„Stinker des Weltalls“: Exoplanet riecht nach faulen Eiern

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Von: Paul Luka Schneider

Ein Exoplanet, in dessen Natur es liegt, zu müffeln? Den gibt es. Das Stinken freut Forscher ungemein.

München – Die Vorstellung, dass die Menschheit auf einem Planeten leben müsste, auf dem es ununterbrochen nach faulen Eiern riecht, ist für viele unvorstellbar und wäre in der Praxis wohl auch kaum auszuhalten. Doch genau so einen Planeten gibt es. Den Exoplaneten HD 189733b. Das geht aus einer Studie der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität hervor, die am 8. Juli in der Wissenschafts-Zeitschrift Nature veröffentlicht worden ist.

Das Team um den Studienautor Guangwei Fu „erschnüffelte“ mit Unterstützung durch das James-Webb-Weltraumteleskop die stinkende Atmosphäre des 64 Lichtjahre von der Erde entfernten Gasriesens – eines „heißen Jupiters“.

Auf der „Stinkbombe“ unter den Exoplaneten regnet es Glas

Im Jahr 2005 entdeckten Wissenschaftler den in Bezug auf die Größe und chemische Zusammensetzung Jupiter-ähnlichen Koloss zum ersten Mal. Und wollten scheinbar gar nicht mehr von ihm ablassen. Er ist einer der am besten und weitreichendsten untersuchten Exoplaneten, wie CNN schreibt. Sengende Temperaturen bis zu 927 Grad Celsius, stürmische Winde von über 8000 Kilometern pro Stunde und Sturzregen glasartiger Partikel sind dort zu beobachten.

bläulicher Exoplanet HD 189733b mit seinem Stern
Astrophysiker haben in der Atmosphäre des bläulichen Exoplaneten HD 189733b Schwefelwasserstoff nachgewiesen. © Roberto Molar Candanosa/Johns Hopkins University

Nun also die nächste Erkenntnis: Die Atmosphäre enthält Spuren von Schwefelwasserstoff. Das farblose Gas verströmt aber nicht in erster Linie nur einen üblen Geruch, vielmehr kann sich der Nachweis als Quantensprung für die astronomische Wissenschaft erweisen. Diese hat sich nämlich auf die Fahne geschrieben, herauszufinden, wie sich Schwefel auf Planeten und Atmosphären außerhalb des Sonnensystems auswirkt.

Astronomen suchen bereits die nächsten stinkenden Exoplaneten: „Sprungbrett“ für die Forschung

„Schwefelwasserstoff ist ein wichtiges Molekül, von dem wir nicht wussten, dass es außerhalb des Sonnensystems existiert“, sagt Fu in einer Mitteilung. Er relativiert aber die nächsten Forschungs-Schritte seines Teams: „Wir suchen nicht nach Leben auf diesem Planeten, weil er viel zu heiß ist. Die Entdeckung von Schwefelwasserstoff ist aber ein Sprungbrett, um dieses Molekül auf anderen Planeten zu finden und mehr darüber zu erfahren, wie sich verschiedene Arten von Planeten bilden.“

Neben Schwefelwasserstoff sind auch Messwerte der Konzentration von Wasser, Kohlendioxid und -monoxid sowie von Schwermetall erfasst worden. Gerade von der Auswertung des letzten Werts versprechen sich die Forscher einiges, wie Fu betont. Das Team stellt sich die Frage, inwieweit die Metallizität eines Planeten mit seiner Masse korreliert.

Parallel sollen dann schon weitere Schwefel-Messungen im Umfeld anderer Exoplaneten laufen. Erklärtes Ziel sei es, zu verstehen, inwiefern ein hoher Schwefel-Gehalt die Entstehung von Exoplaneten nahe der Muttersterne bestimme.

„Wir wollen wissen, wie diese Art von Planeten dorthin gekommen ist, und das Verständnis ihrer atmosphärischen Zusammensetzung wird uns helfen, diese Frage zu beantworten“, ist Fu sich sicher. „Mit weiteren Datensätzen wollen wir verstehen, wie Planeten entstehen und ob unser Sonnensystem in der Galaxie einzigartig ist“, blickt Fu gegenüber CNN voraus. (pls)

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