Schlagerlegende Howard Carpendale wehrt sich gegen Musikbranche: „Das nervt mich ohne Ende“
Howard Carpendale hat genug: Der Schlagerstar erklärt im Interview, warum er bei bestimmten Forderungen in der Musikbranche eine deutliche Grenze zieht.
München – Howard Carpendale (79) zählt zu den ganz großen Namen der deutschen Schlagerszene. Mit Hits wie „Ti amo“ und „Hello Again“ eroberte der gebürtige Südafrikaner die Herzen von Millionen Fans. Ein halbes Jahrhundert steht er bereits auf der Bühne. Doch hinter der Erfolgsgeschichte verbirgt sich mittlerweile eine tiefe Enttäuschung über die Veränderungen in seiner Branche.

Im Gespräch mit Ippen.Media macht Howard Carpendale seinem Ärger Luft. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben deutliche Spuren hinterlassen. „Am meisten die Tatsache, dass der Streaming-Bereich versucht, uns zu erzählen, wie wir Musik zu machen haben – das nervt mich ohne Ende“, so der Schlagersänger. Die Vorgaben seien absurd: „Ich habe 50 Jahre lang meine Musik selber gemacht und jetzt kriege ich gesagt: ‚Die Titel sollen nicht über zwei Minuten lang sein, das Intro soll nicht länger als sechs Sekunden sein, bitte keine Gitarren …‘“, erzählt er und betont: „Alles Quatsch! Das Spielchen mache ich nicht mit.“
Schlagerstar Howard Carpendale: Alben „lohnen sich einfach nicht mehr“
Der Vater von Schauspieler Wayne Carpendale (48) lässt sich nicht bevormunden und sieht düstere Zeiten voraus. „Ich glaube, es wird kein Album mehr geben in sehr baldiger Zeit – die lohnen sich einfach nicht mehr“, erklärt Howard Carpendale. Als Begründung verweist er auf die gesunkenen Anforderungen: Während früher 250.000 verkaufte Exemplare für eine goldene Schallplatte nötig waren, liege die Schwelle heute bei nur noch 70.000 Stück.
Auch in einem früheren Interview mit der Zeitschrift SuperIllu fand Howard Carpendale klare Worte. „Die Branche war schon immer ein Geschäft. Früher stand jedoch die Kreativität im Vordergrund. Heute geht es in erster Linie um Geld. Und das nervt mich“, sagte der 79-Jährige. Er selbst habe seinen Manager noch nie nach dem Honorar für einen Auftritt gefragt. „Natürlich ist es wichtig, was man verdient, aber ich wollte in erster Linie immer eine gute Show bieten.“
Doch die Kommerzialisierung hat noch weitreichendere Folgen. Besonders am Herzen liegt Howard Carpendale, der jüngst auf eine gefälschte Todesmeldung reagierte, der Nachwuchs. Gegenüber Ippen.Media erklärt er: „Mich ärgert ein bisschen, dass ein paar sehr reiche Leute Streaming benutzen, um noch reicher zu werden, und kreative Menschen – und ich meine die jungen Menschen, die davon träumen, in dieser Branche aktiv zu sein – haben keine Chance mehr.“ (sk) Verwendete Quellen: Interview mit Ippen.Media, SuperIllu (45/2024)