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Warum fast täglich leere Flugzeuge in Köln/Bonn abheben

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Von: Maximilian Gang

Ein Airbus der Flugbereitschaft hebt am Flughafen Köln/Bonn ab, im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen.
Ein Airbus der Flugbereitschaft hebt am Flughafen Köln/Bonn ab. © Jochen Tack/Imago

Fast jeden Tag fliegen Flugzeuge von Köln nach Berlin und andersherum – und sind dabei bis auf die Piloten menschenleer. Dazu wird nun Kritik laut.

Köln – 477,67 Kilometer: So lang ist die kürzestmögliche Flugstrecke zwischen Köln und Berlin. Diese Entfernung legten Flugzeuge der Luftwaffe in den ersten sechs Monaten 2022 bereits 242 Mal ohne Passagiere zurück. Der Grund dafür sind veraltete Regelungen – und die Verlegung der Hauptstadt von Bonn in Nordrhein-Westfalen nach Berlin.

Flugbereitschaft fliegt von Köln aus quer durch Deutschland

Von 1949 bis 1990 war Bonn die Hauptstadt und die politische Metropole der Bundesrepublik Deutschland. Und weil Politiker und Beamte in ihrem Arbeitsalltag häufiger auf Flugreisen angewiesen waren, wurde die Flugbereitschaft der Luftwaffe, die für den Transport zuständig ist, inklusive ihrer Flugzeuge passenderweise auch am Flughafen Köln/Bonn stationiert.

Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums für Verteidigung wurde im Jahre 1957 ins Leben gerufen. Aktuell ist sie an drei Standorten in Deutschland stationiert: am Flughafen Köln/Bonn, dem Flughafen Berlin-Tegel (Nord) sowie am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg.

Der Standort im Rheinland ist direkt an die dortige Luftwaffe angeschlossen und der größte Stationierungsort der Flugbereitschaft. Neben den Bereitschaftsfliegern sind dort unter anderem auch Teile des Luftwaffenkommandos und das Luftwaffentruppenkommando stationiert.

Standortübergreifend sind etwa 1200 Soldaten und 100 zivile Mitarbeiter bei der Flugbereitschaft beschäftigt. „Durch die Flotte wird der VIP-, Personal- und Materialtransport weltweit sichergestellt“, heißt es seitens der Bundeswehr. Auch der Transport von Kranken und Verletzten erfolgt mit Flugzeugen aus der Flotte der Flugbereitschaft.

Dieses Erbe blieb auch nach der Neu-Ernennung von Berlin als Hauptstadt und der Verlegung des Bundestags bestehen – und setzt sich bis heute fort. Die Folge: Vor fast jeder Reise einer Ministerin oder eines Ministers fliegt eine leere Maschine von Köln nach Berlin, und nachher ebenso leer wieder zurück.

Größter Standort der Flugbereitschaft in NRW

Diese Leerflüge werden als Bereitstellungsflüge bezeichnet. Insgesamt hat es zwischen Januar und Juli 383 Bereitschaftsflüge gegeben, wie aus der Antwort auf eine kleine Anfrage im Bundestag hervorgeht. Fast zwei Drittel davon fallen auf die West-Ost-Strecke von NRW nach Berlin, denn der größte der drei Standorte der Flugbereitschaft ist der in Köln. Der Großteil der restlichen Flüge ging in das Ausland oder kam von dort. Folgende Flugzeuge und Helikopter wurden in diesem Jahr bei Bereitstellungsflügen verwendet:

Dabei werden diese Flüge auch zu einem anderen Zweck genutzt: „Bereitstellungsflüge werden sinnvoll zur Erfüllung der Aus- und Weiterbildungsprogramme der für Luftfahrzeugbesatzungen geforderten jährlichen Flugstunden und Verfahren genutzt“, heißt es seitens des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Hitschler. Dennoch sind viele unzufrieden mit dem aktuellen Vorgehen.

Bereitstellungsflüge der Luftwaffe: Kritik auch von Politikern

Bereits seit Jahren stehen die Leerflüge in der Kritik – unter anderem wegen des unnötigen Treibstoffverbrauchs. So hat beispielsweise Bundestagsmitglied Jürgen Trittin von den Grünen die aktuelle Regelung kritisiert: Die Regierungsflotte müsse dort stationiert sein, wo die Regierung sitzt, wie der Politiker gegenüber dem ARD-Hörfunk erklärt. Der Fraktionsvorsitzende der Partei die Linke, Dietmar Bartsch, bezeichnete die Leerflüge als „klimapolitischen Irrsinn“, der schnellstens enden müsse.

Verteidigungsministerium plant Verlegung – doch es dauert noch

Und mit dem Umweg könnte auch bald Schluss sein, denn: Das Verteidigungsministerium plant aktuell eine Verlegung der Bereitschaftsflugzeuge zum Flughafen BER in die Hauptstadt. Ziel dabei soll die Effizienzsteigerung sein. Damit könnte die Stationierung der Flugbereitschaft in Wahn im Stadtbezirk Köln-Porz bald Geschichte sein.

Aber bis der Umzug Realität wird, könnte es noch dauern, denn: Zuvor müssen dort noch Flächen und Infrastruktur zur Verwaltung der Flugzeuge am geplanten Stationierungsort bereitgestellt werden. Nach ersten Planungen war ein vollständiger Umzug deshalb erst im Jahr 2034 vorgesehen. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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