1. 24RHEIN
  2. Welt
  3. Deutschland

Zweijähriger durch Feuerwerk an Silvester schwer verletzt

Erstellt:

Von: Benjamin Stroka

Ausgebranntes Feuerwerk und im Hintergrund ein Fahrzeug der Feuerwehr.
Die Silvesternacht in NRW sorgte für hunderte Einsätze von Feuerwehr und Polizei (Symbolbild). © Marius Schwarz/Imago

Die Silvesternacht in NRW sorgte für hunderte Einsätze von Polizei und Feuerwehr. Mehrere Personen wurden durch Feuerwerk verletzt. Ein Mann schwebt in Lebensgefahr.

Düsseldorf – Hunderte Einsätze, zahlreiche Brände und mehrere Verletzte – die Silvesternacht in NRW hat die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei in weiten Teilen des Landes durchgehend auf Trab gehalten. Fast ohne Corona-Einschränkungen und wieder mit frei verkäuflichem Feuerwerk wurde in ganz NRW ausgelassen gefeiert. Dabei kam es aber auch zu einigen Unfällen, Körperverletzungen, Bränden und sogar Angriffen auf Einsatzkräfte. Feuerwehr und Polizei aus mehreren Städten haben eine erste Bilanz gezogen.

Grundsätzlich ist die Zahl der Einsätze im Vergleich zu den Corona-Jahren in den meisten Städten wieder deutlich gestiegen und hat sich dem Niveau vor der Pandemie angeglichen.

Zwei Jahre alter Junge in Unna durch Feuerwerk schwer verletzt

Bei einem tragischen Vorfall in Unna wurde ein zwei Jahre alter Junge schwer verletzt. Er war gegen 0:05 Uhr mit seinen Eltern (21 und 27) im Bereich der Massener Straße, um den Jahreswechsel zu feiern, berichtet die Polizei. „Dabei gelang ein pyrotechnischer Gegenstand in die Kapuze des Sohnes, welcher noch vor der Herausnahme aus der Kapuze detonierte“, so die Polizei. Der kleine Junge kam mit Verbrennungen am Hinterkopf in eine Unfallklinik.

In Jülich (Kreis Düren) hat ein 27 Jahre alter Mann beim Abbrennen von Feuerwerk zwei Finger verloren. Er hatte mehrere Feuerwerkskörper zusammengeklebt. Beim Entzünden explodierte das Pyro-Bündel aber in seiner rechten Hand, berichtet die Polizei. Er wurde ins Krankenhaus gebracht.

Feuerwehr und Polizei in Bonn mit Pyrotechnik beschossen

In Bonn berichtet die Polizei in einer ersten Bilanz von „einer einsatzintensiven Silvesternacht“. Vor allem ein Vorfall auf dem Europaring im Bonner Stadtteil Medinghoven sorgte für einen größeren Einsatz. Dort hatten Jugendliche mit Böllern ein Feuer in einem Müllcontainer entzündet. Als Feuerwehr und Polizei vor Ort eintrafen, wurden sie laut eigenen Angaben von einer größeren Personengruppe mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Steinen beworfen. Die Feuerwehr Bonn spricht von etwa 40 Personen. „Die Einsatzkräfte waren gezwungen, sich zunächst zurückzuziehen“, berichtet ein Feuerwehrsprecher.

Die Polizei musste mit einer hinzugerufenen Einsatzhundertschaft eingreifen. Daraufhin flüchteten die meisten Personen aus der Gruppe. Einen 19-Jährigen konnte die Polizei vorläufig festnehmen. Ihm wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand. Durch die brennenden Müllcontainer wurden ein PKW sowie die Fahrbahndecke der Straße beschädigt.

Silvester in Köln: Polizei bei Einsätzen mit Böllern beschossen

In Köln musste die Polizei schon am Silvesterabend zu Einsätzen ausrücken. Am Görlinger Zentrum im Stadtteil Bocklemünd wurden Einsatzkräfte laut Polizeiangaben mit Böllern beworfen. Am Rheinufer schossen zudem mehrfach Jugendliche Raketen in die Menschenmenge. Die Feuerwehr musste zwei größere Brände in Köln löschen. Im Stadtteil Höhenberg brannten mehrere PKWs. In Köln-Buchheim stand ein Müllraum in einem Wohnhaus in Flammen.

Spektakulärer Unfall in Leverkusen: BMW stürzt sechs Meter in die Tiefe

Ein BMW-Fahrer hat in der Silvesternacht in Leverkusen für Aufsehen gesorgt. Der 31-Jährige, der nach Angaben der Polizei betrunken gewesen sein soll, stürzte mit seinem Sportwagen an einer Brücke rund sechs Meter in die Tiefe. Der Mann und sein 27 Jahre alter Beifahrer hatten aber noch Glück im Unglück. Sie kamen mit leichten Verletzungen davon. Führerschein und das Wrack des BMWs wurden von der Polizei sichergestellt.

40-Jähriger in Essen schwebt nach Silvester-Unfall in Lebensgefahr

Auch in Essen berichten Polizei und Feuerwehr von zahlreichen Einsätzen. In Essen-Katernberg kam es zu einem tragischen Pyro-Unfall. Dabei wurde ein 40-jähriger Mann lebensgefährlich verletzt. Seine achtjährige Tochter erlitt schwere Verletzungen. „Nach ersten Erkenntnissen soll der 40-Jährige mehrere Silvesterraketen angezündet haben, die dann noch im unmittelbaren Nahbereich explodiert sind“, berichtet die Polizei. Die Ermittlungen laufen, man geht aber bislang von legalem Feuerwerk aus. Nach Angaben der Feuerwehr Essen schwebt der Vater noch in Lebensgefahr.

Bereits gegen 21:30 Uhr am Abend mussten die Einsatzkräfte ausrücken, weil im Bereich des Borbecker Bahnhofs mehrere Personen mit Pyrotechnik auf Straßenbahnen schossen. Ein Einsatzschwerpunkt lag zudem am Steeler Wasserturm. Dort hatten sich mehrere Gruppen mit Böllern und Raketen beschossen. Als die Polizei eintraf, wurden auch die Beamten mit Feuerwerkskörpern attackiert. Zwei Polizisten wurden dabei leicht verletzt.

In Essen-Freisenbruch kam es zu mehreren Kleinbränden, bei denen die Feuerwehr bei Löschversuchen mit Feuerwerkskörpern attackiert wurde. „Unbekannte zündeten sogar einen Tannenbaum in einem Einkaufswagen an und stießen den Wagen mit dem brennenden Baum die Straße hinunter“, berichtet die Polizei. Drei Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz leicht verletzt.

Bochum: Mehrere schwere Gesichtsverletzungen durch Raketen und Böller

Auch die Feuerwehr in Bochum berichtet von einer „sehr einsatzreichen“ Silvesternacht. Es habe mehrere schwere Gesichtsverletzungen durch Feuerwerksraketen und Böller gegeben. Teilweise seien durch gemeldete Brände „sämtliche Einsatzkräfte von der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz“ gewesen.

In Krefeld brannte es gegen 0:12 Uhr in einer Wohnung auf der Klever Straße. Die Bewohnerin konnte sich selbstständig retten, die Feuerwehr musste aber noch die Katze der Frau aus den Flammen befreien. „Durch die starke Rauchentwicklung ist das gesamte Gebäude stark beeinträchtigt und zurzeit unbewohnbar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen“, berichtet die Feuerwehr.

Einen kuriosen Vorfall gab es noch am frühen Morgen für die Polizei in Krefeld. Eine 28-jährige Frau fuhr mit einem Smart in Schlangenlinien auf dem Europaring, sodass ein Zeuge die Polizei alarmierte. Die Frau war laut Polizeiangaben so betrunken, dass sie „den Anweisungen der Polizisten kaum Folge leisten“ konnte. Ein Alkoholtest ergab 1,5 Promille. Doch damit nicht genug: Die Frau hatte noch gar keinen Führerschein, sondern macht diesen nach eigenen Angaben gerade erst.

Silvester in Düsseldorf: Viele Einsätze in der Altstadt

Die Polizei in Düsseldorf berichtet vor allem von zahlreichen Einsätzen in der Altstadt. Hier gab es vor allem ab Mitternacht mehrere Schlägereien und Randale durch betrunkene Personen. Insgesamt zog die Polizei aber ein positives Fazit. „Herausragende Sachverhalte oder schwere Straftaten wurden bislang nicht bekannt“, heißt es am Neujahrstag.

Zudem wurde die Feuerwehr in Düsseldorf von zwei Großbränden auf Trab gehalten. In den Stadtteilen Reisholz und Heerdt brannte es in der Nacht sogar so stark, dass Warnungen über die Warn-App NINA und die Warn-App KATWARN ausgegeben wurden. Ob die Brände möglicherweise durch Silvesterfeuerwerk ausgelöst wurden, ist noch unklar.

Dortmund: Kind durch Böller im Gesicht verletzt

Die Polizei in Dortmund musste um kurz nach Mitternacht zu einem Einsatz im Bereich der Petrikirche ausrücken. Dort seien Feuerwerkskörper in die Menschenmenge geflogen, berichtet ein Sprecher am Neujahrstag. Ein Kind wurde dabei durch einen Böller im Gesicht verletzt. Eine Polizistin erlitt leichte Verletzungen durch einen Raketenwurf. Eine weitere Polizistin wurde bei einem tätlichen Angriff leicht verletzt.

Polizei in Duisburg mit Böllern, Steinen und Flaschen attackiert

Schon vor Mitternacht gab es für die Polizei in Duisburg den ersten größeren Einsatz. „Gegen 22:30 Uhr beschossen sich auf dem Bürgermeister-Bongartz-Platz in Hochheide mehrere Menschengruppen gegenseitig mit Feuerwerkskörpern“, berichtet die Polizei. Dabei seien auch Unbeteiligte ins Visier geraten. Die Polizei musste eingreifen und wurde laut eigenen Aussagen „massiv mit Böllern beschossen sowie mit Steinen und Glasflaschen beworfen“. Dabei wurde ein Streifenwagen beschädigt. Gegen drei Personen wurden Anzeigen gestellt.

Brand bei Krombacher-Brauerei und Disco-Schlägerei

Im Kreis Siegen-Wittgenstein berichtet die Polizei von rund 100 Einsätzen in der Silvesternacht. In Geiswald eskalierte ein Streit in einer Diskothek. Dabei wurden zwei junge Männer im Alter von 19 und 21 Jahren von einem 28 und 29 Jahre alten Duo attackiert. Die Polizei konnte die Verdächtigen festnehmen. Gegen sie wird wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Ein größerer Brand in Kreuztal rief gegen 2:15 Uhr Polizei und Feuerwehr auf den Plan. Dort brannte es auf dem Gelände der Krombacher-Brauerei, wie wa.de berichtet. Mehrere Paletten mit Getränkekisten standen im Vollbrand. Das Feuer konnte nach rund zwei Stunden gelöscht werden. „Ersten Ermittlungen zur Folge ist es nicht auszuschließen, dass der Brand durch Feuerwerkskörper entstand“, so ein Polizeisprecher. Der Schaden soll im fünfstelligen Bereich liegen. Die weiteren Ermittlungen laufen. (bs)

Auch interessant