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Wie entstehen Tornados? Und wie kann man sich schützen?

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Von: Fabian Hartmann

NRW drohen heftige Gewitter – Tornados inklusive. Sie sind aus den USA bekannt. Doch auch in NRW könnten Tornados in Zukunft häufiger auftreten. 

Köln – Sie gehen meistens so schnell, wie sie gekommen sind. Oft sind es nur wenige Minuten. Und doch hinterlassen sie eine Schneise der Verwüstung. Die Rede ist von Tornados. Das Wetterphänomen ist vor allem aus dem Mittleren Westen der USA bekannt. Doch auch in NRW und Deutschland kommen die Stürme vor. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt am Freitag (20. Mai) in ganz NRW vor heftigen Gewittern, Tornados inklusive. Wie entstehen sie? Wo treten sie auf? Und vor allem: Wie kann man sich davor schützen?

Wetter: Was ist ein Tornado?

Ein Tornado ist ein schnell rotierender Luftwirbel. Er reicht von der Unterseite einer Wolke bis zum Erdboden bzw. bis zur Wasseroberfläche. Entsteht ein Tornado über dem Meer, spricht man von Wasserhose. Der Durchmesser eines Tornados liegt oft nur bei 50 bis 100 Metern. In seinem Inneren aber wüten starke Kräfte: es können Windgeschwindigkeiten von über 500 km/h entstehen.

Wie entsteht ein Tornado?

Unwetter im Mittleren Westen der USA
Aus den Staaten bekannt: Ein Tornado zieht über den Mittleren Westen der USA © Gene Blevins/dpa

Die Grundzutat für einen Tornado lautet: Schwülwarme Luft in Bodennähe, kältere Luft darüber. Die Luftmassen schichten sich dann übereinander. Dadurch kommt es plötzlich zu enormen Luftmassenumwälzungen. Bedeutet: Die warme Luft steigt auf, die kühle sinkt ab. Eine Folge sind heftige Gewitter.

Sind Windgeschwindigkeit und -richtung am Boden anders als in der Luft, droht ein Tornado – die Wolkenuntergrenze darf dabei nicht höher als ein Kilometer sein. Durch Aufwinde strömt immer mehr Luft nach, ein Schlauch bildet sich. Wenn Bodenkontakt besteht, spricht man von Tornado.

Wetter: Wann entstehen die meisten Tornados?

Mit der Hitze steigt die Tornado-Gefahr. Daher drohen sie vor allem im Hochsommer. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Warme Luft ist leichter als schwere Luft, sie steigt also auf. Je größer die Temperaturunterschiede zwischen Boden und Atmosphäre, desto häufiger entstehen Gewitter – und damit auch Tornados. Doch auch im Frühjahr und Winter können sie auftreten, da allerdings seltener.

Drohen durch den Klimawandel häufiger Tornados?

Was dafür spricht: Die zunehmende Erwärmung führt zu mehr Gewittern. Und je wärmer es wird, desto mehr Wasser verdampft. Die hierbei entstehende Kondensationswärme kann Gewitterwolken und Windscherungen – also Winde, die in verschiedene Richtungen wehen – begünstigen. Andererseits können steigende Temperaturen auch zu mehr Dürreperioden führen. In einer solchen Konstellation entstehen selten Tornados. Denkbar wäre auch, dass Tornados in Zukunft zwar nicht häufiger, dafür aber heftiger auftreten.

Tornado in Deutschland: Wie viele Tornados gibt es pro Jahr?

Noch sind Tornados in Deutschland ein eher seltenes Ereignis. Doch sie kommen vor. Jedes Jahr. Etwa 40 bis 50 Tornados werden laut DWD jährlich von den Wetterstationen erfasst. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da einige unbemerkt auf dem Land verpuffen. Nicht jeder Tornado endet in einer Katastrophe.

Das bisher heftigste Unglück in Deutschland ereignete sich am 10. Juli 1968 in Pforzheim. Ein Tornado der Stärke F4 – das bedeutet Windgeschwindigkeiten von 400 km/h und mehr – fegte über die Region. 1750 Häuser wurden beschädigt, 200 Menschen verletzt, zwei Todesopfer waren zu beklagen. Es dauerte Tage, bis die Stromversorgung wieder hergestellt war.

Tornado-Warnung in Deutschland: Wie funktioniert sie?

Für Unwetterwarnungen ist in Deutschland der Deutsche Wetterdienst mit Sitz in Offenbach (Hessen) zuständig. Die Bundesbehörde informiert fortlaufend auf ihrer Homepage über wetterbedingte Gefahren. Allerdings kann der DWD im Falle von Tornados nicht sagen, wann, ob und in welcher Intensität sie auftreten. Er kann lediglich eine Risikoanalyse abgeben.

Unwetter: Warum treten so viele Tornados in den USA auf?

Vor allem der Mittlere Westen der USA ist von Tornados betroffen – er wird nicht umsonst als „Tornado Alley“, also Tornadogasse, bezeichnet. Dazu gehören das nördliche Texas, die Bundesstaaten Oklahoma, Kansas, Missouri, Nebraska und South Dakota. Warum entstehen gerade hier so häufig Tornados? Die meteorologischen Bedingungen für Tornados sind in dieser Region nahezu perfekt:

Die „Luftmassengegensätze“ sind extremer. Kalte Luft aus Alaska trifft auf warme, feuchte Luft, die vom Golf von Mexiko her einströmt sowie heiße Luft, die aus Wüstengebieten kommt. Im letzten Jahr (2021) wurden in den USA 1376 Tornados gezählt.

Wie erkennt man einen Tornado vorab?

Eine Vorhersage ist praktisch unmöglich. Ein Tornado tritt meist plötzlich und kurzzeitig am Rande einer Gewitterzone auf. In den USA liegt die durchschnittliche Vorwarnzeit bei gerade mal neun Minuten. Kennen Meteorologen Bedingungen wie Feuchtigkeit und Wind, können sie das Potential für einen Tornado abschätzen. Ob und wann der Tornado aber auftritt, ist nicht seriös zu beantworten.

Unwetter: Wie verhält man sich bei einem Tornado in Deutschland richtig?

Die erste und wichtigste Regel lautet: Schutz in Gebäuden suchen – am sichersten ist der Keller. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte kurz die Richtung des Tornados beobachten. Und dann so schnell es geht in die andere Richtung fahren. 500 Meter Abstand reichen in der Regel schon, um außer Gefahr zu sein.

Wer allein in der (flachen) Natur unterwegs ist und in ein Gewitter mit Tornado gerät, ist Lebensgefahr ausgesetzt. Wenn kein Schutz in der Nähe – auf keinen Fall Bäume! – ist, empfehlen Experten, sich eine Senke oder Mulde zu suchen und flach, mit dem Gesicht nach unten, hinzulegen. Schwächere Tornados ziehen häufig über einen hinweg und wer flach auf dem Boden liegt, minimiert das Risiko von umherfliegenden Gegenständen getroffen zu werden. (fh) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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