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Nato verlegt AWACS-Jets von Deutschland an ukrainische Grenze – Bundeswehr beteiligt

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Von: Maximilian Gang

Die Nato verlegt AWACS-Aufklärungsflugzeuge nach Rumänien. Für gewöhnlich sind die Flugzeuge auf dem Nato-Flugplatz in Geilenkirchen (NRW) stationiert.

Köln – Fast ein Jahr ist es bereits her: Am 22. Februar 2022 startete Russland die Invasion in die Ukraine. Seitdem tobt dort ein Krieg, dessen Härte und Zerstörung im Verlauf der Monate zunehmend an Intensität hinzugewonnen hat. Zigtausende Menschen verloren bereits ihr Leben, und ein Ende des Konflikts erscheint aktuell nicht in Sicht. Im Angesicht der Entwicklungen hat die NATO nun mehrere Awacs-Flugzeuge von NATO-Airbase Geilenkirchen in ein ukrainisches Nachbarland verlegt: Rumänien.

NATO E-3A AWCS
Vollständige BezeichnungAirborne Early Warning and Control System
FlugzeugtypBoeing 707
Länge46,6 Meter
Höhe13 Meter
Flügelspanne44,4 Meter
Reichweite9.250 Kilometer
Flughöhe9.150 Meter
Maximales Startgewicht147.418 Kilogramm
Anzahl in der Flotte der NATO14
Bordbesatzung der Awacs16 Soldaten verschiedener NATO-Staaten (mehr als ein Drittel aus der Bundeswehr)
Quelle: Bundeswehr

Was bedeutet AWACS?

Der Name AWACS gibt dabei bereits die Funktion der Flugzeuge wieder: „Airborne Warning and Control System“, also ein fliegendes Radarsystem. Das spiegelt auch der Zweck wider, den die NATO für das Vorgehen angibt: „Die Flugzeuge sollen am 17. Januar ankommen und werden die verstärkte Präsenz des Bündnisses in der Region unterstützen und russische Militäraktivitäten überwachen“, heißt es in einer Mitteilung der Nato-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften.

Aufklärungsflugzeuge: AWACS können Luftraumbewegungen in großer Entfernung orten

Die AWACS-Jets E3 sind durch ihren pilzförmigen Radaraufbau in der Lage, Flugzeuge mit bis zu 400 Kilometern Entfernung zu orten und zu identifizieren. Der Radaraufbau befindet sich dabei auf dem Dach der E3, einer modifizierten Boeing 707. Damit können sie als fliegende Gefechtsleitstände eingesetzt werden, indem sie die Informationen an alle Flieger im Luftraum weitergeben können, die eine entsprechende technische Ausrüstung besitzen.

Dabei haben die fliegenden Warnsysteme eine beeindruckende Funktion, wie aus den Schilderungen der Nato-Sprecherin hervorgeht: „Unsere AWACS können Flugzeuge auf hunderte Kilometer Entfernung orten, was sie zu einer Schlüsselfähigkeit der Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie der NATO darstellt“.

NATO: Auch Soldaten der Bundeswehr nach Rumänien versetzt

Ein Awacs-Aufklärungsflieger der NATO fliegt durch die Luft
Besonders auffällig: Die Radar-Anlage auf dem Dach der Awac-Aufklärungsflugzeuge. (Archivbild) © Cynthia Vernat/dpa

Laut den Planungen sollen die Awacs auf dem Luftwaffenstützpunkt Otopeni ankommen, in der Nähe der rumänischen Hauptstadt Bukarest – und nur etwa 200 Kilometer entfernt von der Ostflanke der NATO an der ukrainischen Grenze. Bereits in Kürze sollen die Flugzeuge mit den Aufklärungsflügen starten, und dabei ausschließlich über Bündnisgebiet fliegen, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Der Einsatz soll mehrere Wochen dauern. Neben den Awacs-Fliegern werden zudem auch insgesamt 185 Soldatinnen und Soldaten nach Rumänien verlegt – darunter auch 43 aus Deutschland.

NATO-Ostgrenze: Wie tragen Bundeswehr-Soldaten der Bundeswehr zur Sicherheit bei?

► Auch vor der Stationierung von deutschen Soldaten in Rumänien war die Bundeswehr bereits maßgeblich an den NATO-Missionen zum Schutz der östlichen Bündnispartner beteiligt, wie die Bundeswehr erklärt. Die im Februar 2017 aufgestellte, multinationale NATO-Battlegroup, die für „verstärkte Präsenz“ vor Ort sorgen soll, steht aktuell beispielsweise unter deutscher Führung. Zudem wird dort aktuell ein Brigadefechtstand aufgestellt, in welchem Soldaten der Bundeswehr eingebunden sind.

► Nach dem Raketeneinschlag auf polnischem Gebiet hat Deutschland Unterstützung angeboten. Im Zuge dessen soll das Luftabwehrsystem PATRIOT bereitgestellt werden.

► Die Luftwaffe übernimmt im Wechsel mit anderen NATO-Staaten die Sicherung des Luftraums über Estland, Lettland und Litauen. Zudem werden turnusmäßig Eurofighter für die verstärkte Luftraumüberwachung im Baltikum bereitgestellt. Dafür sind aktuell 180 Soldatinnen und Soldaten und fünf Eurofighter Waffensysteme in Estland stationiert.

► Im Februar 2022 wurde kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die „Air Policing South“ zum Schutz des rumänischen Luftraums ins Leben gerufen. Auch daran ist die Luftwaffe beteiligt.

► Rund 14.200 Soldaten der Bundeswehr werden bis 2024 für die Eingreiftruppe NATO Response Force bereitgestellt. Insgesamt umfasst die Response Force rund 50.000 Kräfte der Land-, Luft- und Seestreitkräfte, Spezialkräfte sowie Unterstützungskräfte wie Sanitätsdienst und die Logistik. Bis Ende 2023 sind die deutschen Kräfte dafür noch der höchsten Stufe der Einsatzbereitschaft zugeordnet, das heißt: Sie müssen innerhalb von sieben Tagen verlegefähig sein.

Durch die Stationierung im Osten der NATO soll das Frühwarnsystem des Bündnisses im Angesicht des Konflikts gestärkt werden, wie NATO-Sprecherin Oana Lungescu erklärt. „Da der illegale russische Krieg in der Ukraine weiterhin Frieden und Sicherheit in Europa bedroht, darf kein Zweifel an der Entschlossenheit der Nato bestehen, jeden Zentimeter alliierten Territoriums zu schützen und zu verteidigen“, so die Sprecherin. „Ich danke Rumänien dafür, dass sie die Flugzeuge aufnehmen“.

Ukraine-Krieg: Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen bereits 2014

Damit setzt das Bündnis ihren Kurs seit Kriegsbeginn fort: „Als Antwort auf den russischen Krieg in der Ukraine hat die NATO ihre Luftpräsenz in Osteuropa durch zusätzliche Soldaten, Überwachungsflugzeuge und Tanker erhöht“, teilt das Bündnis mit. Bereits seit der Invasion im Februar 2022 haben NATO Awacs-Flugzeuge regelmäßige Patrouillen über Osteuropa und den Ostseeregionen durchgeführt, um die Bewegung von russischen Kriegsflugzeugen in der Nähe der NATO-Grenze zu verfolgen. Damit werden Ziele der NATO aus einem Strategiepapier verfolgt, die im Zuge des Ukraine-Kriegs an Bedeutung gewonnen haben:

Doch die ersten Sicherheitsmaßnahmen der NATO gehen bereits weiter zurück: Das Bündnis begann schon 2014, in der Folge der Annexion der Krim durch Russland, mit dem „Enhanced Air Policing“. Ziel dabei ist es, den „Schutz und die Integrität des NATO-Luftraumes an den Außengrenzen sicherzustellen“, so die Bundeswehr. „Alle Maßnahmen haben einen rein defensiven Charakter und dienen der Rückversicherung der ost- und südosteuropäischen NATO-Mitglieder“.

NATO-Airbase Geilenkirchen: AWACS-Aufklärungsflieger kommen aus Nordrhein-Westfalen

Dabei ist besonders Russland im Fokus des Bündnisses: „Die Russische Föderation ist die größte und unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit der Verbündeten und für Frieden und Stabilität im euro-atlantischen Raum“, heißt es in dem Strategiepapier. Im Rahmen des „Enhanced Air Policing“ waren zuvor bereits Eurofighter-Kampfjets aus Deutschland in den rumänischen Lufträumen unterwegs. Aktuell sind solche Kampfflugzeuge auch in Nordrhein-Westfalen stationiert, sie waren jedoch nicht an den Einsätzen beteiligt. Auch die Awac-Flieger sind normalerweise in Deutschland stationiert.

Seit bereits fast 40 Jahren sind die insgesamt 14 Aufklärungsflugzeuge auf der NATO-Airbase Geilenkirchen bei Aachen stationiert. Zuvor waren die Awacs beispielsweise schon im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat sowie bei Afghanistaneinsätzen im Gebrauch. Nun wird sich die Flotte vor Ort in Nordrhein-Westfalen für einige Zeit verringern.

Wie viele Flugzeuge der Flotte an die NATO-Ostgrenze verlegt werden, teilte das Bündnis jedoch nicht mit. Laut Informationen aus Militärkreisen sollen jedoch drei Flieger für die Verlegung vorgesehen sein, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Der Standort in Geilenkirchen ist dabei einer von zahlreichen Bundeswehr-Standorten in NRW, nur drei davon sind Militärflugplätze.

Bundeswehr & NATO: Militärflugplätze in Nordrhein-Westfalen

NATO: Aufklärungsflieger mit beeindruckender Funktion

Dabei haben die fliegenden Warnsysteme eine beeindruckende Funktion, wie aus Lungescus Schilderungen hervorgeht: „Unsere Awacs können Flugzeuge auf hunderte Meter Entfernung orten, was sie zu einer Schlüsselfähigkeit der Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie der NATO darstellt“. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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