Gen-Z-Männer wollen traditionelle Rollenbilder – und fühlen sich von Gleichstellung überfordert

59 Prozent der Gen-Z-Männer sagen laut Umfrage, von Männern werde zu viel verlangt, um Gleichstellung zu unterstützen. Bei Babyboomern liegt der Wert deutlich niedriger.
Eine neue Umfrage deutet darauf hin, dass junge Männer in mehreren Ländern zunehmend traditionellere Ansichten über Geschlechterrollen vertreten. Laut Daten des Pariser Meinungsforschungsinstituts Ipsos findet fast ein Viertel (24 Prozent) der Gen-Z-Männer, eine Frau solle nicht zu unabhängig wirken. Zwanzig Prozent meinen, eine „echte Frau“ dürfe Sex nie initiieren. 29 Prozent gefällt es nicht, wenn eine Ehefrau mehr verdient als ihr Ehemann, berichtet Newsweek.
Außerdem erklärten laut der Umfrage 59 Prozent der Männer der Generation Z, von Männern werde zu viel verlangt, um die Gleichstellung der Geschlechter zu unterstützen. Bei Männern der Babyboomer-Generation sagten dies lediglich 45 Prozent, berichtet Newsweek.
Vermehrt rückwärtsgewandte Ansichten unter Gen-Z-Männern
Kelly Beaver, CEO von Ipsos UK and Ireland, sprach von einer „großen Neuaushandlung der Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft“. Forscher sagen, die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede in den Einstellungen zwischen den Generationen. Damit gehe laut Newsweek die Sorge einher, dass Fortschritte bei Frauenrechten und Gleichstellung durch rückwärtsgewandte Ansichten bedroht sein könnten.
Experten sehen einen Zusammenhang mit der Nutzung sozialer Medien. Digitale Ökosysteme und Algorithmen könnten Polarisierung verstärken, indem sie extreme Botschaften sowohl von sogenannten „Manosphere“-Influencern als auch von feministischen Gegenpositionen stärker verbreiten. Die „Manosphere“ bezeichnet lose Online-Netzwerke, in denen häufig antifeministische Positionen vertreten werden.
Expertin: Viele Jungen haben Machismo übernommen
Maria Freixanet Mateo, Expertin für Sozialpolitik, sagte laut El Nacional.cat, viele Jungen hätten einen modernen Machismo übernommen. Auf Plattformen wie TikTok würden sie wiederholt mit Behauptungen konfrontiert, dass Gesetze Männer benachteiligen oder Anzeigen wegen sexueller Gewalt häufig falsch seien.
Freixanet sprach von parallelen Wahrnehmungen zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Geschlechter. Während viele Jungen Daten zu sexueller Gewalt infrage stellten und rechtsextreme Narrative konsumierten, berichteten Mädchen von alltäglichen Erfahrungen mit und Angst vor sexueller Gewalt.
Freixanet verwies auf Interviews mit 239 Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren. Diese hätten gezeigt, dass antifeministische Narrative aus sozialen Medien unter Jugendlichen verbreitet seien, berichtet El Nacional.cat. Um dem entgegenzuwirken, schlug Freixanet vor, mehr direkte Kontakte zwischen Jungen und Mädchen zu fördern und ethische Werte stärker zu vermitteln. (Redaktion)