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Experte warnt vor „falscher Sicherheit“: Corona-Schnelltests offenbar nicht wetterfest

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Von: Patrick Huljina

Corona-Tests sollen im Alltag für Sicherheit sorgen. Doch es gibt Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen können. Experten raten daher zur Vorsicht.

Berlin - Omikron hat für eine neue Welle der Corona*-Pandemie gesorgt. In vielen Ländern weltweit steigen die Infektionszahlen rasant an. Ein Rekordwert jagt den nächsten. Am Mittwoch (12. Januar) meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) auch für Deutschland einen neuen Höchstwert bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen. Aufgrund der Entwicklungen rückt die Teststrategie nun einmal mehr in den Fokus. Die Bundesregierung will etwa ein vorzeitiges Freitesten aus der Quarantäne nicht nur mit PCR-Tests, sondern auch mit „hochwertigen“ Antigentests ermöglichen. Doch die haben Grenzen.

Corona-Schnelltests: „Ein Freitesten nur mit Antigentest, das geht nicht“

„Ein Freitesten nur mit Antigentest, das geht nicht“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Andreas Bobrowski, der Deutschen Presse-Agentur. Bisherige Erkenntnisse zeigen: Besonders bei geringerer Viruslast schlagen Antigentests, zu denen etwa Selbst- und Schnelltests* gehören, oft nicht an. Er halte ein solches Freitesten für ein problematisches Signal, erklärte Bobrowski und erklärt: „Die Tests wären nach wenigen Tagen quasi alle negativ und man würde den Menschen eine falsche Sicherheit zeigen. Da muss man ganz zurückhaltend sein.“

Die Viruslast falle speziell bei Omikron insbesondere bei Geimpften tendenziell recht schnell ab. Der Unterschied bei der Zuverlässigkeit aller Antigentests sei insbesondere bei asymptomatischen Corona-Infektionen im Vergleich zum PCR-Test also „ganz erheblich“, gab Bobrowski zu bedenken. Während die PCR-Tests nahezu immer korrekte Ergebnisse beim Nachweis von Corona-Infektionen* auch mit geringer Viruslast lieferten, falle bei asymptomatischen Verläufen mit geringer Viruslast nur bei etwa der Hälfte der Infizierten der Antigentest korrekt positiv aus, so der Experte. Ein negatives Antigentest-Ergebnis schließt eine Ansteckung daher nicht zwingend aus.

„Die Corona-Tests sind nicht wetterfest“: Experte fürchtet falsche Lagerung in Testzentren

Ein weiteres Problem der Schnelltests: die äußeren Bedingungen bei Transport und Lagerung. „Die Corona-Tests sind nicht wetterfest“, erklärte Maziyar Khatabaksh der Bild. Er ist Chief Risk Officer bei G&G International – einem Unternehmen aus Hannover, das dem Bericht zufolge bislang rund 20 Millionen Tests ausgeliefert hat. Bei der Lagerung der Schnelltests sollte eine Mindesttemperatur von zwei Grad Celsius nicht unterschritten werden, beim Test selbst sollten mindestens 15 Grad Celsius herrschen, erklärte der Experte.

Laut Khatabaksh werden diese Bedingungen bei schätzungsweise 60 Prozent aller Testzentren nicht erfüllt. Viele Corona*-Teststationen sind in einfachen Zelten oder Containern untergebracht. Gerade bei niedrigen Temperaturen im Winter ist die Gefahr der falschen Lagerung also gegeben. „Zu niedrige Temperaturen erhöhen die Viskosität der Flüssigkeit in der Testkassette. Das kann leicht zu falsch positiven Ergebnissen führen“, so der Experte. „Wenn Testpackungen dann noch nachts bei Frost gelagert wurden, müssten sie eigentlich vernichtet werden“, sagte Khatabaksh weiter.

Eine Mitarbeiterin macht einen Corona-Schnelltest bei einem Mann an einer Teststation auf dem Gelände einer Tankstelle.
Viele Corona-Teststationen sind in Containern oder Zelten untergebracht. © Christian Charisius/dpa

Corona-Schnelltests bei Omikron: Lauterbach kündigt „Positivliste“ an

Eine hundertprozentige Klarheit, ob man sich mit Corona* infiziert hat oder nicht, bieten Schnelltests ohnehin nicht. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verweist in einer Online-Übersicht darauf, dass Antigentests dafür auch nicht entwickelt worden seien, sondern vielmehr um Menschen mit einer sehr hohen Viruslast schnell und einfach zu identifizieren. Auch seitens des PEI heißt es: Eine Infektion, auch mit der Omikron-Variante, könnten die Tests nur entdecken, wenn zum Testzeitpunkt eine hohe Viruslast besteht.

Grundsätzlich kann laut PEI der Großteil der in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests aber Omikron erkennen. PEI-Präsident Klaus Cichutek erklärte zuletzt im ZDF-„Morgenmagazin“, dass man mittlerweile über 250 Test-Produkte auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent das Niveau erreichten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte eine „Positivliste“ für Schnelltests angekündigt, die Omikron gut erkennen* können. Die vom PEI genannten Daten seien ein Zwischenstand, erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Das Erstellen der kompletten Liste dauere an. Er bekräftigte, dass Schnelltests zwar keine hundertprozentige Gewissheit bieten, aber für mehr Sicherheit im Alltag sorgen können. (ph mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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