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„Layla“ vom Heeresmusikkorps ist Internet-Hit: „Ihr habt den Menschen Mut gemacht“

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Von: Matthias Lohr

Kein Lied ist gerade so umstritten wie der Ballermann-Hit „Layla“. Nun wird eine Version des Kasseler Heeresmusikkorps gefeiert. Dessen Leiter versteht die Aufregung nicht.

Olpe – Tobias Terhardt ist es fast ein bisschen peinlich, dass er mit seinem Heeresmusikkorps Kassel einen kleinen Internet-Hit gelandet hat. „Es wäre schön, wenn wir mit anderer Musik eine ähnliche Aufmerksamkeit bekommen würden“, sagt der Leiter des nordhessischen Bundeswehr-Orchesters.

Doch im Netz klicken die Leute gerade nicht etwa die Ouvertüre der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ an, die das Korps vor zwei Wochen beim Schützenfest Olpe aufführte, sondern eine Orchester-Version des Ballermann-Hits „Layla“, der Deutschlands umstrittenstes Lied ist, wie HNA berichtet.

Beim Tag der Bundeswehr und Gelöbnis spielt das Heeresmusikkorps Neubrandenburg auf dem Alten Markt von Stralsund.
Das Symbolbild zeigt ein Heeresmusikkorps bei einem Auftritt im Jahr 2019. © Stefan Sauer/dpa

Heeresmusikkorps Kassel spielt „Layla“: Hätten Stadt schon lange aufgeben sollen

Bei Youtube gibt es mehrere Mitschnitte des Auftritts der Musiker im Sauerland. Der meistverbreitete Clip hat mehr als 290.000 Klicks. In den Kommentaren gibt es viel Lob. Bei Twitter erntet die Kasseler „Layla“ jedoch vor allem Häme. Ein Nutzer schreibt: „Jana aus Kassel war nur der Anfang. Wir hätten die Stadt schon lange aufgeben sollen.“ Was macht manche Menschen so wütend?

Seit Wochen steht das Lied von DJ Robin und Schürze unter Sexismus-Verdacht. Im Text heißt es: „Ich hab’ nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler.“

Die Junge Union Hessen erntete einen Shitstorm, nachdem das Stück auf dem Landestag in Baunatal gespielt worden war. Auf dem Kiliani-Volksfest in Würzburg wurde es verboten. Das alles machte „Layla“ noch bekannter und beliebter.

Terhardt kann die Aufregung nicht verstehen. „Für mich ist die Debatte völlig überzogen. Wer sucht, wird in vielen Liedern Sexismus finden“, sagt der 41-Jährige, der dabei nicht nur an Hip-Hop-Songs denkt, sondern auch an Hits von einst wie „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang.

Heeresmusikkorps Kassel spielt „Layla“: „Ihr habt den Menschen Mut gemacht“

Die „Layla“-Version des Heeresmusikkorps sei eine spontane Aktion gewesen. Ein Musiker habe das Lied vorgeschlagen. Schnell wurden die Noten verteilt. Proben waren nicht nötig. Laut Terhardt war das „eine Sache von zehn Minuten. Musikalisch steckt nicht viel dahinter. Das Lied besteht nur aus vier Akkorden.“ Den Besuchern in Olpe gefiel es sofort, und wie. „Die Leute sind steil gegangen. So etwas habe ich selten erlebt“, sagt Terhardt.

Bei Youtube werden die Soldaten nicht nur wegen der Musik gefeiert. Ein Kommentator lobt: „Danke Kameraden, ihr habt den Menschen Mut gemacht.“ Ein anderer merkt an: „Ein großes Kompliment, dass ihr es den Moralaposteln gezeigt habt.“ Und einer schreibt: „Endlich ein Teil unserer Bundeswehr, der zeigt, wo es lang geht. Wir sind das Volk.“ Viele Menschen haben es offensichtlich satt, dass ihnen vorgeschrieben wird, welche Lieder, Bücher und Filme sie gut finden dürfen.

Auch Terhardt hält nichts von Verboten: „Die Leute haben Spaß dabei, und das ist gut so.“ Auch auf dem Kasseler Zissel tanzten die Besucher zu „Layla“. Dagegen merken Kritiker bei Twitter an, dass das Heeresmusikkorps aus Steuern finanziert wird. Dürfen die Bürger in Uniform so etwas spielen?

Terhardt weist darauf hin, dass der Auftritt in Olpe außerdienstlich war. Von den mehr als 60 Musikern des Heeresmusikkorps waren kurz vor dem Jahresurlaub nur 36 im Einsatz. Sie bekamen eine Gage: „Der Auftritt wurde also nicht aus Steuermitteln finanziert.“ Der Oberstleutnant hat noch einen Hinweis an Kritiker: „Wir haben das Lied nur instrumental gespielt. Keiner von uns hat den Text gesungen.“ (Matthias Lohr)

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