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RKI-Chef Wieler über Verlauf der Corona-Krise: „War klar, dass die Pandemie nicht mehr zu stoppen ist“

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Von: Tim Althoff

Lothar Wieler hörte schon 2019 von ersten Corona-Meldungen.
Lothar Wieler hörte schon 2019 von ersten Corona-Meldungen. © Jens Schicke via www.imago-images.de

Als RKI-Chef hat Lothar Wieler schon früh vom sich ausbreitenden Coronavirus gehört. Jetzt hat er erklärt, wie es trotzdem zur pandemischen Lage kommen konnte.

München - Als die meisten Menschen in Deutschland Anfang 2020 von dem neuartigen Coronavirus erfuhren, werden die meisten nur ein müdes Lächeln dafür übrig gehabt haben. „Ist doch nur Panikmache“, „Medien-Hype“ und das wird uns hier in Deutschland schon nicht erreichen. So ging wohl der Großteil der Bevölkerung unbesorgt durch die ersten drei Monate des Jahres. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), war zu dem Zeitpunkt schon längst in Alarmbereitschaft.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte er: „Wir sind schon Ende 2019 bei den ersten Meldungen aufmerksam geworden. Das Auftreten von unklaren Lungenentzündungen in Verbindung mit einem Fleischmarkt in China ist ja schon ein fast lehrbuchartiges Alarmsignal. Das haben wir sofort ernst genommen.“ Das Team um Wieler habe anschließend die chinesische Presse verfolgt und eine eigene Arbeitsgruppe für den neuen Erreger eingerichtet.

Coronavirus: Italien und Iran als Anfang vom Ende

So soll es sogar eine kurze Phase gegeben haben, in der die Hoffnung bestand, dass sich das Virus nicht weiter verbreiten würde. Schließlich habe man auch den ersten deutschen Fall in der Nähe von München zügig erkannt und gebändigt. „Als zwischenzeitlich niedrigere Fallzahlen aus China gemeldet wurden, hatten wir kurzzeitig die Hoffnung, dass der Ausbruch eingedämmt werden könnte.“ Erst Ende Februar 2020 soll der Pandemie-Verlauf nicht mehr zu stoppen gewesen sein. „Spätestens als wir den dramatischen Anstieg der Zahlen in Italien und Iran gesehen haben, war klar, dass die Pandemie nicht mehr zu stoppen ist.“

Jetzt wird uns das Coronavirus stetig begleiten, eine Ausrottung ist aufgrund seiner zoonotischen Natur - das heißt, dass es sich auch in Tieren verbreitet - nicht mehr denkbar, erklärte der RKI-Chef. Es würde laut Wieler jetzt darum gehen, eine Immunität von 80 Prozent in der Bevölkerung zu erreichen, um Covid-19 zu kontrollieren. Dies müsse durch Impfungen erreicht werden, selbst in diesem Jahr sei dies noch möglich. „Es wird auch weiterhin zu Erkrankungen kommen, aber in kleinerem, überschaubarem Maß. Wenn Ausbrüche entstehen, werden sie schnell eingedämmt werden können. Es wird damit keine unkontrollierten Wellen mit vielen Schwerkranken mehr geben.“

Coronavirus: Lothar Wieler warnt vor fehlender Impfbereitschaft

Die Aussichten sind also, sollte Deutschland das Impftempo halten können, durchaus positiv. Über 33 Millionen Menschen in Deutschland sind schon erstgeimpft, sogar fast zwölf Millionen haben schon den zweiten Stich bekommen. Erst über Pfingsten gab es einen kleinen Einbruch, am Pfingstmontag wurden lediglich 287.574 Menschen geimpft. Am Montag zuvor waren es noch über 540.000.

In den nächsten Tagen sollen die Zahlen allerdings wieder deutlich ansteigen. Wieler warnt jedenfalls: „Wenn die Menschen unvorsichtiger würden, und wenn die Impfbereitschaft fallen würde, dann könnte das Infektionsgeschehen wieder intensiver werden. Das ist ganz klar: Die Gefahr ist immer noch hoch.“ Bleibt zu hoffen, dass der Experte des RKI gehört - und nicht wie 2020 - belächelt wird. (ta)

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