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Niemand wusste von der Übung: Bewaffnete Soldaten setzen Schule unter Schock

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Die Bundeswehr übt mitten in der Stadt, und die Polizei in Nordhessen weiß nichts davon. Deswegen rückte sie zum Einsatz an einer Schule aus. Lehrer und Schüler sind unter Schock.

Bad Karlshafen - Große Angst vor bewaffneten Personen in Tarnkleidung herrschte am Dienstag in Bad Karlshafen im Kreis Kassel. Grund dafür war ein Versäumnis der Bundeswehr, ihre Übung offiziell anzukündigen. Bei der Polizei waren Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, woraufhin die Beamten die Schule informierten.

Schüler und Lehrkräfte der Marie-Durand-Schule und der Sieburgschule harrten daraufhin fast eine Stunde lang eingeschlossen in der Schule aus, berichtet hna.de. Da die Polizei die Hinweise zu den bewaffneten Personen in Tarnkleidung zunächst nicht habe einordnen können, sei man umgehend mit der Bundeswehr in Kontakt getreten, erklärt Polizeisprecher Matthias Mänz. Allerdings habe es zunächst keine offizielle Bestätigung einer Übung gegeben.

„Das war auch der Grund, warum es vor Ort zum Polizeieinsatz gekommen ist“, sagt Mänz. Da Schulen bei solchen Hinweisen höchste Priorität hätten, habe man diese sofort kontaktiert. Er ergänzt, dass die Polizei grundsätzlich über solche und ähnliche Vorhaben informiert werde. Am Dienstag sei dies aber nicht der Fall gewesen.

Eine Gruppe von Soldaten steht in einer Reihe.
Die Bundeswehrsoldaten waren für eine Übung in Bad Karlshafen (Symbolbild). © Florian Gaertner/photothek/Imago

Bad Karlshafen: Schüler haben vor Angst geweint – Keine Info über Bundeswehr-Übung

„Für uns war das ein Ernstfall“, sagt Driton Mazrekaj, Schulleiter an der Marie-Durand-Schule. Er habe in viele Augen voller Angst geblickt, einige Schüler hätten geweint. Nach 45 Minuten sei dann endlich Entwarnung von der Polizei gekommen.

Hauptmann und Sprecher Panzerbrigade 21 in Augustdorf (Nordhrein-Westfalen) Martin Waltemathe bestätigt das Versäumnis auf Anfrage. Eigentlich müssten Behörden über eine Übung der Bundeswehr informiert werden. Dabei habe es aber „interne Abstimmungsprobleme“ gegeben, sagt Waltemathe.

Das heißt: Die Leitung der Übungstruppe, die für Anmeldungen beim Landeskommando zuständig ist, habe das versäumt. Allerdings habe Ende November ein Treffen im Bad Karlshafener Rathaus mit Bürgermeister Marcus Dittrich stattgefunden, wobei Informationen zum Ablauf der Übung mitgeteilt worden seien. Laut Waltemathe ersetze das „natürlich nicht den offiziellen Weg“.

Das Treffen im Rathaus bestätigt Bürgermeister Dittrich gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass ein Orientierungsmarsch für eine solche Verunsicherung sorgen könnte.“ Dass die Soldaten auch mit Waffen unterwegs sein würden, sei ihm nicht bekannt gewesen.

Angekündigt und bekannt war eine andere Übung der Bundeswehr in Fritzlar.

Landeskommando informiert normalerweise Behörden

Will die Bundeswehr eine Übung abhalten, muss die Leitung der Übungsgruppe das beim zuständigen Landeskommando – im Fall von Bad Karlshafen das hessische in Wiesbaden – anmelden, erklärt Hauptmann Martin Waltemathe. Das Landeskommando informiere daraufhin die Landrats- und Ordnungsämter. Wie lange im Voraus etwas angemeldet werden müsse, hänge von der Art der Übung ab. Umfangreiche Übungen erforderten bis zu einem Jahr Vorlaufzeit. (Natascha Terjung)

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