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Bundeswehr kauft F-35 – „modernstes Kampfflugzeug weltweit“

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Von: Nils Bothmann

Die Tornado-Kampfjets der Luftwaffe sollen durch F-35-Tarnkappenbomber ersetzt werden. Was die Anschaffung kostet, welche Kritik es gibt und warum der Kauf alternativlos ist.

Köln – Es ist offiziell: Die Bundeswehr schafft 35 neue Kampfflugzeuge vom Typ F-35 an, nachdem der Haushaltausschuss seine Zustimmung zu dem Vorhaben gab. Bereits wenige Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar beschloss der Bundestag die Bereitstellung eines Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, um diese zu sanieren und modernisieren. Ein nicht unerheblicher Teil des Geldes soll zur Anschaffung von 50 neuen Flugzeugen ausgegeben werden: 15 Eurofighter Typhoon und die besagten 35 amerikanischen F-35A sollen angeschafft werden, um den Jagdbomber Tornado zu ersetzen.

F-35 soll Kampfjet Tornado ersetzen – „auf Zielgeraden der Lebensdauer“

Denn das Flugzeug wurde von 1979 bis 1998 produziert und nach 30 Jahren ermüdet das Material. Deshalb führte die Bundeswehr schon im November 2021 in einer Meldung auf ihrer Homepage aus, dass sich die noch im Bestand vorhandenen Tornados „auf der Zielgeraden der Lebensdauer“ befinden und „der Kampfjet sein Pensionsalter erreicht hat“.

Bei einer Sicherheitskonferenz in Berlin am 30. November verkündete Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), dass „noch in diesem Jahr“ Lieferverträge für die F-35 geschlossen werden sollen, die von der US-amerikanischen Firma Lockheed Martin hergestellt werden. Das Flugzeug soll einen Beitrag zur „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands leisten, da die F-35 amerikanische Atombomben transportieren können, welche wiederum Teil des Abschreckungskonzepts der NATO gegenüber potenziellen Gegnern sind.

Neuer Kampfjet für die Bundeswehr: „Entscheidung für die F-35 ohne Alternative“

„Auf Putins Aggression gibt es nur eine Antwort: Geschlossenheit in der NATO und glaubwürdige Abschreckung. Gerade deshalb ist die Entscheidung für die F-35 ohne Alternative“, erklärte Ingo Gerhartz, der Inspekteur der Luftwaffe, in einer Stellungnahme. „Die F-35 ist das modernste Kampfflugzeug weltweit, viele unserer europäischen Partner haben sich ebenfalls für dieses Flugzeug entschieden. Es stärkt unsere Fähigkeit, gemeinsam mit ihnen den NATO-Luftraum zu sichern und das Bündnis zu verteidigen. Zusammen mit der Weiterentwicklung des Eurofighters für den Elektronischen Kampf machen wir einen wichtigen Schritt, um die Luftwaffe und damit die deutschen Streitkräfte für die Zukunft aufzustellen“, so der der oberste Luftwaffenchef.

Eine F-35A bei einem Testflug über der kalifornischen Wüste in der Nähe von Lancaster im Jahr 2019
Eine F-35A bei einem Testflug über der kalifornischen Wüste in der Nähe von Lancaster im Jahr 2019 © Darin Russell

Zahlen und Fakten zur F-35

Länge15,70 m
Flügelspanne10,70 m
Nutzlast mit Zuladung8.160 kg
Höchstgeschwindigkeit1.976 km/h
Reichweite2.100 km

F-35 soll am Fliegerhorst Büchel stationiert sein

Als Standort für die 35 neuen Tarnkappenbomber vom Typ F-35A ist der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz auserkoren worden. Dieser durchläuft gerade eine Grundsanierung, die im Februar 2026 abgeschlossen sein soll. Einzelne Baumaßnahmen können zwar noch mindestens bis 2028 dauern, doch nach Aussage der Bundeswehr wird durch diese der Flugbetrieb nicht eingeschränkt.

Für die Dauer der Grundsanierung des Stützpunktes in der Nähe von Cochem an der Mosel wurden die dort stationierten Tornado-Flugzeuge und das dafür zuständige Personal im Sommer 2022 zum Fliegerhorst Nörvenich verlegt. Dies ist einer der Gründe, warum über Köln derzeit vermehrt Kampfflugzeuge zu sehen und zu hören sind, teilweise sogar nachts.

Die F-35 soll 2027 in den Dienst der deutschen Bundeswehr gestellt werden, weshalb die Baumaßnahme am Fliegerhorst Büchel kein Hindernis ist – sofern sie im Zeitplan abgeschlossen wird.

Auslieferung der F-35 an die Luftwaffe startet 2026

Eine F-35 der israelischen Luftwaffe an der Flügelspitze eines deutschen Eurofighters vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ über Israel während der Übung „Blue Flag 2021“
Eine F-35 der israelischen Luftwaffe an der Flügelspitze eines deutschen Eurofighters über Israel während der Übung „Blue Flag 2021“ © Christian Timmig

2026 beginnt die Auslieferung der Maschinen für die Bundeswehr, wovon die ersten acht in den USA stationiert werden. Dort werden die Piloten und das Bodenpersonal der Luftwaffe im Umgang mit dem Kampfjet amerikanischer Fertigung geschult. Bei den F-35A handelt es sich um die konventionelle, meistverbreitete Version des Tarnkappenbombers. Es gibt auch die Varianten F-35B (Kurzstartflugzeug mit Senkrechtlandekapazität) und F-35C (Flugzeugträgervariante des Joint Strike Fighters).

Eine F-35 kostet nach Regierungsangaben 73 Millionen Euro, inklusive Waffensystemen und Ersatzteilen sogar stolze 100 Millionen Euro. Allerdings sind auch diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen: Anderen Quellen sprechen von einem Preis zwischen 3,5 und zehn Milliarden Euro für die 35 Flugzeuge, was einem Stückpreis zwischen 100 und 286 Millionen Dollar pro Maschine entspricht.

Der Tarnkappenbomber steht wegen seiner hohen, teilweise schwer zu kalkulierenden Anschaffungskosten immer wieder in der Kritik; oft sollen die von Lockheed Martin genannten Preise lediglich Schätzungen sein, die verkaufsfördernd niedrig angesetzt wurden. Auch der Betrieb ist nicht ohne: Eine Flugstunde soll derzeit mit 36.000 Dollar (etwa 33.500 Euro) zu Buche schlagen. Der Hersteller verspricht eine weitere Reduktion der Kosten auf 25.000 Dollar (etwa 23.750 Euro) pro Flugstunde bis 2025. Die Bundeswehr gibt allerdings an, dass sie ein Gesamtpaket erwirbt, „das Jets einschließlich der Bewaffnung, Ersatzteilen und Wartungsleistungen für fünf Jahre beinhaltet“.

Welche Kritik gibt es am Kauf des Tarnkappenbombers F-35?

Die hohen Kosten des Tarnkappenbombers sind ein häufiger Kritikpunkt. Gerade die Lebenszykluskosten des Flugzeugs, also jene über die gesamte Lebensdauer der Maschine anfallenden Kosten, sollen höher als bei anderen Kampfflugzeugen liegen. Bei Kampfjets gilt das Zweieinhalbfache des Kaufpreises als Standard bei den Lebenszykluskosten. Eine von der kanadischen Regierung in Auftrag gegebene Studie der Wirtschafts​prüfungsgesellschaft KPMG veranschlagt für die Lebensdauer einer F-35 dagegen das Fünffache des Kaufpreises, das norwegische Verteidigungsministerium rechnet mit dem Faktor 3,75.

Proteste kommen auch aus der deutschen Wirtschaft, nachdem der Auftrag für das neue Kampfflugzeug in die USA vergeben wurde. Einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge will das Verteidigungsministerium mit der deutschen Industrie über die „Beteiligung am Großauftrag erst nach der Kaufentscheidung für den F-35 verhandeln“. Die Branche fürchtet, dass sie bei Aufträgen für Wartung und Instandsetzung der Maschinen außen vor bleiben könne und dadurch sowohl Einnahmen als Arbeitsplätze in Deutschland verloren gingen. Zwar könnte sich die Beschaffung durch Einbindung der deutschen Firmen etwas verteuern, allerdings würde gleichzeitig die Abhängigkeit von Lockheed Martin abnehmen.

Hinzu kommen Berichte über massive Mängel an dem Flugzeug, das 2011 in Serienproduktion ging. Eine in den USA erstellte Mängelliste des Flugzeugs kam 2021 auf 871 Punkte, aktuell sollen es immer noch zwischen 845 und 826 Mängel sein, die für massive Probleme bei dem Jet sorgen.

Warum der Kauf der F-35 alternativlos ist

Langfristig soll ein gemeinsam mit Frankreich und Spanien entwickeltes neues Flugzeug, Projektname Future Combat Air System (FCAS), den Jagdbomber Tornado ersetzen, doch nach Expertenmeinungen ist nicht vor 2040 mit einem Einsatz der neuen Flieger zu rechnen. Daher ist die Anschaffung der F-35 eine Übergangslösung – aber eine quasi alternativlose. Der Tarnkappenbomber zeichnet sich durch seine schnelle Verfügbarkeit aus; außerdem durch seine Fähigkeit zum Transport von US-Atombomben, die wichtig für die nukleare Teilhabe ist. Andere Alternativen wie die F-18 werden ebenfalls in den USA gefertigt, sind nur unwesentlich günstiger als eine F-35 und können weniger als diese. Von daher bleibt die F-35 die beste Option für die Bundeswehr, bis das FCAS entwickelt ist. (nbo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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