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Traditionsverein KFC Uerdingen steht endgültig vor dem Aus: Club leitet Eigenverwaltungsverfahren ein

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Von: Mick Oberbusch

Der noch-KFC-Präsident Mikahil Ponomarev bei einer Pressekonferenz
Präsident Mikhail Ponomarev wird dem KFC Uerdingen zum Saisonende den Rücken kehren. © Guido Kirchner/picture alliance

Der KFC Uerdingen steht endgültig vor dem Aus: Wie der Traditionsverein am Donnerstag erklärte, sei ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet.

Update vom 21. Januar 2021, 17:25 Uhr: Fußball-Drittligist KFC Uerdingen hat ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Der vor kurzem als Präsident beim Club zurückgetretene Mikhail Ponomarev bezeichnete dies als „optimale Lösung, um die Zukunft des KFC Uerdingen zu sichern“. Zum Saisonende wird sich der 2016 eingestiegene Ponomarev auch aus seinem Investoren-Engagement zurückziehen. Das Verfahren wird nach Angaben des Vereins keine Auswirkungen auf den laufenden Spielbetrieb haben. Bei einem Eigenverwaltungsverfahren ist der Club im Gegensatz zu einem Insolvenzverfahren noch in der Lage, selbst zu handeln.

Ponomarev, der mehrere Millionen in den Verein investiert hat, hatte Anfang Dezember seinen Rückzug zum Saisonende angekündigt. Bis zum 1. März muss die Lizenz für die 3. Liga beantragt werden. Sollte bis dahin kein Investor gefunden worden sein, werden die Uerdinger wohl eine Klasse tiefer antreten müssen. Sogar eine mögliche Insolvenz des früheren Bundesligisten steht im Raum.

Traditionsverein KFC Uerdingen steht endgültig vor dem Aus – Ponomarev als Präsident zurückgetreten

Update vom 14. Januar 2021, 15:40 Uhr: Nach seinem Rückzug als Investor wird Mikhail Ponomarev das Amt als Präsident des KFC Uerdingen frühzeitig niederlegen. Gegenüber der Rheinischen Post bestätigte der 46-Jährige: „Ich habe den Verwaltungsrat über den Rücktritt persönlich und schriftlich informiert“. Weiter sagt Ponomarev: „Ja, wir werden noch versuchen zu helfen, aber spätestens am 20. Januar ist für uns Schluss“.

Der russische Unternehmer war ein Jahr nach seinem Einstieg als Investor im Juni 2016 auch zum Präsidenten des KFC gewählt worden. Damit endet das unrühmliche Kapitel zwischen Ponomarev und dem Drittligisten aus Krefeld nun wohl endgültig. (os)

Mit großen Ambitionen gestartet – doch jetzt steht Traditionsverein KFC Uerdingen endgültig vor dem Aus

Erstmeldung vom 13. Januar 2021:

Köln – Kevin Großkreutz (Weltmeister von 2014), Dominic Maroh und Adam Matusychk (ehemals 1. FC Köln) – es waren durchaus prominente Namen, die Mikhail Ponomarev in der Vergangenheit immer wieder zum KFC Uerdingen lotsen konnte. Mit der Vision einer goldenen Zukunft, der Absicht, in der Dritten Liga höchstens für wenige Jahre zu bleiben. Seit 2016 trieb Ponomarev „sein“ Projekt voran, doch in den vergangenen Jahren stagnierte die Entwicklung. Weshalb sich der KFC-Boss im Dezember 2020 entschied, seine Anteile künftig zur Verfügung zu stellen – und sich beim Drittligisten herauszuziehen.

KFC Uerdingen: Nach finanziellem Engagement von Präsident Ponomarev: Steht der Verein vor dem Aus?

Damit steht der Traditionsverein vor dem Aus – weil sich niemand findet, der die Anteile Ponomarevs übernehmen will. Darüber informierte der Noch-Präsident kürzlich auf einer Infoveranstaltung des KFC. „Der KFC ist kein attraktives Investment. Was haben wir schon? Eine Drittliga-Lizenz. Das ist alles“, erklärte der 46-Jährige, um den Finger gleich noch tiefer in die Wunde zu legen: „Unsere Kostenstruktur sieht so aus, dass wir keinerlei Geldzufluss von außerhalb haben.“ Allein um sich ansatzweise in der Dritten Liga halten zu können, seien nach Kicker-Informationen allerdings drei bis vier Millionen Euro nötig. „Wer will das zahlen? Niemand“, erklärte er während der Veranstaltung.

Der am Saisonende scheidende Präsident wird dem KFC nicht mehr finanziell unter die Arme greifen, soviel steht fest – gibt stattdessen eine Empfehlung für das weitere Handeln. Denn selbst bei einem Klassenerhalt (aktuell ist man 10. in der Tabelle) dürfte die Finanzierung der Drittliga-Lizenz für die kommende Spielzeit ein schweres Unterfangen werden. „Meiner Meinung nach muss es zurück in die Regionalliga gehen“, sagte er – und gesteht sich damit ein, dass das 2016 noch mit einer unglaublichen Euphorie gestartete Projekt endgültig gescheitert ist.

Wir tun alles dafür, dass der Verein in der höchstmöglichen Spielklasse erhalten bleibt

Niko Weinhart, Geschäftsführer KFC Uerdingen

KFC Uerdingen nach Ponomarev-Rückzug: Dringende Suche nach neuem Investor

Bei den übrig gebliebenen KFC-Vorstandsmitgliedern gibt man sich noch kämpferisch – wohl wissend um die große Herausforderung, die auf den Klub zukommt. „Wir tun alles dafür, dass der Verein in der höchstmöglichen Spielklasse erhalten bleibt“, sagte Geschäftsführer Niko Weinhart und bat eindringlich um die Unterstützung eines Investors. Und auch wenn diese Bitte angesichts der finanziellen Probleme beim KFC alternativlos scheint: So richtig scheint in Uerdingen aus dem Ponomarev-Theater in den vergangenen Jahren niemand gelernt zu haben. (mo)

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