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Wetter: Saharastaub wieder im Anflug – ist er gesundheitsschädlich?

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Von: Fabian Hartmann

Sahara-Staub ist wieder auf dem Weg nach Europa. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr. Fargen und Antworten zum Wetterphänomen.

Köln – Saharastaub weht nach Europa. Eine große Staubwolke bewegt sich derzeit über dem Atlantik in Richtung Westen. Schon am Wochenende sollen Ausläufer die iberische Halbinsel und Teile Westeuropas erreichen. Das teilte der europäische Atmosphärendienst Copernicus mit.

Was auffällig ist: In diesem Jahr verzeichneten die Meteorologen bereits hohe Mengen an Sahara-Sand, die über das Mittelmeer in Teile Europas transportiert wurden. Nach Bayern, nach Baden-Württemberg. Aber auch NRW bekam davon schon etwas ab: Mitte März war über der Köln ein „eingetrübter Himmel“ zu sehen.

Wiederholt sich das Naturphänomen am Wochenende? Was hat es damit auf sich? Ist Saharastaub gefährlich? Und was müssen Allergiker wissen? 24RHEIN hat die Antworten.

Woher kommt er und was ist Saharastaub?

Wie der Name schon sagt: Saharastaub kommt aus der Sahara. Oder noch genauer: vor allem aus einem Gebiet südlich des Atlasgebirges sowie südwestlich davon. Dazu muss man wissen: Die Sahara ist die größte Quelle von Feinstaub weltweit. Was über das Meer geweht wird, ist Fein- und Feinststaub. Gröbere Sandkörner kommen nicht so weit.

Saharastaub Deutschland: Wie kommt er vom Boden in die Luft?

Saharastaub in Bayern: München in den Farben gelb und orange im März 2022.
München mal anders: Saharastaub färbte die Stadt im März gelb-orange. © Sven Hoppe/dpa

Je heißer der Boden, desto eher können thermische Turbulenzen auftreten, die den Sand in die Luft wirbeln. Tagsüber werden in der Sahara extreme Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius gemessen. Nachts hingegen wird es sehr kalt. Durch die großen Temperatur- und damit einhergehend hohen Druckunterschiede in der Atmosphäre entstehen Sandstürme.

Handelt es sich beim Saharastaub 2022 um ein neues Wetterphänomen?

Nein, seit Jahrhunderten schon werden die Partikel zu uns herübergeweht. Zwischen zehn und 20 Mal registriert der Deutsche Wetterdienst (DWD) größere Sandmengen, die auf deutschem Boden nachweisbar sind. Was aber auffällt, ist die Häufung: Zuletzt sorgten im März Fotos aus München für Aufsehen. Ein orange-gelber Farbfilm legte sich über die Stadt – Saharastaub. Mitte März gab es gerade im Süden und Südwesten von Deutschland eine hohe Konzentration von Saharastaub.

Blutregen und Blutschnee

Im Mittelalter galt es als schlechtes Omen: Heute weiß man aber – der „Blutregen“ ist harmlos. Er ist schlicht eine Folge des Saharastaubs. Die Partikel in der Luft verfärben den Niederschlag. Die Regentropfen fallen rötlich auf die Erde.

In den Alpen verfärbt Saharastaub den Schnee. Hier spricht man von „Blutschnee“.

Saharastaub: Hat das stärkere Auftreten etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Abschließend lässt sich das nicht beurteilen, zumindest sprechen aber einige Indizien dafür. Mit dem Aufheizen der Erde werden auch die Temperaturunterschiede zwischen Nord- und Südhalbkugel geringer. Somit hat es der Saharastaub leichter, nach Europa zu kommen. Außerdem lässt die Luftzirkulation – auch eine Folge des Klimawandels – von West nach Ost nach. In Zukunft dürften Nord- und Südlagen häufiger auftreten – die Winde treiben dann auch zunehmend Wüstenpartikel übers Meer.

Bestehen gesundheitliche Gefahren durch Saharastaub – und was ist mit Sport im Freien?

Auch wenn das Wetterphänomen in Zukunft häufiger in Deutschland auftreten sollte: Eine gesundheitliche Gefahr besteht nicht. Zumindest nicht für Menschen ohne Vorerkrankungen. Beispiel Sport: Wer sich fit fühlt, kann auch bei Saharastaub ohne Probleme draußen Sport treiben. Anders sieht es bei Menschen mit Asthma oder Pollenallergie aus. Sie sollten sportliche Aktivitäten lieber ins Innere verlegen. Hintergrund ist, dass sich Pollen mit dem Staub verbinden und dadurch aggressiver werden können.

Saharastaub 2022: Können die Partikel Autolack und Gartenmöbel beschädigen?

Klare Antwort: Ja. Am Auto sollte der Staub nicht trocken von der Scheibe oder dem Lack gewischt werden. Beides kann zu sogenannten Mikrokratern führen, dadurch verliert die Scheibe ihre isolierende Wirkung, sie wird „blind“, der Lack hingegen matt. Der ADAC empfiehlt daher, besser direkt eine Waschanlage aufzusuchen oder das Auto mit einem Hochdruckreiniger abzuspülen.

Bei Gartenmöbeln sollte man ebenfalls vorsichtig sein – vor allem dann, wenn sie lackiert sind. Auch hier können die Partikel Schäden verursachen. Zur Reinigung empfehlen sich weiche Bürsten. Und: Staub entfernt man am besten mit viel Wasser und Spülmittel oder tensidhaltigem Seifenreiniger.

Kommt der Saharastaub auch nach Köln?

Bislang trifft das Wetterphänomen vor allem den Süden und Südwesten von Deutschland. Mit fortschreitendem Klimawandel und zunehmenden Nordwinden ist es aber denkbar, dass auch Köln häufiger Saharastaub abbekommt – so, wie es zuletzt im März der Fall war.

Im Westen droht zumindest an diesem Wochenende aber andere Gefahr: Sturmböen, Starkregen und Hagel sind angesagt. Für Freitag (20. Mai) besteht sogar Tornado-Gefahr. (fh) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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