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Zimmerleute finden bei Sanierung von Jahrhunderte altem Rathaus 370.000 Mark

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Von: Julia Hawener

Reichsmark liegen unter einer Taschenuhr
Die Scheine klemmten in einer Zigarettenschachtel, die aus dem Jahr 1935 stammt. © Imago Images/SKatzenberger

In einer alten Säule im Rathaus im Mühlheim an der Donau (Kreis Tuttlingen) haben Zimmerleute eine Zigarettenschachtel und 370.000 Reichsmark gefunden: offenbar eine historische Botschaft von Handwerkerkollegen.

Mühlheim an der Donau – Wenn Archäologen bei wissenschaftlichen Grabungen Relikte oder Überreste aus längst vergangenen Zeiten finden, ist das immer wieder aufregend. Auch in Baden-Württemberg haben die Altertumsforscher schon so manch spektakuläre Entdeckung gemacht. In Freiburg etwa gruben Archäologen rund 400 menschliche Skelette aus, die vermutlich im Mittelalter an Lepra gestorben waren. Doch auch Bauarbeiter stoßen immer mal wieder auf Überbleibsel. Meist sind es Fliegerbomben aus vergangenen Weltkriegen, aber manchmal sind es auch eher kuriose Dinge, wie ein Fund in Mühlheim an der Donau im Kreis Tuttlingen zeigt, berichtet BW24.

Denn in der kleinen Stadt, etwa zehn Kilometer nordöstlich von Tuttlingen, fanden Zimmermänner während der Sanierung des Jahrhunderte alten örtlichen Rathauses Geldscheine im Wert von 370 Tausend – allerdings nicht Euro oder wenigstens D-Mark, sondern Reichsmark. Das Geld wurde dort offenbar vor vielen Jahren in einer gigantischen alten Eichensäule in der Vorhalle des Gebäudes versteckt, wie der SWR berichtet. Die Scheine lagen dort jedoch nicht alleine herum, sondern klemmten in einer Zigarettenschachtel, die aus dem Jahr 1935 stammt.

370.000 Mark gefunden: Zimmerleute aus den 1930er Jahren hinterlassen Botschaft

Das Schächtelchen samt der Geldscheine wurde nur deshalb entdeckt, weil während der Sanierungsarbeiten ein dicker Balken eines Geländers abmontiert wurde, hinter dem die Überbleibsel jahrelang versteckt waren. „Zuerst dachten wir, das ist nur Kruscht (schwäbisch: wertloses Zeug), aber anscheinend doch nicht“, erzählt Helmut Grunwald, Zimmermann der Holzbaufirma Ott in Gammertingen (Kreis Sigmaringen), gegenüber dem SWR. Er und sein Kollege hatten den Fund gemacht. Doch wieso wurden Schachtel und Geld überhaupt in der Säule versteckt? Dafür hat der Zimmermann eine Erklärung, denn die Zigarettenschachtel war zum einen signiert und zum anderen mit einem Datum versehen. Dadurch könne dann auch die Nachwelt wissen, wer wann an dem Bau beteiligt war – so zumindest der Gedanke.

Normalerweise hinterlassen Zimmermannsleute heutzutage keine versteckten Nachrichten mehr, wie Grundwald erzählt. In sehr alten Bauten, wie etwa Schlössern oder Kirchen, habe jedoch auch er sich schon gelegentlich mal verewigt, sagt er. Die Zigarettenschachtel und die Geldscheine waren laut Projektleiter Gottlieb Riedinger nicht die ersten Entdeckungen auf der Baustelle. „Der erste Fund war der Brief von einem Hitlerjungen oben am Turm“, sagt er. Auch Gewehrkugeln aus diversen Einschusslöchern fanden die Arbeiter. Alle Funde wurden laut dem SWR an Ludwig Henzler übergeben, der sich als Hobbyhistoriker ehrenamtlich um das Stadtarchiv kümmert.

„Ein Liter Milch kostete eine Milliarde Reichsmark“ – Scheine haben bestenfalls Sammlerwert

370.000 Euro sind eine Menge Geld. Heutzutage würde vermutlich niemand mehr so eine Summe einfach hinter einem Balken verstecken. Doch die Reichsmark-Scheine haben bestenfalls Sammlerwert, denn sie stammen aus der Zeit der Hyperinflation in den 1920er Jahren. Damals sank der Wert teilweise sogar von einem Tag auf den nächsten drastisch. „Ein Kaminfeger hat dann letztendlich 4,5 Milliarden für seine Arbeit bekommen“, sagt Ludwig Henzler dem SWR. Und: „Ein Liter Milch kostete eine Milliarde Reichsmark.“ Die Scheine aus dem Versteck der Zimmermannsleute seinen also schon damals nichts mehr wert gewesen.

Die gefundenen Geldscheine sind nicht der erste historische Fund von Bauarbeitern in Baden-Württemberg. Erst im Mai dieses Jahres wurden unter einem Haus in Ludwigsburg mehr als 1.300 Jahre alte Skelette gefunden. Und auch in Backnang gab es vor einigen Jahren in einer 900 Jahre alten Kirche einen gruseligen Fund.

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