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Runter, du Rassistin! Wie Fridays for Future ihr eigenes Anliegen torpediert

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Von: Max Müller

Musikerin Ronja Maltzahn steht hinter einem Musikinstrument
Ronja Maltzahn macht „Worldpop“. © Zuzanna Badziong/dpa

Die Musikerin Ronja Maltzahn wollte auf einer Veranstaltung von Fridays for Future auftreten. Dann kam die Absage. Der Grund: ihre Dreadlocks. Eine Glosse.

Müssen wir die Musikgeschichte umschreiben? Am 13. Juli 1985 tritt Queen im Londoner Wembleystadion auf. 1,5 Milliarden Menschen schauen weltweit zu. Auf der Bühne: Sänger Freddie Mercury – und er trägt einen Schnurrbart! Ein auf Sansibar geborener Mann mit indischen Wurzeln hat einen Schnauzer. Bewusst oder unbewusst orientiert er sich an Albert Schweitzer, Otto von Bismarck und Theodor Fontane. Dieser Mann muss runter von der Bühne! Oder zumindest muss nachträglich der Schnauzer retuschiert werden. Denn die Sachlage ist hier ganz klar: kulturelle Aneignung.

Fridays for Future Hannover: Aktivistin kann ja ihre Haare abschneiden

Das klingt zugegebenermaßen extrem absurd. Im Prinzip hat sich das – im kleineren Maßstab – aber in den letzten Tagen genau so zugetragen. Freddie Mercury heißt Ronja Maltzhan, eine 28 Jahre alte Musikerin aus Bad Pyrmont. Am Freitag wollte Maltzahn in Hannover auf einer Veranstaltung von Fridays for Future Musik machen. Doch am Mittwoch kam dann die Absage per Instagram-Nachricht.

Die Begründung in der Langform: „Der Grund dafür ist, dass wir gerade bei diesem globalen Streik auf ein antikolonialistisches und antirassistisches Narrativ setzen und es daher für uns nicht vertretbar ist, eine weiße Person mit Dreadlocks unserer Bühne zu haben.“ Doch damit nicht genug. Wenn sich Maltzahn bis Freitag ihre Haare abschneidet, könne sie auftreten.

Fridays for Future entschuldigt sich – Ronja Maltzahn darf trotzdem nicht auftreten

Danach der übliche Verlauf einer Debatte im Jahr 2022: Die vor den Kopf gestoßene Person (Maltzahn) teilt ihre Betroffenheit in den sozialen Medien, wütende Menschen (Soziale-Medien-Kommentatoren) rühren einen Cocktail aus Hass, Unverständnis und Beleidigungen an, die Quelle des ganzen Übels (Fridays for Future) bittet um Entschuldigung und wenn das Thema längst durch ist, fragt Frank Plasberg Brigitte Büscher, was die Zuschauer über kulturelle Aneignung ins Gästebuch geschrieben haben.

Mein Fazit: Niemand hat sich wirklich mit dem eigentlichen Thema (Ist kulturelle Aneignung rassistisch?) auseinandergesetzt, Fridays for Future haben erfolgreich von ihrem eigentlichen Anliegen (Rettung der Erde) abgelenkt und ich höre jetzt Queen. (mm)

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