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Hitzewelle hat Deutschland im Griff

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Sommerwetter in Niedersachsen
Es wird heiß: Wer kann, nimmt schon am frühen Morgen ein Bad. © Hauke-Christian Dittrich

Sonnig und heiß: Sehr warme Luft und Rekord-Temperaturen lassen Deutschland brutzeln. Nicht einmal in der Nacht gibt es an vielen Orten Abkühlung. Darunter leiden die Wälder - und auch die Vögel.

Berlin/Offenbach (dpa) - Der kalendarische Sommer beginnt zwar offiziell erst in wenigen Tagen, dennoch erlebt Deutschland bereits die erste Hitzewelle mit deutlich über 30 Grad.

Bis zum Freitag ist kaum Abkühlung in Sicht. Dann kann es vor allem im Westen blitzen und donnern, ab dem Nachmittag auch heftiger, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach vorhersagte.

Am Donnerstag wurde etwa in Niedersachsen die Höchstmarke des heißesten Tages in diesem Jahr erreicht. „Über 35, 36 Grad sind in weiten Teilen des Landes verbreitet“, sagte eine DWD-Sprecherin schon am Mittag. In Nordrhein-Westfalen wurden am bislang heißesten Tag des Jahres Temperaturen von 34 Grad gemessen - sie wurden in Münster und Köln erreicht. Eine DWD-Expertin rechnete am Nachmittag mit Tageshöchsttemperaturen von rund 36 Grad. Zum Vergleich: Die höchste jemals in einem Juni in NRW gemessene Temperatur lag bei 37,9 Grad - am 27. Juni 1947 an Stationen in Köln und Königswinter.

Auch in Brandenburg wurden Temperaturen bis zu 36 Grad erwartet. Die Meteorologen rechneten mit dem heißesten 17. Juni seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen in der Region. Kalendarisch beginnt der Sommer am Montag (21. Juni).

Heiße Tage, tropische Nächte

Sehr warme Luft aus dem Mittelmeerraum hatte zuvor vor allem auch den Westen und Südwesten zum Schwitzen gebracht. Am wärmsten wurde es am Mittwoch laut DWD mit 33,9 Grad in der Nähe von Speyer, im Ort Waghäusel-Kirrlach.

Vielerorts brachte dann nicht einmal der Abend Abkühlung, die erste Tropennacht erlebte Deutschland von Mittwoch auf Donnerstag. Meteorologen sprechen von Tropennächten, wenn die Temperaturen auch nachts nicht unter 20 Grad fallen. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur gab es demnach in Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen. Dort wurde es zu keinem Zeitpunkt kühler als 22,0 Grad. In Gevelsberg (ebenfalls Nordrhein-Westfalen) lag das Temperaturminimum bei 21,5 Grad. Mit 21,4 Grad lag Bremerhaven auf Platz drei der nächtlichen Temperaturliste.

„Um die 20 Grad“ hatte es den Angaben zufolge vor allem im Ruhrgebiet, aber auch an der Saar und in der Region Köln/Bonn. Die Meteorologen gehen davon aus, dass auch die Nacht zum Freitag wieder eine Tropennacht wird. Am Donnerstag wurden bis zum Abend im Westen und Nordwesten dann vereinzelte Gewitter mit Sturm, Hagel und heftigen Starkregen erwartet.

Am Freitag ist nach DWD-Angaben erneut mit Schauern und Gewittern zu rechnen. Auch an den Alpen kommt es örtlich zu Hitzegewittern. Im Osten scheint dagegen die Sonne ungehindert vom strahlend blauen Himmel. Es wird zwischen 27 und 37 Grad heiß. Ansonsten bleibt es sommerlich und trocken. Der Hitze-Hotspot liegt dann wohl erneut im Osten des Landes, mit bis zu 37 Grad.

Gewitter am Wochenende

Das Wochenende beginnt außer im Nordwesten sonnig, tagsüber müssen sich der Osten und erneut der Süden auf teils heftige Gewitter einstellen. Im Nordwesten ist es am Samstag kühler mit 24 bis 28 Grad, sonst wird es wieder heiß mit bis zu 37 Grad im Osten. Schwülheiße 27 bis 36 Grad hat der Sonntag zu bieten, mit kräftigen Gewittern starten der Westen und Nordwesten in den Tag, wie der DWD mitteilte. Tagsüber drohen schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und teils Orkanböen, nur der Osten und der Norden bleiben voraussichtlich verschont.

Passend zu den sommerlichen Temperaturen beginnen in der nächsten Woche auch die großen Schulferien in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin, als letzte starten dann Ende Juli Baden-Württemberg und die Bayern. Auf den Straßen dürfte es dann wieder voll werden. „Autoreisen sind im Aufschwung, und der Trend zum Urlaub im eigenen Land setzt sich in diesem Sommer massiv fort“, meldete Europas größter Touristikkonzern TUI.

Waldbrandgefahr droht

Droht auf deutschen Autobahnen also ein „Super-Stau-Sommer“? Nein, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel in München. Auf den Autobahnen und Ferienrouten in Deutschland sei mit beträchtlichem Reiseverkehr zu rechnen, „einen "Super-Stau-Sommer" sehen wir aber deshalb nicht“. Der intensive Reiseverkehr beginne erst Mitte Juli.

Vielerorts steigt derzeit auch die Waldbrandgefahr. Zur Früherkennung von Bränden setzen deshalb etwa Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auf den Einsatz von zwei kleinen Flugzeugen. Die mit einem Piloten, einem Beobachter und einem Förster bemannten Cessnas sollten ab Donnerstag in einigen Gebieten ihre Routen abfliegen und nach Rauchbildung Ausschau halten, sagte Thomas Friedhoff, Referent des Feuerwehrflugdienstes Niedersachsen.

Die aktuelle Hitzewelle setzt auch den Vögeln zu: Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ruft dazu auf, besonders in Städten Vogeltränken aufzustellen, um den Tieren Wasserstellen zu verschaffen. „Die Stadtvögel leiden schnell unter Wassermangel“, so der Geschäftsführer des Nabu Bremen, Sönke Hofmann. Viele kleinere Wasserstellen wie etwa Pfützen seien bereits ausgetrocknet, auch in Gräben stehe nur noch wenig Wasser.

© dpa-infocom, dpa:210617-99-28277/5

Waldbrandgefahr
Heißes trockenes Wetter sorgt in Sachsen-Anhalt für erhöhte Waldbrandgefahr. © Matthias Bein
Köln
Hochsommerliche Temperaturen in Köln. © Oliver Berg

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