Zeitumstellung: EU-Abschaffung eigentlich schon längst beschlossen – aber eine Frage hält alles auf

Aktualisiert:

Von: Helmi Krappitz

Die EU wollte das Ende der Zeitumstellung längst beschlossen haben – doch noch immer drehen wir im Frühjahr und Herbst an der Uhr. Warum passiert nichts?

München – In der EU werden die Uhren zweimal im Jahr umgestellt – im Frühjahr um eine Stunde nach vorne und im Herbst um eine Stunde zurück. Am 26. Oktober steht die nächste Umstellung bevor. Seit Jahren zeigen Umfragen, dass die Regelung zur Sommerzeit in Europa wenig Anklang findet. Aus diesem Grund startete die EU-Kommission 2018 eine Online-Befragung. Von den 4,6 Millionen Teilnehmenden, darunter rund drei Millionen aus Deutschland, sprachen sich 84 Prozent für ein Ende der Zeitumstellung aus. Die Mehrheit plädierte dabei für eine dauerhafte Sommerzeit. Dennoch kommt die Umsetzung einer neuen Regelung bislang nicht voran.

Zeitumstellung
Am 26. Oktober wird die Uhr eine Stunde zurückgestellt. © IMAGO/Zoonar.com/Stefan Ziese

Im Anschluss an die Befragung schlug die Kommission vor, die halbjährliche Umstellung abzuschaffen. Das EU-Parlament unterstützte diesen Vorstoß und wollte die Praxis bereits 2021 beenden. Doch die Einführung erwies sich als komplexer als erwartet. Die Mitgliedsstaaten sollten sich – in Abstimmung mit ihren Nachbarländern – entscheiden, ob sie dauerhaft die Sommer- oder die Normalzeit beibehalten, berichtet der SWR. Hier gehen die Positionen auseinander: Während einige Länder eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen, sprechen sich andere für die Winterzeit aus. Staaten wie Portugal und Griechenland möchten hingegen am bisherigen System festhalten.

Neue Regelung zur Zeitumstellung: EU-Staaten sind sich nicht einig

Aktuell wartet die Kommission auf eine klare Haltung des Rates. Erst wenn dieser eine Position bezieht und die Richtlinie offiziell verabschiedet ist, sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, ihre Standardzeit festzulegen. Seit 2019 hat der Rat das Thema nicht mehr behandelt. Bis heute fehlt die notwendige Zustimmung aller 27 Mitgliedsländer. Hinzu kommt, dass es keine einheitliche Linie darüber gibt, welche Zeit dauerhaft gelten soll.

Technisch gesehen ist die Zeitumstellung unproblematisch. In Deutschland gewährleisten die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig die exakte Zeit, deren Signale Funkuhren automatisch übernehmen. Auch für die Deutsche Bahn ist der Wechsel Routine. Eine einheitliche Uhrzeit gibt es in Deutschland übrigens erst seit 1893, mit der Einführung der Mitteleuropäischen Zeit. Während der beiden Weltkriege wurde zeitweise die Sommerzeit eingeführt, um das Tageslicht besser auszunutzen. Nach 1950 wurde sie zunächst abgeschafft, kehrte jedoch in der Ölkrise der 1970er-Jahre zurück, um Energie einzusparen. Seit 1996 gilt in der gesamten EU eine einheitliche Sommerzeitregelung.

Kritik von Befürwortern und Gegnern der Sommerzeitregelung

Kritiker, so die Tagesschau, bemängeln außerdem, dass mögliche Folgen einer Reform unzureichend untersucht seien. Es wird befürchtet, dass ein Flickenteppich unterschiedlicher Zeitzonen entstehen könnte – mit negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Alltag. Kritik gibt es auch von der anderen Seite. Die Zeitumstellung könnte gesundheitlichen Folgen haben: Der zweimal jährlich auftretende „Mini-Jetlag“ bringe den Biorhythmus durcheinander, was zu Schlafproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten führen könne. Laut einer DAK-Umfrage klagten 27 Prozent der Befragten über gesundheitliche Beschwerden.

Zeit-Reform: Forderung nach Umsortierung der Zeitzonen in der EU

Manche Stimmen gehen sogar noch einen Schritt weiter und plädieren für eine grundlegende Neuordnung der Zeitzonen innerhalb der EU. Dass sich die Abschaffung der Zeitumstellung so lange hinzieht, sei wenig überraschend. Korbinian von Blanckenburg, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), sieht die Gründe in zwei zentralen Punkten: Zum einen umfasse die europäische Zeitzone ein riesiges Gebiet – von der Westküste Spaniens bis zur östlichen Grenze Polens. Zum anderen fehle eine Einigung darüber, ob künftig die Sommer- oder die Normalzeit gelten soll, wie er in einer Pressemitteilung erläutert.

Damit jedes Land das Tageslicht optimal nutzen könne, müsse man über das reine Beibehalten oder Abschaffen der Umstellung hinausdenken. „Wir brauchen eine Neusortierung der Zeitzonen“, erklärt von Blanckenburg. „Länder östlich von Deutschland wechseln in die Zeitzone ‚GMT +2‘. Und Spanien wechselt in die ‚GMT‘ und wäre damit in derselben Zeitzone wie Portugal oder Großbritannien.“ Dies, so seine Einschätzung, würde allen Beteiligten Vorteile bringen. „Wann und ob eine Neuregelung kommt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wie man es auch dreht und wendet, sie ist längst überfällig.“ (Quellen: Europäische Union, SWR, Tagesschau) (hk)

Kommentare

$Teilen