7 Dinge, die sich Deutschland dringend von Island abschauen sollte
Deutschland holt auf bei der Geschlechtergerechtigkeit. Doch bis Frauen bei uns so stark vertreten sind wie in dem kleinen nordeuropäischen Land dürfte es noch eine Weile dauern.
Mit einer fast ausgewogenen Geschlechterverteilung in der Bundesregierung ist Deutschland in einer globalen Rangliste der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen auf Platz sechs vorgerückt. Deutschland verbesserte sich damit um vier Plätze, führt die Liste aber noch lange nicht an. Auf dem ersten Platz landete erneut Island.
Gleichberechtigung wird dort nicht nur bei der Verteilung der Geschlechter großgeschrieben. Island ist laut dem Glass-Ceiling-Index (GCI) von The Economist das Land, in dem man als berufstätige Frau am besten aufgehoben ist. Was macht das kleine Land immer noch besser als Deutschland?

Hier sind 7 Dinge, die wir uns von Island abschauen sollten:
1. Ministerium für Gleichberechtigung
In Deutschland gibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das die Gleichstellung von Mann und Frau zum Ziel hat. In Island kümmert sich darum sogar ein ganzes Ministerium.
2. Wer nicht geschlechtergerecht bezahlt, wird bestraft
In Island müssen Unternehmen Frauen und Männern in der gleichen Position dasselbe bezahlen. Tun sie das nicht, droht ihnen eine Strafe.
Vielleicht könnte so ein Gesetz Deutschland dabei helfen, den Gender-Pay-Gap zu bekämpfen. Nach den neuen Ergebnissen des Weltwirtschaftsforums (WEF) verschlimmerte sich die Benachteiligung von Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen bei Löhnen weiter. Frühere Untersuchungen zeigen, dass der Gender-Pay-Gap besonders in den Branchen Beratung, Pflege und Pharma steigt.
3. Verpflichtung zur geschlechtergerechten Sprache
Gendern ist in Island nicht verpönt. Im Gegenteil: In allen offiziellen Dokumenten muss geschlechterneutrale Sprache verwendet werden, um die Gleichstellung der Geschlechter sprachlich zu fördern.
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4. Gleichberechtigung fest im Lehrplan verankert
Der WEF stellte im deutschen Bildungssystem sehr hohe Gleichstellungswerte fest, so wichtig wie Island ist uns das Thema an der Schule aber eher nicht. In allen Klassenstufen ist Gleichberechtigung im Inselstaat Pflichtthema und sogar darüber hinaus: Vorschulen bis hin zu Universitäten müssen Unterrichtsstunden oder Veranstaltungen zu Geschlechtergerechtigkeit anbieten. In Island sind außerdem sexistische Lehrbücher verboten.
Hier sind 5 Dinge, die bei der Bildung in Deutschland noch schieflaufen.
5. Im Parlament stellen Frauen die Mehrheit
Während in Deutschland nur 34,8 Prozent der Bundestagsmitglieder Frauen sind, stellen Frauen in Island die Mehrheit. 33 von 63 Sitzen der Sitze im Parlament sind weiblich besetzt. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Parlamentarier Frauen sind. Island hat damit das weiblichste Parlament Europas.
Immerhin ist auch in Deutschland der Frauenanteil unter den Abgeordneten leicht angestiegen und führte zu dem bisher besten Ergebnis für Deutschland in dem diesjährigen Index, der seit 2006 vom WEF erstellt wird.
Auch bei der Verteilung der Kabinettsposten herrscht in Deutschland keine Parität – was immer wieder kritisiert wird.
6. 40 Prozent Frauenquote in Führungspositionen (mancher Firmen)
In allen staatlichen Unternehmen, börsennotierten Firmen und privaten Aktiengesellschaften mit 50 oder mehr Beschäftigten müssen jeweils 40 Prozent Frauen in den Vorständen sein. In Deutschland müssen es in neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in mehr als 100 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen nur 30 Prozent sein.
Von einer allgemeinen Frauenquote in den Führungspositionen aller Firmen sind sowohl Deutschland als auch Island weit entfernt.
7. Gerecht verteilte Elternzeit
In Deutschland können sowohl Mütter als auch Väter bis zu drei Jahre in Elternzeit gehen. In der Realität sieht es dann schnell anders aus: Nach einer Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung gingen im vergangenen Jahr in Deutschland zwar 43 Prozent der Männer in Elternzeit, allerdings nicht besonders lange: Drei von vier Vätern blieben nur maximal zwei Monate zu Hause.
Um das zu verhindern, hat Island ein Gesetz entwickelt, das Männern keine Wahl lässt: Die dortige 18-monatige Elternzeit ist unterteilt in sechs für die Mutter und sechs für den Vater. Die restlichen sechs können frei untereinander aufgeteilt werden.
In anderen Bereichen gibt es noch mehr Dinge, die sich Deutschlandland von anderen Ländern abschauen sollte.
(Mit Material der dpa)