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Eurofighter Typhoon: Kampfjet im Dienst der Bundeswehr – und darüber hinaus

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Von: Nils Bothmann

Welche Länder besitzen den Eurofighter, wie viele Flugzeuge hat die Bundeswehr, wie schnell fliegt das Mehrzweckkampfflugzeug? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Eurofighter.

Köln – Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wird in Deutschland wieder verstärkt über Rüstungstechnik debattiert. Dazu gehören auch die Kampfjets vom Typ Eurofighter Typhoon, im Volksmund verkürzt meist nur Eurofighter genannt. Im Juli brachen fünf deutsche Eurofighter zu einer NATO-Routinemission in Estland auf, die durch den Ukraine-Krieg Brisanz gewann, obwohl die Maschinen der deutschen Luftwaffe lediglich luftpolizeiliche Aufgaben übernahmen. Auch in Köln ist der Kampfjet präsent: Der Bundeswehrstützpunkt Növernich bei Düren ist einer von insgesamt vier deutschen Fliegerhorsten, auf denen Eurofighter stationiert sind. Zum dortigen taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ gehören insgesamt 30 Eurofighter, die immer wieder Übungsflüge über Köln absolvieren, auch abends.

Der Eurofighter in Zahlen

Leergewicht11 t
Maximales Startgewicht23,5 t
Länge15,96 m
Höhe5,28 m
Spannweite10,95 m
HöchstgeschwindigkeitMach 2,35 (2.901,78 km/h)

Das zweistrahlige Mehrkampfflugzeug hat eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,35 (entspricht 2.901,78 km/h). Als ursprünglich für den Luft-Luft-Kampf konzeptionierter Kampfflieger ist der Eurofighter mit einer Bordkanone vom Typ Mauser BK-27 bewaffnet (Kaliber: 26 x 145 mm) bewaffnet. Diese hat eine Reichweite von 1.600 Metern und kann theoretisch bis zu 1.700 Schuss pro Minute abfeuern, es werden jedoch nur 150 Schuss mitgeführt. Durch unterschiedliche Munitionsarten kann die Kanone auch gegen Bodenziele eingesetzt werden. Außerdem hat Eurofighter Halterungen, an denen er bis zu zwölf Luft-Luft-Raketen mitführen kann. Es ist jedoch auch möglich, dass der Eurofighter an seinen Außenstationen mit Luft-Schiff-Lenkflugkörpern oder Luft-Boden gelenkter Freifallmunition, also Bomben, bewaffnet wird.

Anlässlich der Übung Rapid Pacific 2022 wurde ein Eurofighter mit einer Spezialfolierung versehen. Er wurde am 22. Juli 2022 im Beisein von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht in Neuburg an der Donau präsentiert
Ein Eurofighter mit Spezialfolierung, der am 22. Juli 2022 im Beisein von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht in Neuburg an der Donau präsentiert wurde © Björn Trotzki/imago

Eurofighter in Deutschland: Hier sind die Kampfjets stationiert

Die Bundeswehr verfügt derzeit über 138 Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter, die auf vier Stützpunkte verteilt sind.

Der Eurofighter: Ein Kind des Kalten Krieges

Die ersten Schritte zur Entwicklung des Eurofighter wurden 1971 unternommen, als Großbritannien nach einem Nachfolger für den Kampfjet F-4 Phantom suchte. Da die F-4 ein US-amerikanisches Flugzeug war und durch den Import in Großbritannien Tausende von Arbeitsplätzen verloren gingen, sollte der Nachfolger wieder ein europäisches Produkt sein. Das Vereinigte Königreich wandte sich an die Partnerländer Deutschland und Italien, mit denen es zu diesem Zeitpunkt bereits das Kampfflugzeug Tornado entwickelte, sowie an Frankreich. Die Diskussionen über den ursprünglich European Combat Aircraft (ECA) genannten Entwurf zogen sich über Jahre hinweg, da die Partner unterschiedliche Anforderungen an das zu entwickelnde Kampfflugzeug stellten und unterschiedliche Prioritäten setzten. 1984 kam es zum Bruch der Partnerländer, da Frankreich Forderungen stellte, die Deutschland, Großbritannien und Italien als inakzeptabel betrachtete. Am 1. August 1985 beschloss das Trio die Entwicklung des European Fighter Aircraft (EFA), wie das Vorhaben mittlerweile hieß, im September kam Spanien als weiterer Partner hinzu.

1986 fand der erste Testflug des Experimentalflugzeugs British Aerospace EAP statt, der als Prototyp viele Technologien erprobte, die später auch beim Eurofighter Verwendung fanden. Nach diesen Erfolgen war es das politische Tauwetter, welches das Projekt in die Krise stürzte. Das Kampfflugzeug war für den Einsatz gegen Maschinen des Warschauer Pakts unter Führung der Sowjetunion gedacht. Nachdem sich das Ostblock-Bündnis Mitte 1991 aufgelöst hatte und die Sowjetunion wenige Monate später, war zum einen die unmittelbare feindliche Bedrohung weggefallen. Deutschland hatte zum anderen auch die hohen Kosten der Wiedervereinigung zu stemmen und wollte deshalb aus dem Projekt aussteigen. Obwohl Italien zwischenzeitlich vor dem finanziellen Kollaps stand und Großbritannien zeitweise die Anschaffung eines günstigeren Kampfflugzeugs erwogen hatte, standen beide Partnerländer doch zu dem Projekt, während Deutschland im Falle eines Rückziehers Vertragsstrafen als Entschädigung hätte zahlen müssen. Aus diesem Grunde blieb Deutschland Teil des mittlerweile Eurofighter 2000 genannten Projekts, das 1997 schließlich in Eurofighter Typhoon umbenannt wurde.

Was kostet ein Eurofighter Typhoon?

2020 gab der Bundestag 5,5 Milliarden Euro für die Beschaffung von 38 neuen Eurofighter-Kampfjets frei, die bis 2030 Flugzeuge der ersten Generation sowie verunglückte Flugzeuge ersetzen sollen. Das entspricht einem Stückpreis von knapp 145 Millionen Euro pro Eurofighter Typhoon.

Lange Entwicklungsdauer

Am 27. März 1994 startete der erste Prototyp des Eurofighter (DA1) seinen ersten Testflug in Deutschland. Insgesamt sieben Prototypen wurden in den folgenden Jahren gebaut, einer davon in Spanien, jeweils zwei in Großbritannien, Italien und Deutschland. Die zahlreichen Verzögerungen aufgrund von Designänderungen oder Austausch veralteter Technologie sorgten für Spott in den Medien, weshalb der Eurofighter einen Ruf als Millionengrab innehatte.

Es dauerte bis zum 13. Juni 2003, ehe der erste seriengefertigte Eurofighter der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Am 4. August 2003 erfolgte die offizielle Abnahme durch die Bundeswehr, am 30. April 2004 die offizielle Truppeneinführung bei der deutschen Luftwaffe: Sieben Eurofighter wurden beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage stationiert. Das Flugzeug wurde stetig weiterentwickelt: Drei Tranchen wurden bisher ausgeliefert; Flugzeuge einer vierten Tranche wurden im November 2020 in Auftrag gegeben und sollen 2025 ausgeliefert werden. Die Maschinen der Tranche 4 sollen die Flugzeuge der Tranche 1 ersetzen.

Eurofighter Typhoon erstmals im Kampf-Einsatz

Nach Luftraumüberwachungseinsätzen kam es am 21. März 2011 zum ersten Kampfeinsatz des Eurofighter im Rahmen der westlichen Militäreinsätze in Libyen. 24 britische Flieger vom Typ Eurofighter Typhoon halfen im Rahmen der „Operation Ellamy“ bei der Durchsetzung der Flugverbotszone in Libyen. Bei späteren Einsätzen wurden sie auf feindliche Hubschrauber oder Bodenziele angesetzt. Die Bombardierung der Bodenziele fand teilweise in Kooperation mit Tornado-Flugzeugen nach dem Hunter-Killer-Prinzip statt. 2015 kamen Eurofighter auch beim Kampf gegen den IS zum Einsatz.

Was ist das Hunter-Killer-Prinzip?

Die Hunter-Killer-Taktik bezeichnet im militärischen Sprachgebrauch die Aufgabenteilung von Zielerkennung und Zielbekämpfung. In der Regel betreibt ein Truppenteil die Aufklärung und Markierung des Ziels („Hunter“), während der andere für die Bekämpfung und Zerstörung des Ziels zuständig ist („Killer“). Bei dem Lufteinsatz in Libyen verfügten die Eurofighter über Systeme zur Erkennung von Bodenzielen, die den Tornados fehlten, weshalb die Eurofighter die Ziele aufklärten und die entsprechenden Informationen wiederum an die Tornados weitergaben, welche das Bombardement vornahmen.

Ein Eurofighter Typhoon kehrt nach einem Einsatz in Libyen am 23. März 2011 zu seiner Basis auf Sizilien zurück
Ein Eurofighter Typhoon kehrt nach einem Einsatz in Libyen am 23. März 2011 zu seiner Basis auf Sizilien zurück © StockTrek Images/imago

Welche Länder haben den Eurofighter?

Die ersten Nationen, die Maschinen vom Typ Eurofighter bestellten, waren die vier Entwicklerländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien. 2003 bestellte Österreich 18 Eurofighter der Tranche 1; 2007 wurde die Bestellung auf 15 Flugzeuge reduziert. Ebenfalls 2007 unterzeichnete Saudi-Arabien eine Bestellung von 72 Tranche-2-Eurofightern. Auch diese Bestellung wurde bei Nachverhandlungen modifiziert: Saudi-Arabien nahm nur noch 48 Flugzeuge der Tranche 2 ab, die 24 restlichen Bestellungen wurden auf Tranche 3 umgeschrieben. Oman (12 Flugzeuge), Kuwait (28 Flugzeuge) und Katar (24 Flugzeuge) bestellten ebenfalls Tranche-3-Eurofighter.

Zum Exportschlager wurde das Kampfflugzeug nicht, denn mit wesentlich mehr Ländern scheiterten die Verhandlungen über die Kauf von Eurofightern. Fast 20 Nationen, darunter Kanada, Japan und Indien entschieden sich gegen den Eurofighter Typhoon und gaben Konkurrenzprodukten den Vorzug. Auch die Presse für den Eurofighter war in den letzten Jahren nicht die beste. 2015 musste die Produktion der 2009 bestellten Tranche-3-Flugzeuge aufgrund eines Produktionsfehlers der Verbindungsnähte für eine Weile gestoppt werden, 2022 machten Berichte über die Probleme mit dem Schleudersitz die Runde: Rund 20 Prozent der Auslöserkartuschen in den Eurofightern sollen defekt sein, wie die Bundeswehr vom Hersteller Martin Baker erfuhr.

Abstürze und Unglücke mit Eurofightern

Es kam auch zu Unglücken. Am 23. Juni 2014 kollidierte ein Eurofighter während einer Abfangübung im Hochsauerlandkreis mit einem Learjet. Der Eurofighter konnte in Nörvenich notlanden, die beiden Besatzungsmitglieder des Learjets kamen beim Absturz der Maschine ums Leben. Am 24. Juni 2019 kam es bei einer Luftkampfübung in Mecklenburg-Vorpommern zum Crash zweier Eurofighter. Ein Pilot kam ums Leben, der andere konnte sich durch Auslösen des Schleudersitzes retten und wurde verletzt geborgen. In beiden Fällen kamen die Untersuchungen zu dem Schluss, dass menschliches Versagen der Auslöser war: Beim Zusammenstoß 2014 wurden mangelhafte Planung der Übung und Unachtsamkeiten der Learjet-Piloten als Unglücksursache ausgemacht, beim Unfall 2019 ein Pilotenfehler des tödlich Verunglückten. (nbo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

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