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Wie in England: Deutsche Post stellt jetzt mit Rechtslenkern zu 

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Von: Julian Baumann

Carina Haselbach, Zustellerin der Deutschen Post in Südhessen, steigt auf der rechten Seite in ihr Zustellfahrzeug.
Einstieg auf der rechten, statt linken Seite: Die neuen E-Autos der Deutschen Post sind ungewohnt, für die Zusteller aber praktisch. © Deutsche Post DHL Group

Die Deutsche Post hat neue E-Autos zur Paketzustellung vorgestellt, die Lenkrad und Pedale auf der rechten, statt linken Seite haben. Das soll den Zustellern die Arbeit erleichtern.

Stuttgart/Bonn – Wer schon einmal im Vereinigten Königreich, oder auch in Australien, mit dem Auto unterwegs war, wird sich zumindest anfangs wie ein Geisterfahrer vorgekommen sein, obwohl er absolut nichts falsch gemacht hat. Im Gegensatz zu den meisten Ländern der Erde, in denen Rechtsverkehr herrscht – der Fahrer also links sitzt – fahren die Menschen in England nämlich mit Rechtslenkern im Linksverkehr. Wem das zu kompliziert erscheint, der stelle sich einfach vor, dass sich Lenkrad und Pedale auf der Seite des Beifahrers befinden, statt auf der des Fahrers.

Solche Rechtslenker will die Deutsche Post nun offenbar auch in Deutschland für die Paketzustellung einsetzen. Einem Bericht der Bild zufolge hat der Konzern in Rheinbach (Nordrhein-Westfalen) neue E-Autos für die Auslieferung vorgestellt, die Lenkrad und Pedale eben auf der rechten statt der linken Seite haben. Wenn Anwohner also in den vergangenen Tagen beobachtet haben, wie ihr Postbote plötzlich auf der falschen Seite des Fahrzeugs einsteigt – das hat wohl seine Richtigkeit.

Deutsche Post stellt E-Autos mit Rechtslenker vor – sie sollen sicherer sein und Zeit einsparen

Zunächst einmal klingt es natürlich abwegig, in einem Land, in dem Rechtsverkehr herrscht, einen Rechtslenker einzusetzen. Schließlich müssen sich auch englische Autofahrer erstmal orientieren, wenn sie nach Deutschland kommen. Dass die Deutsche Post dennoch auf Rechtslenker setzt, hat einen ganz einfachen und sehr sicheren Grund, berichtet bw24. „Die Zustellerinnen und Zusteller steigen nicht zur Straßenseite hin, sondern auf der Bordsteinseite ein und aus“, erklärte DHL-Pressesprecher Dieter Schuhmachers gegenüber der Bild. „Das ist natürlich wesentlich sicherer.“ Zudem müssen die Zusteller nach der Lieferung nicht mehr um das Auto herumlaufen, was Zeit spart.

Carina Haselbach, Zustellerin der Deutschen Post in Südhessen, in einem elektrischen Rechtslenker.
Ungewohnter Anblick, aber praktisch für die Zusteller: Die Deutsche Post liefert in ersten Städten mit Rechtslenkern aus. © Deutsche Post DHL Group

Als gelernte Linkslenker, die mit Sicherheit auch privat so unterwegs sind, müssen sich die Postzusteller erst an die neuen Rechtslenker gewöhnen. „Das Fahren auf der ‚falschen‘ Seite ist zwar anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert gerade in der ersten Zeit noch besondere Aufmerksamkeit, aber man gewöhnt sich doch recht schnell daran“, sagte Carina Haselbach, die in Südhessen mit einem Rechtslenker-Fahrzeug auf Zustelltour ist, laut einer Pressemitteilung der Deutschen Post. Und auch für die Kunden ist es ungewohnt. „Klar bin ich schon drauf angesprochen worden“, so Haselbach. „Meine Kunden finden das cool.“

Rechtslenker: Deutsche Post will bis Jahresende bundesweit 1.300 solcher Fahrzeuge einsetzen

Um Unfälle zu vermeiden, sind die elektrischen Rechtslenker der Deutschen Post mit Rück- und Seitenkameras ausgestattet. Zudem sollen die nahezu emissionsfreien Postautos, genannt Streetscooter, Platz für 160 Pakete bieten. Die Deutsche Post will bis Jahresende bundesweit 1.300 solcher elektrischen Fahrzeuge als Rechtslenker einsetzen. E-Autos setzt die Post allerdings schon seit einiger Zeit ein, auch in Baden-Württemberg. In einem Fall gab es dabei aber offenbar ein Problem. In Staufen bei Breisgau brannten zwei, glücklicherweise abgestellte, E-Autos der Post vollständig aus.

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