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Airline streikt: Welche Rechte Passagiere in solchen Fällen haben

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Bei der Lufthansa wurde ein neuer Streik abgewendet. Passagiere können aufatmen. Aber welche Rechte haben Betroffene eigentlich im Falle eines Streiks?

Frankfurt am Main – Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte bei Deutschlands größter Airline Lufthansa zum Streik aufgerufen. Am Mittwoch (7. September) und Donnerstag (8. September) sollten die Piloten die Arbeit niederlegen. Quasi in letzter Minute kam es zur Einigung – ein neuer Streik wurde abgewendet. Doch was können Fluggäste eigentlich tun, wenn sie mal von einem Streik betroffen sind? Und welche Rechte hat man als Passagier?

Lufthansa-Flugzeug steht am Flughafen in Frankfurt.
Am Freitag (2. September) mussten die meisten Lufthansa-Maschinen am Boden bleiben (Symbolbild). © Hannes P Albert/dpa

Vom Streik bei einer Airline betroffen: Wo gibt es aktuelle Informationen?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Streik einer Airline: Stornieren, umbuchen oder Bahnfahren – welche Alternativen gibt es?

Flug fällt wegen Streik aus: Alternativen im Überblick

► Flug stornieren und Geld zurückbekommen

► Ein späterer Ersatzflug. Sollte das erst einen Tag oder später möglich sein, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen. (Reiseveranstalter bei Pauschalreisen)

► Fahrt mit der Bahn oder dem Mietwagen. Im Streik-Fall bei der Lufthansa Anfang September hat die Airline erklärt, dass Reisende bei innerdeutschen Flügen alternativ die Deutsche Bahn nutzen können. Dafür kann das Flugticket online in einen Fahrschein der Bahn umgewandelt werden.

Grundsätzlich können Kunden einen streikbedingt gestrichenen Flug stornieren, sie bekommen dann ihr Geld zurück. Dafür hat die Airline sieben Tage Zeit. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen. Bei einer Pauschalreise muss der Reiseveranstalter für eine Ersatzbeförderung sorgen. Verbraucherschützern zufolge können Pauschalreisende ab einer Verspätung von fünf Stunden den Reisepreis mindern.

Generell müssen Fluglinien alles Zumutbare zu tun, um ihre Passagiere trotz Ausfällen bei Streiks kostenlos auf alternativen Wegen zu vergleichbaren Konditionen an ihr Ziel zu bringen. Je nach Umständen und Entfernung kann ein alternativer Transport auch durch Bereitstellung von Bahnfahrten oder Mietwagen erfolgen.

Beim letzten Streikfall, am 2. September, erklärte die Lufthansa, dass Kundinnen und Kunden „nach Möglichkeit“ auf alternative Flüge umgebucht würden. Auf innerdeutschen Strecken konnten Fluggäste laut Konzern auch die Deutsche Bahn nutzen. Dazu konnten sie ihr Ticket online in einen Fahrschein der Bahn umwandeln, eine Anreise zum Flughafen war nach Angaben der Fluggesellschaft dafür nicht notwendig.

Streik: Flug hat Verspätung – Welche Rechte haben Passagiere

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Länge haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen – also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden. Ist eine Fluggesellschaft nicht erreichbar oder verweigert eine Kooperation, können sich Betroffene selbst darum kümmern und ihre Auslagen später zurückfordern.

Airline-Streik: Entschädigung – welchen Anspruch habe ich?

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist.

Früher wurden Streiks juristisch meist als ein Fall höherer Gewalt eingestuft, in dem die Gesellschaften betroffenen Passagieren keine Entschädigung zahlen müssen. Inzwischen hat sich die Rechtslage allerdings ausdifferenziert. So urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im März vergangenen Jahres zu einem Pilotenstreik bei der Fluglinie SAS, dass dieser kein sogenannter außergewöhnlicher Umstand sei, der ein Unternehmen von der Zahlung einer Entschädigung laut europäischer Fluggastrechteverordnung entbinde.

Experten betonen, dass immer der konkrete Fall geprüft werden müsse. So kann sich ein Unternehmen demnach durch rechtzeitige Informationen oder besondere Umstände doch entlasten. (afp/bs)

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