Merken sich sogar Müllabfuhr-Zeiten: So clever und anpassungsfähig sind Füchse

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Von: Johannes Schaack

Listig und schlau sei der Fuchs, so heißt es in Märchen und Fabeln. Was den Fuchs aber wirklich auszeichnet, ist seine Anpassungsfähigkeit.

Ob Wald oder Steppe, ob Tropenhitze oder Polarkälte: Füchse kommen mit unterschiedlichsten Umweltbedingungen zurecht. Deshalb haben sie auch fast die ganze Welt erobert. In Märchen und Fabeln kommt der Fuchs als listig-betrügerisches Schlitzohr oft nicht gut weg. Gleichzeitig wird seine Schlauheit bewundert. Diesen Eigenschaften hat er auch die Bezeichnung „Reinecke“ zu verdanken. Der vom mittelhochdeutschen „Reinhart“ abgeleitete Name bedeutet „Der wegen seiner Schlauheit Unüberwindliche“.

Zwei junge Rotfüchse auf einer Waldwiese in Sankt-Gallen
Hat ein Fuchs einmal ein Jagdgebiet erobert, bleibt er normalerweise sein Leben lang dort. © Imago

Was den Fuchs auszeichnet, ist seine unglaubliche Anpassungsfähigkeit. Im Gegensatz zum Wolf etwa hat er sich nie auf eine bestimmte Nahrung spezialisiert. Stattdessen verspeist er alles – von Geflügel über kleine Nagetiere bis hin zu Regenwürmern und Insekten. Sogar Obst steht manchmal auf dem Speiseplan.

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Füchse sind überall zu Hause

So anspruchslos der Fuchs bei der Wahl seines Fressens ist, so problemlos passt er sich auch an verschiedene Lebensräume an. Daher ist er fast auf der ganzen Welt verbreitet: Füchse leben in Nordamerika und Europa sowie in vielen Teilen Afrikas und Asiens. Sogar an der Polargrenze sind sie zu finden. Je nach Region sind unterschiedliche Arten anzutreffen: Die Gattung der Echten Füchse unterteilt sich in nordamerikanische Kitfüchse, afrikanische Großohrfüchse und eurasisch-nordamerikanische Rotfüchse. Letztere leben hauptsächlich in Europa.

Hat ein Fuchs einmal ein Jagdgebiet erobert, bleibt er normalerweise sein Leben lang dort. Das hat den Vorteil, dass er die Umgebung kennt und weiß, wo er am besten Nahrung findet. Außerdem benötigt er dieses feste Gebiet, um seine Jungen aufzuziehen. Auf der Jagd ist der Fuchs vor allem nachts. Damit vermeidet er Begegnungen mit dem tagaktiven Menschen.

Füchse sind fürsorgliche Eltern

Normalerweise durchstreift der Fuchs sein Jagdgebiet allein. Doch einmal im Jahr gibt er sein Leben als Einzelgänger auf und gründet eine Familie. Die Paarungszeit der Füchse heißt Ranz. Sie findet nur einmal im Jahr zwischen Januar und März statt. Der Fuchsrüde ist mehrere Wochen paarungsfähig – die Füchsin, auch Fähe genannt, ist allerdings nur an zwei bis drei Tagen im Jahr empfängnisbereit. Deshalb ist es wichtig, dass der Rüde zur rechten Zeit zur Fähe findet. Dafür produziert sie Duftlockstoffe und sendet diese über den Urin aus. Der Rüde riecht den Duft und findet so den rechten Weg.

Zuerst wehrt die Fähe den Rüden heftig ab. Beide stemmen sich die Vorderpfoten gegen die Brust und reißen die Mäuler weit auf. Ist jedoch erst einmal ihre Gegenwehr gebrochen, wiederholt sich die Paarung mehrmals hintereinander. So ist die Chance größer, dass die Begattung Erfolg hat.

Die Tragezeit für die Jungen dauert ungefähr 51 bis 53 Tage. Die Jungen werden in einem Bau geboren. Anfangs haben sie ein samtiges schwarzes Fell, die Augen sind noch geschlossen. Die ersten beiden Wochen verbringen sie nur mit Schlafen und Fressen. Dabei hält die Mutter sie mit ihrem Fell warm und lässt sie keine Minute allein. Während die Mutter stillt, versorgt sie der Vater mit Fressen. Es soll sogar vorkommen, dass Fuchsrüden den ganzen Sommer über an der Jungenaufzucht beteiligt sind. Das ist allerdings eher die Ausnahme.

Bereits im Bau führen die Jungen Rangkämpfe durch. Damit legen sie untereinander ihre Rangordnung fest. Der schwächere Nachwuchs muss dem stärkeren beim Fressen den Vortritt lassen. Wenn die Jungen nach etwa vier Wochen zum ersten Mal den Bau verlassen, hat sich ihr Fell fuchsrot gefärbt. Im Laufe des Sommers lernen sie spielend alle Bewegungen und Verhaltensweisen, die ein junger Fuchs zum Überleben braucht.

Im Herbst erreichen die Jungen dann ihre Geschlechtsreife. Immer häufiger kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der Mutter. Das führt so weit, dass die Fähe sie eines Tages aus ihrem Jagdgebiet vertreibt. Damit vermeiden Füchse Inzucht zwischen Geschwistern. Die jungen Füchse müssen sich ihr eigenes Gebiet suchen und gründen bereits im folgenden Winter ihre eigene Familie.

Die hervorragenden Sinnesorgane der Füchse

Der Fuchs ist verhältnismäßig klein. Er wird sechzig bis neunzig Zentimeter lang und bis zu vierzig Zentimeter hoch. Dabei wiegt er durchschnittlich 6,5 Kilogramm. Sein langer Schwanz verleiht dem Fuchs sein stattliches Äußeres. Der Kopf des Fuchses ist extrem schmal. Er misst an seiner breitesten Stelle nur acht Zentimeter. Diese schmalen Gesichtszüge verleihen dem Fuchs seinen listigen Gesichtsausdruck, für den er allgemein bekannt ist.

Die Gangart des Fuchses ist einzigartig: Seine beiden Vorderpfoten setzt er immer hintereinander auf. Zusätzlich tritt die linke Hinterpfote immer in die Spur der rechten Vorderpfote und umgekehrt. Von oben betrachtet sehen die Fußspuren wie an einer Schnur aneinandergereiht aus. Die Gangart des Fuchses wird daher auch „Schnüren“ genannt.

Alle Sinne des Fuchses sind hervorragend entwickelt. Das beste Sinnesorgan jedoch ist seine Nase. Der Fuchs kann damit eine so riesige Vielfalt an Gerüchen wahrnehmen, wie Menschen sie kaum erahnen können. Diese Fähigkeit ist für ein Tier, das hauptsächlich nachts unterwegs ist, extrem wichtig. Es kann sich vollkommen mit seiner Nase orientieren. Bei der Jagd auf Mäuse verlässt sich der Fuchs vor allem auf sein Gehör. Seine Ohren kann er unabhängig voneinander um hundert Grad nach hinten drehen.

Die Stadt als neues Revier der Füchse

Normalerweise halten sich Füchse von Menschen fern. Doch wie viele andere Wildtiere verlieren auch sie zunehmend ihre Scheu. Sie haben gelernt, dass von Menschen kaum eine ernst zu nehmende Gefahr ausgeht, sie von manchen sogar gefüttert werden. Deshalb und weil sich ihre natürlichen Lebensbedingungen stark verschlechtert haben, wagen sie sich mittlerweile sogar in Großstädte hinein. Sie sind sogenannte Kulturfolger: Sie leben bevorzugt in von Menschen veränderten Lebensräumen. Hier finden sie ein sichereres und oftmals bequemeres Leben als im Umland, wo die industrialisierte Landwirtschaft ihre Lebensräume zerstört.

Die schlauen Tiere passen sich auch hier wieder innerhalb kürzester Zeit an diesen neuen Lebensraum an. Füchse merken sich zum Beispiel sogar, wann in einem Viertel die Müllabfuhr kommt oder wann es in einer Schule zur Pause läutet – denn hier fällt immer Futter für sie ab. In Berlin leben Füchse flächendeckend im Stadtgebiet. (Welt der Wunder Redaktion)

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