern gespielt und dort einiges erlebt.
Frau Šimić, was war Ihr persönliches Highlight dieser Bundesliga-Saison?
Ein Highlight war definitiv die Art und Weise, wie Bayern München in dieser Saison aufgetreten ist. Nicht nur die fußballerische Qualität und die Konstanz waren beeindruckend, sondern auch die Ruhe, die der Verein ausgestrahlt hat. In den vergangenen Jahren habe ich Bayern oft als Klub wahrgenommen, in dem viel Unruhe und viele Nebengeräusche vorhanden waren. Diese Saison war dagegen bemerkenswert stabil und klar – und genau das hat mich beeindruckt.

Wie haben Sie Kompany wahrgenommen?
Ich glaube, dass Vincent Kompany daran einen großen Anteil hat. Seit seinem Amtsantritt hat er es geschafft, Bayern wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Die Mannschaft wirkt gefestigt, spielt attraktiven Fußball und tritt insgesamt sehr geschlossen auf. Das ist ein großes Verdienst des Trainers.
Bayern spielte im Rückspiel gegen Paris Saint-Germain 1:1, schied aber dennoch aus. Hat Sie das überrascht?
Nein, überrascht hat mich das nicht. Ich war selbst im Stadion und habe das Spiel live verfolgt. Es war eine Partie auf absolutem Top-Niveau zwischen zwei Mannschaften, die sich auf Augenhöhe begegnet sind. Solche Spiele werden oft durch Kleinigkeiten entschieden – und genau so war es auch diesmal.
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Sind Sie dabei?
Waren also individuelle Faktoren ausschlaggebend?
Teilweise schon. Vielleicht gab es auf Pariser Seite den einen oder anderen Spieler, der in diesem Moment noch einen Tick weiter war. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Paris zuletzt bereits große Titel gewonnen hat. Diese Erfahrung kann in entscheidenden Momenten den Unterschied machen. Auch Luis Enrique hat als Trainer bereits mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften zu großen Erfolgen führen kann. Ich glaube, dieser Erfahrungsvorsprung war letztlich ein kleiner Vorteil für Paris.
Wie haben Sie Vincent Kompany direkt nach dem Spiel erlebt?
Das betrachte ich natürlich auch mit den Augen einer Trainerin. Niederlagen auf diesem Niveau tun weh – das kenne ich selbst aus meiner Karriere. Jeder verarbeitet solche Momente anders. Umso beeindruckender fand ich, wie Kompany unmittelbar nach dem Spiel aufgetreten ist. Vor den Medien wirkte er gefasst, reflektiert und gleichzeitig fokussiert auf die Zukunft. Er sagt selbst, dass er Niederlagen nicht lange nachhängt. Genau diese Fähigkeit, nach einem Rückschlag schnell wieder nach vorne zu blicken, halte ich für eine große Trainerstärke. Auch ich war nach dem Spiel enttäuscht. Auf der Heimfahrt habe ich mir noch einige Interviews von Spielern und Kompany angesehen. Die Art und Weise, wie sie die Niederlage eingeordnet haben, fand ich sehr bemerkenswert. Trotz der Enttäuschung vermittelten sie ein starkes Gefühl von mannschaftlicher Geschlossenheit.
Ihr Fazit zur Saison?
Die Saison war insgesamt sehr erfolgreich. Natürlich wird Bayern immer an Titeln gemessen. Aber für mich zählt auch, wie eine Mannschaft auftritt und welchen Eindruck sie hinterlässt. Und da hat Bayern in dieser Saison vieles richtig gemacht. Ich glaube, dass die Mannschaft nicht nur sportlich überzeugt hat, sondern auch viele Fußballfans in Deutschland und darüber hinaus für sich gewinnen konnte.
Sie sind nicht nur Trainerin, sondern auch TV-Expertin. Gibt es einen besonderen Moment, an den Sie sich erinnern?
Da gibt es einige – lustige, aber auch mal angespannte. Ein Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Oliver Kahn kam während einer Sendung zu unserem Tisch. Damals befand sich Bayern in einer eher turbulenten Phase, und plötzlich entwickelte sich eine Diskussion über das berühmte „Mia san mia“ – gemeinsam mit Lothar Matthäus. Das war einer dieser Momente, in denen mein Puls kurz spürbar nach oben gegangen ist.
Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Das war, glaube ich, in meiner ersten oder zweiten Saison. Ich war noch recht neu und noch recht jung dabei. Und ich muss sagen: Ich habe eigentlich keine Berührungsängste – egal, wer am Tisch steht. Das ist meistens fluffig, launig und eher positiv. Aber da hatte ich das Gefühl: Wenn Oliver Kahn an den Tisch kommt, löst das bei mir schon etwas aus. Es war angespannt – gerade weil er in dem Fall so muffelig an den Tisch kam. Da hast du gemerkt: Da musste was raus – und dann ist es auch rausgeplatzt.
Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Das war in meiner ersten oder zweiten Saison als TV-Expertin. Ich war noch relativ neu in dieser Rolle. Grundsätzlich habe ich keine Berührungsängste – egal, wer an unseren Tisch kommt. Die Gespräche sind meist sehr wertschätzend und angenehm. In diesem Moment war die Stimmung allerdings spürbar angespannt. Oliver Kahn kam sehr entschlossen an den Tisch, und man merkte sofort, dass ihn etwas beschäftigte. Da wusste ich: Jetzt entwickelt sich ein Gespräch, bei dem viel Emotion und Spannung in der Luft liegen. Solche Situationen gehören dazu, bleiben aber in Erinnerung.
Gab es noch einen ähnlichen Moment?
Ja, ein vergleichbarer Moment war ein Interview mit Thomas Tuchel. Er beantwortete nur sehr wenige Fragen, legte das Mikrofon relativ schnell wieder ab und ging. Man muss dazu sagen, Bayern hatte soeben den Klassiker gegen Dortmund gewonnen, allerdings gab es im Vorfeld scheinbar einige Aussagen der Medien, die Thomas Tuchel nicht gefallen haben. In solchen Situationen bleibt man eher mit dem Gefühl zurück, dass das Gespräch eigentlich noch gar nicht richtig begonnen hatte. Aber man arbeitet mit Menschen zusammen, die zum Teil um ihren Job kämpfen, Träume platzen, das Stresslevel ist extrem hoch in gewissen Situationen. Da gibt es viele Momente, wo eine gewisse Empathie gefordert ist.

Aber es gab sicher auch viele schöne Erlebnisse?
Absolut. Ein besonderer Moment war der Abschied von Thomas Müller in der Allianz Arena – inklusive Meisterfeier und Schalenübergabe. Ich kannte Thomas Müller seit der Hausaufgabenbetreuung beim FC Bayern in der Jugend und wir sind derselbe Jahrgang. Seine gesamte Karriere über viele Jahre hinweg zu verfolgen und dann bei seinem letzten Heimspiel direkt am Spielfeldrand dabei zu sein, war irgendwie besonders. Generell hat jedes Topspiel seinen eigenen Reiz. Besonders fühlt sich natürlich auch die Zusammenarbeit mit dem Sky-Team an. Bei der gemeinsamen Spielvorbereitung im Bus mit Lothar Matthäus, Wolff Fuß und Sebastian Hellmann sind viele spaßige Momente dabei. Wir sind über die Jahre auch irgendwie ein eingespieltes Team geworden. Die Vorbereitung auf die Spiele macht großen Spass. Und natürlich gibt es auch kleine Running Gags: Lothar hat beispielsweise die Angewohnheit, sich vor jeder Sendung Schokokekse aus einer Dose zu holen – und dabei eine ganz spezielle Schütteltechnik, um den einen Keks an die Oberfläche zu bringen. Das ist inzwischen fast schon eine eigene „Lothar-Matthäus-Gedächtnis-Technik“ geworden.
Absolut Fussball ist die Fußball-Marke des IPPEN.MEDIA-Redaktionsnetzwerks (tz, Münchner Merkur, Frankfurter Rundschau etc.). Das Interview führte Magdalena Schwaiger.