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An welchen Standorten der Eurofighter Typhoon in Deutschland stationiert ist

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Von: Nils Bothmann

Ein Kampfflugzeug vom Typ Eurofighter Typhoon der Luftwaffe startet auf dem Fliegerhorst Wittmundhafen vor der aufgehenden Sonne
Der Kampfjet Eurofighter Typhoon ist derzeit an vier deutschen Fliegerhorsten stationiert © Hauke-Christian Dittrich/dpa

An vier Fliegerhorsten in Deutschland starten Kampfjets vom Typ Eurofighter Typhoon. Welche Eurofighter-Stützpunkte in Deutschland es gibt, wie viele der Kampfjets die Bundeswehr besitzt und auf welche Geschichte die Stützpunkte zurückblicken.

Köln – Immer wieder gibt es Übungsflüge des Kampfjets Eurofighter und des Jagdbomber Tornado über Köln, manchmal auch in den Abendstunden. Ein Grund dafür ist die Nähe zum Fliegerhorst Nörvenich bei Düren. Dieser ist einer von vier Stützpunkten in Deutschland, auf denen die insgesamt 138 Eurofighter in Deutschland aktuell stationiert sind. 

Wo sind in Deutschland Eurofighter stationiert?

Wie viele Eurofighter sind in Laage? (Mecklenburg-Vorpommern)

Ein Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwader 71 Steinhoff der deutschen Luftwaffe beim Start am Stützpunkt Laage
Das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ am Stützpunkt Laage erhielt als erstes in Deutschland den Eurofighter © Björn Trotzki/imago

Der 28 Kilometer südöstlich von Rostock liegende Flughafen wurde 1984 von der Nationalen Volksarmee (NVA) in der DDR in Betrieb genommen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Luftwaffe neuer Hausherr des Fliegerhorsts. 1992 kam eine weitere Neuerung hinzu: Der Flugplatz wurde nicht nur militärisch, sondern auch zivil genutzt. Von 1994 bis 2005 war der Flughafen Rostock-Laage, wie der zivile Flughafen genannt wurde, Teil des Nachtflugprogramms der deutschen Post. Vor allem aber dient er als Passagierflughafen, der sich auf Auslandsflüge spezialisiert hat. Im Jahr 2018 beförderte dieser fast 300.000 Fluggäste.

Seit 1994 ist das Taktische Luftwaffengeschwader 73 am Fliegerhorst Laage untergebracht. 1997 erhielt es den Namen „Steinhoff“, nach dem 1994 verstorbenen Luftwaffengeneral Johannes Steinhoff. Zuerst nutzte es – als einziges Geschwader der bundesdeutschen Luftwaffe – Flugzeuge des sowjetischen Typs MiG-29, die aus NVA-Beständen übernommen wurden.

Das Jagdgeschwader wurde 2004 als Erstes mit dem damals neu angeschafften Eurofighter Typhoon ausgerüstet. Aktuell verfügt das Geschwader über 35 Eurofighter; das Personal umfasst 920 Soldaten und Soldatinnen sowie 140 Zivilangestellte. Mit der „Waffenschule Luftwaffe“ befindet sich 2019 auch eine Ausbildungseinheit am Fliegerhorst Laage.

Betreiber des zivilen Flughafens aus dem 500 Hektar großen Areals ist die Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH. Zum Vergleich: Diese beschäftigte im Jahr 2018 an Personal 107 Festangestellte, 69 geringfügig Beschäftigte und vier Auszubildende.

Wie viele Eurofighter gibt es in Neuburg? (Bayern)

Begrüßungsschild am Stützpunkt Neuburg mit der Aufschrift „Welcome to Fightertown Neuburg“ mit Staffelwappen und Eurofighter
„Welcome to Fightertown Neuburg“ werden Besucher des Fliegerhorsts in Bayern begrüßt © imago/Björn Trotzki

Der Fliegerhorst Neuburg, teilweise auch als Fliegerhorst Zell bekannt, wurde zu NS-Zeiten von der Wehrmacht 1935 gebaut und im Folgejahr eröffnet. Zuerst diente er primär als Flugschule, im Zweiten Weltkrieg starteten auch Kampfverbände von dem stetig wachsenden Flughafen. Durch alliierte Bombenangriffe im März 1945 wurde das Gelände fast völlig zerstört. Nach dem Beschluss zur Wiederbewaffnung Deutschlands und der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 wurde der Flughafen 1961 wieder in Betrieb genommen.

Seitdem ist das Taktische Luftwaffengeschwader 74 dort stationiert; lediglich vom Frühjahr 2014 bis Herbst 2015 musste die Einheit wegen der Sanierung der Start- und Landebahn übergangsweise zum Fliegerhorst Lechfeld umziehen. In Neuburg flogen zuerst die F-86K „Sabre“, die F-104G „Starfighter“ und die F-4F „Phantom“, ehe das Geschwader 2006 als zweites in Deutschland den Eurofighter Typhoon erhielt.

Eurofighter: Wichtige Alarmrotten in Neuburg und Wittmund stationiert

Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 (Süden) und das Taktische Luftwaffengeschwader 71 (Norden) stellen an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr jeweils zwei Eurofighter – die Alarmrotte – zum Schutz des deutschen Luftraums bereit. Die Kampfjets steigen auf, wenn es im deutschen Luftraum Zwischenfälle gibt oder ein Flugzeug beispielsweise nicht per Funk erreichbar ist. Ihre Aufgabe ist es, die Lage zu klären. Außerdem stellt es bei Bedarf Flugzeuge und Personal für die NATO-Eingreiftruppe, NRF (NATO Response Force) genannt, oder für andere durch den Bundestag legitimierte Auslandseinsätze zur Verfügung.

Im „Bedarfsfall“ stellt auch das Taktische Luftwaffengeschwader 73 Kampfjets als Alarmrotte, vor allem für den ostdeutschen Luftraum, zur Verfügung. Alternativstandorte der Alarmrotte befinden sich in Nörvenich bei Köln und in Laage bei Rostock. Von 2012 bis 2016 war die Alarmrotte schon mal fest in Nörvenich stationiertv gewesen. Die nördliche Alarmrotte startet momentan „aufgrund von Baumaßnahmen“ am Standort Wittmund vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ aus, erklärt die Bundeswehr auf ihrer Website. (Stand: 18. November 2022)

Wie viele Eurofighter gibt es in Nörvenich? (Nordrhein-Westfalen)

Informationstafel zum Taktischen Luftwaffengeschwader 31 Boelcke an der Zufahrtsstraße zum Fliegerhorst Nörvenich
Am Fliegerhorst Nörvenich in Nordrhein-Westfalen ist das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ stationiert © Martin Schroeder/imago

Der Fliegerhorst wurde ursprünglich als Stützpunkt für die Royal Air Force der britischen Besatzer gebaut. Im Sommer 1953 begannen die Bauarbeiten, im August 1954 wurde er von den Briten in Betrieb genommen. Nach der deutschen Wiederbewaffnung und der Gründung der Bundeswehr übergab die Royal Air Force Germany den Stützpunkt im Dezember 1955 an das deutsche Verteidigungsministerium. Die Einrichtung einer Verwaltungsstelle für die 1. Luftwaffen-Lehrkompanie am 1. Dezember 1955 gilt als Geburtsstunde der deutschen Luftwaffe.

Am 20. Juni 158 wurde das Jagdbombergeschwader 31 in den Dienst gestellt, 1961 erhielt es den Namen „Boelcke“, benannt nach dem im Ersten Weltkrieg tätigen Jagdflieger und Luftkampfstrategen Oswald Boelcke. Nachdem das Geschwader mit 50 Flugzeugen vom Typ F-84F Thunderstreak seinen Dienst antrat, stellte es 1961 auf den Starfighter und später auf den Jagdbomber Tornado um. Dieser wurde 2010 in Nörvenich ausgemustert, nach dem das Geschwader am 15. Dezember des Vorjahres mit dem Eurofighter Typhoon ausgerüstet wurde. 2022 wurden jedoch erneut Tornado-Kampfflieger nach Nörvenich verlegt.

2013 wurde das Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ in Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ umbenannt. Personal des Geschwaders wurde bereits bei UN- und NATO-Missionen im Ausland eingesetzt.

Wie viele Eurofighter sind in Wittmund stationiert? (Niedersachsen)

Ein Eurofighter der Luftwaffe startet am Fliegerhorst Wittmund
Seit 2013 starten die Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ in Maschinen vom Typ Eurofighter Typhoon © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Der Flugplatz Wittmund wird teilweise auch als Wittmundshafen oder Wittmundshaven bezeichnet, da er ursprünglich von der Marine betrieben wurde, die dort 1911 mit dem Bau eines Landeplatzes für Luftschiffe begann. Nach Auflösung der Luftschifftruppen 1920 wurden die Gebäude abgerissen und der Platz in Ackerland umgewandelt, ehe das Areal von 1938 wieder als Flugplatz bebaut wurde. Von Ende 1940 an nutzte die Wehrmacht den Stützpunkt während des Zweiten Weltkriegs, ehe Bombenangriffe das Areal im März 1945 zerstörten. 

1950 begannen die britischen Besatzer, einen neuen Flughafen für die Royal Air Force an der gleichen Stelle zu bauen, der 1963 an die deutsche Bundeswehr übergeben wurde. Am 26. April 1963 wurde dort das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ untergebracht, benannt nach Manfred von Richthofen alias „Der rote Baron“. Den Beinamen erhielt das Geschwader bereits am 21. April 1961 anlässlich des 43. Todestages des Fliegerasses.

Das Geschwader flog erst die Sabre (1958 bis 1963), dann den Starfighter (1963 bis 1973) und 40 Jahre lang die Phantom (1973-2013), ehe es am 2013 auf den Eurofighter umrüstete. Zum 30. September jenes Jahres wurde das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ aufgelöst und am 1. Oktober als Taktische Luftwaffengruppe „Richthofen“ als ausgelagerter Teil des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ neu aufgestellt. Diesen Status hatte die Einheit bis zum 1. Juli 2016 inne, als sie wieder zum Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ wurde.

Von jenem Zeitpunkt an wurde der Fliegerhorst zudem saniert; die Bauarbeiten sollen 2024 abgeschlossen sein, die Restarbeiten bis 2030. In Wittmund sind außerdem zivil zugelassene Flugzeuge der der kanadischen Firma Top Aces stationiert, welche die Bundeswehr bei der Luftkampfausbildung unterstützen. (nbo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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